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oer Farbe umging, jemehr es sich auf die schimmernde Weiße seiner Glasur zugute thun konnte, bequemt sich der allgemeinen Bewegung an. Schon in der Mitte der achtziger Jahre trat die Berliner Porzellanmanufaktur mit Schaugefäßen hervor, welche über die ganze Fläche mit einer vom Blauen ins Rote spielenden Tönung bedeckt waren. Das war Unterglasur-Farbe, wie sie in den besten Zeiten in China gepflegt wurde. All diese verschiedenen Nüancen des Blau und Rot verdankt man dem Kupferoxyd, welches je nach der reichlicheren oder geringeren Sauerstoffzufuhr beim Brande in den verschiedensten Farben aus dem Ofen hervorgeht. Ueberraschende, oft zufällig entstandene Wirkungen geschickt zu benutzen und auSprobierte Zusammenstellungen und Mischungen der Metallfarben immer weiter zu vermehren, mußte das Ziel dieses Strebens sein. Es sind seitdem verschiedene andere, besonders blaugrüne Farbenstimmungen erzielt worden.
Für die Entwickelung der Thonwaren ist im letzten Jahrzehnt die Rookwood-Pottery bei Cincinati wichtig geworden. Eine Frau war es, Mrs. Longworth-Stover, welche, unterstützt von einem großen Vermögen, ihren ganzen Eifer und ihre Arbeitskraft dafür einsetzte, die Unterglasur-Malerei auf Thon zu vervollkommnen. Ihren jahrelangen, unermüdlichen Versuchen und der Unterstützung eifriger Mitarbeiter gelang es, immer mehr Farben zu erhalten. Die Schwierigkeit bestand nämlich darin, daß die Mehrzahl der bekannten färbenden Metalloxyde in der ungeheuren Hitze, der sie im Brande ausgesetzt werden müssen, nicht stand hielten. Die Farben, die auf der Glasur bei nur mäßigen Hitzegraden einbrennen und unversehrt den Ofen verlassen, können auf dem rohen Material nicht benutzt werden. Daraus erklären sich die wenigen Farbentöne, die auf dem alten chinesischen Porzellan zu finden sind, ebenso wie das berühmte Blau, auf das man sich in Delft beschränkte. Zeigt also die Malerei auf der Glasur eine reichere Palette, so rechtfertigt andererseits der weichere Schmelz des Farbenauftrags, der durch das Unterglasur-Verfahren erzielt wird, auf's entschiedenste die darauf verwandten Bemühungen. Auch bei Frau Long- worth-Stover's Arbeiten erwies sich der Zufall als Mitarbeiter bei den verschiedenen Entdeckungen, die einer Vermehrung der bekannten Farben galten, und oft genug mag die Erfinderin mit angstvoller Spannung daS Versuchsstück aus dem Ofen haben hervorgehen sehen. Manche freudige Ueberraschung wurde ihr Lohn.
Durch die Art der Glasur unterscheidet die Rookwood- Ware sich sehr wesentlich von jener vorhin besprochenen Richtung, welche die stumpfwirkende Oberfläche anstrebt. Die amerikanischen Erzeugnisse sind die hervorragendsten Vertreter des entgegengesetzten Prinzips. Die Glasur ist strahlend blank und bildet im Verein mit der lebhaften Farbengebung eine starksprechende dekorative Wirkung. Dieselbe Absicht Macht sich in der englischen Töpferware geltend, während die belgische Vertreter beider Richtungen aufweist. Noch eine besondere Art der Glasur findet sich bei den sogenannten Lüstre-Fayencen. Die Technik solchen Mctallglanzes hatten schon die Perser hoch entwickelt. Neuerdings wendet man diesen Schmuck mit Vorliebe wieder an. Zu besonderer Vollkommenheit hat der Franzose Element Massier diese Technik gebracht, und auch der Berliner Maler Friedrich Stahl stellte schon vor einigen Jahren sehr reizvolle Fayencen mit Metall- lüstre aus, die er selbst angefertigt hatte.
Was nun die eigentliche Ornamentierung der neuen Irdenware betrifft, so sind auch darin zwei verschiedene Grundsätze zu unterscheiden. Von der freien Methode, die auf die Farbe das entscheidende Gewicht legt und diese in willkürlicher, wenn auch berechneter Weise verteilt, habe ich schon gesprochen. Andererseits verzichtet man aber auch nicht auf bildartigen Schmuck, hält sich an Naturvorbilder, die man in der Form bald mit voller Genauigkeit nachbildet, bald vereinfachend umgestaltet, und läßt in der Farbe ein
stilisierendes Element zu, in dem auch die launenhaften Zü fälltgkeiten des Brandes zu ihrem Recht kommen mögen.
