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Nicht weniger planvoll vorbereitet und weise berechnet

(Fortsetzung folgt.)

als Ge-

vorzüglichsten Eigenschaften des ThongeschirrS gesehen wurde. Die Glasur breitete sich als strahlendes Festkleid über den

bescheidenen Kern, und wo die Masse selbst oder die unenb wickelte Technik dies nicht zuließ, da mußten andere Mittel herhalten, um den Emporkömmling hoffähig zu machen. Dieses Streben verrät stch in der Anwendung von Politur für die unglasterte braunrote Porzellanmaffe bei der frühesten Böttger-Ware. Dieses Verfahren war aber nicht in der

ein Fahencegefäß von Guerin, daS auf stumpf gelbgrauem Grunde in Metalllüstre Muscheln und Seesterne erkennen läßt.

sind gewisse Dekorationsweisen, bei denen dem blinden Un­gefähr ein großer Spielraum gelassen scheint. Der Zufall als Dekorateur! Da erkennen wir in der schon erstarrten

- l mattem Steingut Ornamente in schimmernder Glasur. Zu

Der Springbrunnen I stumpfem Grün und Rosa gesellt sich z. B. ein munteres Farbenspiel, das an gleißende Perlmutter erinnert. Das Gewerbemuseum in Berlin bewahrt in seinen Sammlungen

Maffe noch die Wirkung des bewegenden FeuerS, das die Glasuren schmelzend verschiebt, die Konturen verschwimmen läßt. Die Farben fließen tropfend an der Fläche herab, vermischen sich, gestalten sich neu, und was des Pinsels trockener Korrektheit unerreichbar blieb, das bewirkt der natürliche Vorgang des Brandes: ein phantastisches Spiel unregelmäßiger Farbenflecken, welches manchmal noch das schwache Abbild eines Naturmotivs erkennen läßt. Die Be­zeichnungüberlaufende Glasuren" ist dem Fachmann ei» geläufiger Begriff. Oder die einfarbige Fläche wird durch absichtlich in der Glasur hervorgerufene Sprünge belebt. Anfänge dieses Verfahrens finden sich schon bei chinesischen Porzellanen des vorigen Jahrhunderts. Das wird jetzt weiter entwickelt. Da erkennt man die launenhaft-regelvolleu Bildungen, zu denen die sich selbst überlaffenen Stoffe sich nach geheimem Gesetz ordnen. Bald erinnert es an die Blumen, die der Frost an unsere Scheiben malt, bald an die Krystalle, in denen das Gestein sich schichtet. Wird die Oberfläche körnig uneben gestaltet, so ergiebt sich eine neue Quelle überraschender Wechselfälle. Von den Erhöhungen zieht der in der Hitze flüsstge Ueberzug sich zurück, in de» Vertiefungen sammelt er sich an, und wirkte hier die Farbe veS Grundes mit, so geht sie dort in der Stärke des schmückenden Elements verloren.

Sogar das Porzellan, welches sonst desto sparsamer mit

Wie entthronte Fürsten hatten seit vielen Jahrzehnten die ehemals so hochgeschätzten älteren Zweige der gebrannten Irdenware in einer Art von Verbannung gelebt. Die Majolika, die Erzeugnisse von Delft ebenso wie englisches Steingut hatten vor den im Gebrauch überlegenen Eigen­schaften des Porzellans weichen müssen. Freilich, solange dies nur als hochbezahlte Kostbarkeit aus China eingeführt wurde, war eS nur den Reichsten zugänglich gewesen. Aber seit eS Böttger am Anfang des vorigen Jahrhunderts ge­lang, das langgesuchte Geheimnis zu ergründen, und die bald hoch gesteigerte Produktion die Preise sinken ließ, gab man diesem Material für das- und Trinkgeschirr endgiltig den Vorzug. Kein Wunder, da die Glasur das Porzellan gründ­licher vor dem Eindringen fremder Stoffe in das poröse Innere schützt, und es zugleich leichter und haltbarer ist, als die Vorläufer, die es in Europa fand.

