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„Ö, Balthasar!"
„Statt mir dankbar zu sein, machst Du mir Vorwürfe. Nach langjähriger Abwesenheit hoffte ich mit offenen Armen empfangen zu werden, statt dessen —"
„Du kannst Dich über die Aufnahme, die Du in unserem Hause gefunden hast, nicht beklagen", unterbrach sie ihn.
Er schnitt eine Grimasse. „Darüber ließe sich viel sagen. Aber lassen wir das und die Reminiscenzen dazu. Beschäftigen wir uns mit der holden Gegenwart. Nach Deinem Befinden habe ich mich bereits erkundigt. Wie geht es dem Herrn Kommerzienrat, den Söhnen und dem Töchterchen? Wie steht es sonst im Hause?"
„Es hat sich nichts verändert", antwortete mit bebender Stimme die Kommerzienrätin, denn sie sah jetzt den Augenblick herankommen, wo er zum direkten Angriff übergehen würde. Seine nächste Frage lautete denn auch:
„Und wie befindet sich meine holde, vielgeliebte Felicitas ?"
„Wie immer".
„Du hast mit ihr gesprochen?"
„Mehr als einmal".
„Nun?"
„Immer dasselbe Resultat. Sie will nicht".
Er sprang auf und stieß einen Fluch aus. „Aber sie soll wollen- sie muß wollen!" schrie er und stampfte mit dem Fuß. (Fortsetzung folgt.)
Obst für Hühner. Ein Engländer will, nach einer Mitteilung des „Praktischen Wegweisers", Würzburg, die Beobachtung gemacht haben, daß Hennen im Herbste, obschon noch in der Mauser begriffen, wieder zu legen anfingen, nachdem sie zu einem Schober frischer Gerste freien Zutritt gehabt und im Obstgarten fleißig die abgefallenen> weicheren Herbst- üpfel unter Verschmähung der härteren Winteräpfel angepickt hatten. In den ersten zehn Tagen des Oktobers hatte er von .sechs Hühnern dreißig Eier erhalten. Die Vorliebe der Hühner für Obst aller Art ist bekannt. Es wäre gut, einmal zu untersuchen, welchen physiologischen Wert eine Beigabe von Obst zum Futter bei Hühnern hat und welcher wirtschaftliche Nutzen sich mit solcher Beigabe erzielen läßt.
Aeld und Karten.
Gegen die Blutlaus hat ein Leser des „Praktischen Wegweiser", Würzburg, seit lange als billiges und probates Mittel eine Abkochung von Quasstaspänen angewendet. Für 10 Pfg. erhält man so viel Späne, um zwei Liter Brühe genügend stark herzustellen. Quassiaspäne hat jeder Drogist. Die Brühe ist nur ein Gift für kleine Insekten, sonst aber geruch- und gefahrlos.
Sollte Schneckenfraß im Herbst am jungen Getreide, Klee und dergleichen sich einstellen, was besonders bei nassem Wetter zu erwarten ist, so wende man das Kalkstreuen an. Frisch gelöschter, zu Pulver zerfallener Kalk (9 bis 10 Hektoliter auf 1 Hektar) ist bei trockenem Wetter in den Morgenstunden auf die von den Schnecken befallenen Flächen auszustreuen- der Sicherheit der Wirkung wegen noch ein Weites Mal eine Viertelstunde später. Da die Ackerschnecke in der Regel von außen in die Ackerstücke einwandert, so sollte man da, wo ihr massenhaftes Auftreten zu befürchten ist, rechtzeitig rings um diejenigen Felder, die besonders gefährdet sind, Kalk streuen, um von vornherein den Eindringling abzuhalten.
Kesundyeitspflege.