Auch hier sind es in erster Reihe wieder die Erzeugnisse der Rookwood-Manufaktur, welche sich in Erinnerung bringen. Die Maler dieser Anstalt verwenden besonders Pflanzenmotive, und in der Feinheit der Naturbeobachtung, sowie in der anmutigen Schmuckverteilung verrät sich wieder Japans wohlverstandenes Beispiel. Ist doch neben den amerikanischen Künstlern ein japanischer Maler in hervorragender Weise dort thätig. In ganz anderem Stil verwendet die Kopenhagener königliche Porzellan-Manufaktur Naturvorbilder. Besonders sind es Tierdarstellungen, die in feinen grauen und blauen Tönen zum Schmuck verwendet werden. Diese vielen und sehr farbigen Nüancen des Grau sind es, um die Dänemark von den anderen Ländern beneidet wird. Dabei muß darauf hingewiesen werden, daß sich dieses Geschirr durch große Sparsamkeit in der Anwendung des Schmuckes auszeichnet, und daß dem schönen weißen Grundton oft eine beträchtliche Fläche Vorbehalten bleibt.
Endlich komme ich zu den Gefäßformen. Sie sind sehr mannigfaltig. Im allgemeinen macht sich daS Bestreben geltend, den seither gepflegten Stilen, vor allem den griechischen Basenformen aus dem Wege zu gehen. Chinesisch- japanische Vorbilder sind eher zu spüren. Wir finden Versuche, die Form von Früchten im Gefäße nachzubilden oder seinen Körper aus naturalistisch gebildeten Pflanzen zusammenzufügen. Eine schöne Vase von Lachenal scheint aus den aufstrebenden Blättern und Stilen von Narzissen zu bestehen; die Blüten bilden den Abschluß nach oben, und die Wurzel- knollen umsäumen den Fuß. Oder die Dekorationsmotive werden nur bestimmend für den oberen Rand, welcher z. B. bei einer schönen Schale der schwedischen Porzellanfabrik von aneinander gereihten Seekrebsen umgeben ist. Aber nicht immer hat man es mit so klar bestimmten Formen zu thun. Besonders die französische Keramik gefällt sich in einer Phantastik, die ein Spiel mit hervortretenden Eindrücken treibt. Sie operiert mit organischen Formen, die sich nur halb aus der Masse herausheben und die auf den ersten Blick fast wie zufällige Produkte eines bloßen Spiels mit dem Material erscheinen. Man fragt sich, ob der Henkel der Vase nur etwas unregelmäßig verschoben sei, oder ob dies eine menschliche Figur vorstellt. Aber in diesen Versuchen steckt oft so viel künstlerisches Empfinden und so viel graziöses Gleichgewicht der Linien, daß solche Stücke uns vielleicht ein leises Kopfschütteln abnötigen, uns aber nichtsdestoweniger eigentümlich anziehen.
Und dicht neben solchen raffinierten Sonderbarkeiten begegnen wir oft in Ausstellungen dem direkten Gegensatz: dem Schlicht-Gesunden in Person. Man ahmt alte Bauerntöpferei in Form und Verzierungsweise nach und veredelt beide nur so wett, um auch einen verwöhnten Sinn zu befriedigen. In Deutschland wird diese Richtung besonders durch Professor Säuger in Karlsruhe vertreten, dessen höchst ansprechende Ziergefäße durch ihre Einfachheit sehr geeignet sind, auch der gewerbsmäßigen Töpferei heilsame Anregungen zu bieten.
Humoristisches.
Ein gefühlvoller Zahnarzt. Dame: „Ziehen Sie auch unentgeltlich Zähne?" — Zahnarzt: „Jawohl . . . aber ich würde Ihnen nicht dazu raten!"
Börsianer A.: Charpardin sagt scheint's über mich die tollsten Dinge. Seinem Gerede nach wär' ich ja ein Bankerotteur, Urkundenfälscher, Zuchthäusler und Gauner schlimmster Sorte! — Börsianer B.: Mein Gott! — Sie wissen ja: Chapardin hat von jeher gern ein wenig übertrieben.
iJitsaftion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Gteindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