Heute aber kommen die Verschmähten zu neuen Ehren. Wenn auch wegen der Ueberlegenheit des Porzellans als Ge- brauchsgeschtrr das Fayence, das heute vielfach beliebt ist, nur als vorübergehende Modeerscheinung anzusehen sein dürfte,

eine« niedrigen, durch ein Pony gezogene« Wagen in den I so hält dafür der gebrannte Thon in allen seinen Forme» schattigen Alleen oder auf den sonnigen Plätzen des Parkes siegreichen Wtedereinzug in daS Gebiet des Zier- und PrunS- umherfahren lasten. geschirrS. Wir begegnen ihm, der durch die formende Künstler-

Die hohe Frau trug ihr Leiden mit engelhafter, gott- Hand aus wertlosem Stoff in rin hochgeschätztes Schmuckstück ergebener Geduld. Sie lehnte sich nicht auf gegen daS grau- I umgeschaffen ist, auf dem Kamin oder dem Kredenztisch de» same Schicksal, welches ihr auf der Höhe des Lebens die Sammlers, und wir ordnen unsere Lieblinge unter de» furchtbare Krankheit gesandt, und sie, die Fürstin, die Herzogin, Blumen ebenso gern in einem Krug von einfachem Material, ärmer als die gesunde, blühende Bettlerin auf der Straße wie ehemals in der kostbarsten Sövre-Vase.

gemacht hatte. Ihren Trost, ihre Hoffnung fand die Dulderin I Diese Vorliebe für das schlichte Material gesellt stch in der Religion, ihre Lebensfreude im unermüdlichen Gutes- passend der Neigung zu der einfachen Form und der Ab­thun und in der Kunst, der Musik, der sie selbst in ihrer I lehnung alles prahlenden Glanzes, in dem ehemals eine der Krankheit eine begeisterte Förderin blieb.

In ihren Gemächern versammelte sie ost auserlesene Künstler und Künstlerinnen- sie scheute keine Kosten, um wenigstens einigemale im Winter berühmte Klavierspieler, Geigenvirtuosen, Sänger und Sängerinnen bei sich zu sehen. Und die Künstler kamen stets gern wieder, nicht sowohl wegen des hohen Honorars, als um der Herzogin selbst willen, deren vornehme Herzensgüte jeden gefangen nahm, deren geduldig ertragene Leiden jeden rührten, der jeder willig I Technik begründet, die dem Material zukam, so wurde el und freudig ihre Einsamkeit auf Stunden zu erheitern, ihre I denn später wieder fallen gelassen.

Leiden vergessen zu machen suchte. I Heute geht zu einem wichtigen Teil das neue Bestrebe«

Die Generalin von Hannecken begleitete Elsie zur Her- I dahin, das flimmernde Gleißen zu umgehen, die Oberfläche

zogin. Als Elsie durch das dunkle, mittelalterliche Thor des I stumpf und matt zu gestalten. Bon japanischen Vorbilder«

Schlosses fuhr und sich von den altertümlichen Fayaden des I ausgehend sind es besonders die Franzosen, welche die dis«

in einem großen Viereck errichteten Schloffes umfangen sah, I trete Wirkung vorziehen. Die Fläche saugt das Licht auf,

war es ihr, als beträte sie ein gewaltiges Gefängnis, aus statt es spiegelnd zu zerstreuen. Die Steingutgefäße von dem kein Entrinnen mehr möglich war. I Bigot bieten dafür ebenso treffende Beispiele, wie eine Vase

Im Sommer mochte der Anblick des Schlosses wohl I von Lachenal, die mit ihrer matten Oberfläche und der ge- freundlicher sein, jetzt aber, mitte» im Winter, streckten die I dämpften graugrünen Farbe fast den Schein erweckt, als hundertjährigen Linden an der großen Freitreppe des Haupt- habe es sich um eine Nachahmung patinierter Bronze ge- portals ihre kahlen Aeste gleich hageren Armen zum wölken- handelt. Oft wird auch noch durch besondere Mittel cu8« verhangenen Himmel empor, gleich wirren Haarsträhnen drücklich auf die Absicht hingewiesen, welche auf die Glasur hingen die Ranken des wilden Weins, welcher den einen I verzichten hieß. Das bescheiden Zurückhaltende wird doppelt Flügel des Schloffes fast ganz überwuchert hatte, von den 1 zur Geltung kommen, wo es dem selbstgefällig Prunkenden grauen Mauern herab, und das dunkle, fast schwarze Grün I gegenübersteht. So sieht man wohl auf solcher Vase aus des Epheus vermochte das Aussehen der Türnw und Mauern 1«-------

auch nicht freundlicher zu gestalten, r ' _r auf der Mitte des Schloßplatzes war durch Bretter einge­deckt. Wunderlich nahm sich in der winterlich öden Umgebung die große griechische Sandsteingruppe inmitten des Spring­brunnens aus. Auf den steinernen Körpern der Figuren ruhte der Schnee und eine dicke Eisschicht lagerte sich um die Füße der Gestalten aus dem sonnigen Hellas.

Fayence und Steingut.

Von Alp.

(Nachdruck verboten.)