Neue KühlglSser für Getränke. An Magengeschwüren, schweren Erbrechungen, Lungenblutung, Bauchfellentzündung, Kehlkopfschwindsucht Leidenden werden eiskalte Getränke verabreicht. Da muß man das Trinkgefäß in ein anderes, mit Eis gefülltes Gefäß stellen, vor dem Gebrauch abtrocknen,
das Eis bald wieder ersetzen. Das ist umständlich. Man kann sich da leicht ein Kühlglas, wie es durch Dr. Aron in Gebrauch gekommen ist, zusammenstellen. Ein größeres, dickwandiges Glas mit Handgriff (etwa ein Bierkrügel) ist am Rande nach innen zu mit einem Gummiring versehen. In dieses größere Glas wird ein zweites kleineres hineingestellt und durch den gleichzeitig als Dichtung dienenden Gummiring festgehalten. In den Zwischenraum zwischen beide Gläser kommen kleine Eisstückchen, in das kleinere Glas das Getränk. Damit das innere Glas leicht hineingesteckt und herausgenommen werden kann, empfiehlt es sich, im Gummiringe eine kleine Oeffnung zum Entweichen der Luft anzubringen, die dann durch einen kleinen Glasstöpsel wieder verschlossen werden kann. In einem solchen Kühlglase bleibt das Eis, dem man etwas Kochsalz beimischt, vier bis fünf Stunden erhalten. Beim Trinken hält man das äußere Glas.
Der Honig als Heilmittel gegen Brandwunden. Die vorzüglichen Eigenschaften des Honigs als Nahrungsmittel sowohl wie als Medizin sind wohl allbekannt- daß aber der Honig auch bei offenen Wunden und bei Verbrennungen der Haut durch siedendes Fett oder Wasser von wunderbarer Heilkraft ist, dürfte wohl noch vielen nicht bekannt sein. Jüngst hatte sich eine Köchin mit siedendem Fett an den Armen arg verbrannt- da sie nicht gleich etwas anderes zur Hand hatte, ergriff sie schnell den Honigtopf und bedeckte die Brandwunde ganz mit Honig, machte also damit Umschläge- nach einiger Zeit war die Wunde ganz geheilt, wie weggewischt, ohne auch nur im geringsten einen Fleck auf der Haut zu hinterlaffen. Auch offene Schäden werden durch Aufschläge von Honig und Essig rasch und sicher geheilt. Der Honig hat also nicht nur als Nahrungsmittel, sondern auch als Heil- rsp. Hausmittel einen unschätzbaren Wert- er sollte in keinem Haushalt fehlen.
Aür die Küche.
Ein ziemlich nn-ekanntes Gemüse, das sehr zart und fein schmeckt, geben die Blütenknospen der Schwarzwurzeln. Bevor die doldenartig nebeneinander stehenden Knospen sich zur Blüte öffnen, pflückt man sie, entfernt die äußeren Blättchen und siedet sie in Salzwaffer. Dasselbe färbt sich bald hellbraun, die Knospen nehmen aber eine schöne, grüne Farbe an und sind bald weich. Dann gibt man über die abgeseihten Knospen eine gute Buttersauee- sie lassen sich auch gesotten und erkaltet als Salat verwenden. („Prakt. Wegweiser.")
Salmi ä l’ancienne. Zehn Personen. Bereitungszeit zwei Stunden. Zuthaten: Vier junge Rebhühner, 125 Gramm Butter, 1/4 Liter Kraftbrühe aus Liebig's Fleisch-Extrakt, sechs geschälte Chalotten, vier Eßlöffel spanische Sauer, Saft einer halben Zitrone, ein Glas Madeira, Salz nach Geschmack. Die sauber vorbereiteten Rebhühner werden in der Butter halb gar gebraten, nach dem Erkalten von der Haut und dm Gerippen gelöst, in zierliche Stücke zerlegt und in der Kraftbrühe aus Liebig's Fleisch-Extrakt langsam weich gedünstet. Kurz bevor dies geschehen ist, setzt man der Brühe die Chalotten und die spanische Sauce zu, ebenso Zitronensaft und läßt sie zur Hälfte einkochen. Inzwischen stieß man die Abfälle der Rebhühner im Mörser mit einigen Löffeln der Sauce, treibt sie durch ein Sieb, verbindet sie' mit dem Salmi, das im Wasserbade heiß erhalten wird, und fügt den Wein zu. Die Speise wird beim Anrichten mit gerösteten Weißbrotscheiben oder Butterteig-Fleurons garniert.
V-rmMhtes.
Werden große Männer alt? Man ist versucht, „nein" zu sagen, wenn man an Schiller, Byron, Mozart und Rafael denkt. Und doch erreicht fast die Hälfte aller „Führer der Menschheit" das vom Psalmisten besungene Alter von 70 Jahren. Aus folgender Tabelle, die uns das


