Ausgabe 
7.9.1899
 
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KVT

Ätil

W

f oll dir frommen ein Schlag, da§ merke, Führ' ihn gleich mit entscheidender Stärke! Nur nichts Halbes, roo dir bewußt, Daß du das Ganze vertreten mußt!

Geibel.

(Nachdruck verboten.-

Schuldig.

Erzählung von F. Arnefeldt.

(Fortsetzung.)

Draußen im Vorsaal wurden Schritte und Stimmen laut- nach kurzem, schnellen Anklopfen öffnete sich die Thür, Ernst Sommer und Hans Helldorf traten ein.

Beide hatten einige Stunden unten int Kontor gemein­schaftlich gearbeitet und kamen jetzt, um noch ein Weilchen in der Gesellschaft der ihnen so teuren jungen Mädchen zu verbringen. Aus beider Augen strahlte die Freude beim Anblick der sympathischen Gesichter, der anmutigen Gestalten, die heute beide helle Sommerkleider trugen. Herzlich und zärtlich fiel die Begrüßung aus, dennoch lag in dem Wesen der jungen Männer etwas, das beiden aufstel und Aurelie, noch ehe jene Platz genommen, zu der Frage veranlaßte:

Was habt Ihr? Doch kein neues Unglück?*

Nein, im Gegenteil," antwortete Hans Helldorf,etwas Gutes!"

Die Diebe sind entdeckt!" schrie Aurelie auf.

In Ernst Sommers Augen schossen Thränen und weh­mütig sagte er:Arme hoffnungsreiche Schwester, so weit sind wir noch nicht. Nur eine Spur, eine schwache Spur hat sich gefunden!"

O, das ist doch schon sehr viel!" rief Felicitas und reichte Ernst die Hand.Wenn aus wolkenverhangenem Himmel die Sonne hervorbricht, darf man hoffen, daß wieder freundliches Wetter wird, und eine schwache Hoffnung nach bangen Leidenstagen kündet den Beginn besserer Zeiten an".

Mein holder Trostengel!" flüsterte Ernst, ihre Hände an seine Lippen drückend, Aurelie rief aber:

So laßt doch hören, was geschehen ist!"

Kleine Ungeduld!" scherzte Hans,aber Du bist in Deinem Rechte".

Abwechselnd erzählten sie nun, daß bei der Polizei­behörde ein Bericht aus London eingegangen sei. Ein vor­nehmer Herr, der seinen Namen nicht genannt habe, nach

seiner Aussprache des Eugltschen aber ein Spanier oder Portugiese gewesen sein müsse, sei in das Bankgeschäft von Brooks Brothers gekommen, um deutsches Geld gegen englisches umzuwechseln, was anstandslos geschehen sei, dann hatte er gefragt, ob man auch Aktien deutscher Unter­nehmungen kaufen würde und mehrere Papiere, die er um­setzen wolle, genannt. Nun war es dem Angestellten der Firma, mit dem er verhandelte, auffällig geworden, daß der Südländer gerade deutsches Geld wechselte und deutsche Papiere verkaufen wolle- der ihnen gemeldete Diebstahl in Berlin sei ihm eingefallen, und er habe einem Kollegen leise den Auftrag gegeben, doch einmal das Verzeichnis der gestohlenen Aktien einzusehen, während er sich in eine Unterhaltung mit dem fremden Herrn einließ, auf die dieser auch mit großer Bereit­willigkeit eingegangen war. Inzwischen sei der junge Mann an das Sprachrohr gerufen worden, um eine Auskunft zu geben und während er sich umgedreht, war der Fremde schnell und geräuschlos verschwunden. Die Aktien, die er zum Verkauf angeboten, hätten sich in dem Verzeichnis der ge­stohlenen befunden, man könne aber nicht behaupten, daß es dieselben gewesen, die den Dieben in die Hände gefallen, da man sie nicht gesehen und nicht die Nummern vergleichen gekonnt habe. Das Verschwinden des Verkäufers deute aber darauf hin, daß er in unrechtmäßiger Weise in den Besitz der Papiere gelangt sei. Das Bankhaus hatte sich verpflichtet gefühlt, den Vorfall der Londoner Polizei zu melden und diese hatte wiederum die Berliner davon in Kenntnis gesetzt, freilich mit dem Hinzufügen, es sei nicht gelungen, eine Spur des Verdächtigen zu finden.

Und das ist alles!" rief Aurelie, die mit gespannter Erwartung den Mitteilungen gelauscht hatte, deren anfäng­lich freudestrahlende Miene im Verlauf derselben aber immer enttäuschter und niedergeschlagener geworden war. Durch ein trauriges Kopfnicken stimmte ihr Ernst bei, Felicitas rief aber:

Das ist nichts und ist doch recht viel. Wir wissen jetzt, daß die Aktien vorhanden find, und daß es den Dieben darum zu thun ist, sie zu verkaufen. Sie werden es bei dem einen mißlungenen Versuch nicht bewenden laffen und sich früher oder später in der eigenen Schlinge fangen!"

Sehr richtig" rief Hans Helldorf,ich stimme Ihnen völlig bei, Fräulein von Kressen. Man muß jetzt die Wach­samkeit verdoppeln."

Wenn ich nach London reiste!" rief Ernst Sommer.

Felicitas schüttelte verneinend den klugen Kopf, und Hans sagte: