Ausgabe 
7.5.1899
 
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1899.

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en klaren Geist, den offnen Sinn,

Nicht ohne Kampf und Schmerz.

itaf Ein rein empfänglich Herz, Die schönen Drei erringst du dir

Je mehr dein tiefster, inn'rer Mensch Dich gläubig wissen lehrt, Je mehr ist dir vom erogen Licht Zu deinem Heil beschert.

Dein Wissen läßt dich bettelarm.

Dein Glück ist leer und blind, Wenn sie vom Gottesdrang in dir

Nicht Blütenzeugen sind. Jul. Hammer.

(Nachdruck verboten.)

Die kleine Lulu.

Seeroman von Clark Russell.

(Fortsetzung.) Siebzehntes Kapitel. Ein derber Scherz.

Nach vierzehn Tagen günstigen Windes gelangten wir in jene äquatorialen Breiten, wo unbeständige Luftströmungen herrschen und Gewitter und Windstillen die Qual des See­manns bilden.

Der Kapitän und der Maat gönnten uns gar keine Ruhe. Von morgens bis abends drehten wir an den Raaen, setzten Leesegel, nahmen sie wieder ab. und mühten uns am laufenden Tauwerk, bis unsere Hände voll Blasen waren. Sobald sich die glasige Oberfläche des Wassers nur im geringsten kräuselte, wurden wir an die Brassen geschickt, obgleich auch jeder Laie hätte sehen können, daß der Luftzug nichts weiter als ein vorübergehendes Fächeln war, welches wahrscheinlich im nächsten Augenblick gerade aus der entgegen­gesetzten Richtung den Wasserspiegel treffen würde.

Die Leute murrten häufig und bitter, bis jetzt drang dies aber noch nicht bis nach hinten. Nur Banhard ließen wir unseren Unmut fühlen. Nach den gemessenen In­struktionen des Kapitäns durfte er um keinen Preis den geringsten Luftzug unbeachtet lassen- hierunter litt er jämmerlich - denn er fürchtete den Zorn des Kapitäns bei einer

Versäumnis und wollte es auch mit uns nicht verderben, indem er uns zuviel Arbeit gab. So befand er sich immer zwischen Thür und Angel.

Als er einmal die Mittel-Wache hatte, war eine Wind­stille, die Zeichen einer Unterbrechung zeigte. Die Raaen waren gebraßt, die Brigg lag fest wie eine Boje, ihre weißen Segel schimmerten in der Dunkelheit und die Oberfläche der See glitzerte vom Wiederschein der Sterne. Der Mann am Steuer schien eingenickt. Vorn lagen beide Wachen auf Deck, da es unter der Luke wie in einem Backofen war.

Banhard saß auf dem Oberlicht mit abgenommener Mütze und beugte sein Ohr tief nieder, um zu horchen, ob der Kapitän sich etwa rühre. Das Resultat seines Lauschens schien befriedigend gewesen zu sein, denn er zog seine Pfeife heraus, stopfte sie und steckte sie am Kompaßlichte an. Hiermit fertig, nahm er seinen Sitz wieder ein und paffte behaglich und bedächtig. Aber es war eine Nacht voll magnetischer Einflüsse. Das schwache Spülen des Wassers unter der Gillung, welches das Ruder gerade nur stark genug traf, um ein leises Klirren seiner Ketten zu bewirken, war w>e das einschläfernde, sanfte Summen einer Mutter an der Wiege ihre Lieblings- das flimmernde Sternenlicht traf er­müdend die Augenlider, und das leise Rauschen der leichten Segel klang in der Dunkelheit wie ein Flüstern, welches die Ruhe eines Schlafsuchenden nicht stören will. Die Pfeife fiel Banhard aus dem Munde - er nahm sie nicht wieder auf - bald hörte man ihn friedlich schnarchen.

Vom Rade aus ließ sich ein leises, vorsichtiges Pfeifen hören- offenbar war dies ein verabredetes Zeichen- denn sofort erhoben sich zwei von den auf Deck liegenden Leuten und schlichen behutsam auf den Fußspitzen nach hinten- einer trug, wie es mir schien, ein aufgerolltes Tau - er kletterte ins Takelwerk des Großmastes. Ich sah dem allem erstaunt zu und war gespannt, zu entdecken, was für ein Unheil die beiden da brauten. Der Mann, der ins Takel­werk gestiegen war, kam bald wiederherunter- er stellte sich an den Fuß des Hauptmastes. Inzwischen hatte der andere sich bei dem ahnungslosen Banhard zu schaffen gemacht - jetzt gesellte er sich zu seinem Gefährten. Eine kurze Pause, ein gellender Schrei, Banhard schwebte in der Luft, die beiden Leute stürzten nach vorn.

Was habt Ihr gethan?" schrie ich, indem ich auf­sprang.

Sie gaben keine Antwort- Hals über Kopf stürzten sie an mir vorüber nach der Luke, in welcher sie verschwanden.