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Sie atmete tief auf. I seinem Auge klar und fest begegnen konnte. Stoch einmal
„Ich danke Ihnen, Herr Rittmeister," entgegnete sie I richtete er dankende, freundliche Worte an sie — dann der- mit trübem Lächeln, „daß Sie in dieser Stunde, in der I abschiedete er sich, schritt leicht grüßend durch die sich tief thörichte Hoffnungen mir den klaren Blick zu trüben drohten, I verneigende Menge und verließ den Salon.
mich der Wirklichkeit zurückgegeben haben. Ich werde jenes I Die hellen Flammen der Gaskronen schienen erloschen.
Wortes stets gedenken - seien Sie unbesorgt." Eine trübe Dämmerung schien sich auf die glanzende Gesell-
Ste schritt rasch davon. schäft zu legen, und Elsie bat die Generalin um die Er-
Ueberrascht schaute ihr der Rittmeister nach. Dann laubnis, sich auf ihr Zimmer zurückziehen zu dürfen.
murmelte er lächelnd: „Amerikanisches Blut'." und mischte Zärtlich strich die Generalin über die glühenden Wangen sich wieder unter die Gesellschaft. Elsies. „Gehen Sie nur, mein Kind," sprach sie mit welcher
Die Gesellschaft hatte sich bis zu diesem Abend wenig Stimme. „Sie haben heute abend einen großen Sieg er-
um Elsie gekümmert/ man war mit einer gewissen spöttischen I kämpft, Sie haben eine Stunde erlebt, welche über Ihr Erwartung zu der musikalischen Soiree der Baronin ge- j ganzes Leben entscheidet denken sie ernst über alles, kommen und machte sich im geheimen lustig über den guten I was Sie erlebt haben nach — morgen werden wir darüber General, der plötzlich nicht genug von dem durch ihn ent- sprechen. Adieu, mein Kind.
deckten musikalischen Wunderkiade erzählen konnte. Mit I Unbemerkt von der Gesellschaft, die sich bereits wieder einem Schlage änderte sich die Stimmung. Seine Hoheit in lebhafter Unterhaltung befand, schlüpfte Elsie davon, der Herzog hatten seinen Beifall zu deutlich kund gegeben, als Auf ihrem Zimmer warf sie , sich in elnen Sessel und daß man nicht in diesen hätte einstimmen müssen. Man be- I barg ihr heißes Antlitz in die Hande. So blieb sie eine stürmte den General mit Fragen, man umringte die „geniale I lange Zeit sitzen — regungslos lautlos die stunde ihres Künstlerin", man drückte ihr die Hände, einzelne alte Damen I Sieges, ihres Triumphes, ihres Glückes mit träumendem küßten sie auf die „kunstgeweihte Stirn*, und einige ältere Herzen noch einmal genießend. ,
würdige Herren erlaubten sich in gönnerhafter Weise die I Die Vergangenheit — die Armenhaus - Prinzessin, die Hand der „jungen, hochtalentvollen Sängerin", der „zweiten I trüben Stunden der Kindheit waren vergessen / aber auch die Lucca" an die Lippen zu führen. Erinnerung an das stille, trauliche Glück der Hetmatz, der
Elsie ward in einer Weise gefeiert, welche ihrem Jugend entschwand, wie eine freundliche Landschaft im Nebel-
Charakter hätte gefährlich werden können. Aber die schmeich- dunst untertaucht. Vor ihren geistigen Augen wogte und lerischen Worte glitten machtlos an ihrem Herzen ab. Sie I wallte das Meer der Zukunft, das rauschende, brausende brauchte nur einen Blick in das leicht spöttisch lächelnde Meer, das in schäumender Brandung an die felsigen Ufer Gesicht des Rittmeisters zu werfen, der öfter, wenn ihre donnerte, das mit sprühenden Wogen, auf denen das glänzende Augen sich begegneten, mit dem Finger an die Stirn tippte, Licht der hellen, klaren Sonne leuchtete, sich daher walzte, um die Ueberschwänglichkeit der Schmeicheleien zu charakteri- | drohend, majestätisch, vernichtend und doch erhebend, das fterett — und Elsie glaubte wieder das häßliche Wort Meer, das rauschende, brausende Meer, das in vollen „Armenhaus-Prinzessin" zu hören, dessen harter Klang sie Sturmes - Akkorden das ewige Lied von dem Streben, von
vor Hochmut, vor thörichtem Stolz bewahrte. dem Kämpfen, dem Sieg und dem Untergang der Mensch-
Sie hatte auch während ihres Aufenthaltes in dem I heit sang!
Hause des Generals ihre Beobachtungen angestellt und sehr | Elsie sprang empor! Ihre Augen leuchteten. Ihre wohl die Maske erkannt, welche die Gesellschaft vorzunehmen schlanke, kräftige Gestalt straffte sich empor! Jenseits bei liebte. Vor dem kleinen Landmädchen brauchte man sich ja wogenden, brausenden, rauschenden Meeres lag im Sonnen-
nicht zu genieren, man plauderte offen heraus, was man schein des aussteigenden Sieges das Land des Glückes, die
dachte, ohne auf Elsie zu achten, welche meist still und in sich Insel der Seligkeit - jenseits des Meeres tauchte leuchtend
gekehrt in einem Winkel saß oder den Damen, welche zum die Sonne des Glückes empor.
Besuch bei der Generalin weilten, eine Tasse Kaffee oder Elsie streckte in wilder, heißer Sehnsucht dre Arme aus Thee reichen mußte. Die plötzliche Umwandlung der Gesinnung — auf ihren halbgeöffneten Lippen schien ein stummer Jubel- dieser Damen und Herren, welche sie früher nur mit spöttisch schrei zu schweben — in ihrem Herzen quoll es empor, herß, erstaunten Blicken begrüßt hatten, entging ihrem Scharfblick I sehnsuchtsvoll, stürmisch fordernd und bittend. Und im Geiste ebenso wenig, wie der Beweggrund dieser Umwandlung selbst, stürzte sie sich hinein in das Meer, das rauschende, brausende und ein Gefühl der Menschenverachtung schlich sich zum I Meer, und die schäumenden Wogen schlugen über ihr zu- erstenmale erkältend in ihr Herz. sammen, und sie meinte zu versinken in die grünschimmernde
Sie fühlte ihren Wert, sie wußte, daß ihr Können weit Tiefe. „u. f
über demjenigen der meisten dieser Damen und Herren stand, Da fiel ihr hilfesuchendes Auge in den großen Spiegel sie war stolz auf dieses Können, sie war stolz auf das Lob I ihr gegenüber. Ihre schlanke Gestalt, ihr goldenes Haar,
aus dem Munde des Höchsten unter ihnen, sie fühlte sich ihre großen, tiefblauen Augen, ihre frischen Lippen und ihre
durch die Huldigung des Fürsten hoch emporgehoben über zartduftigen Wangen leuchteten ihr entgegen in ihrer ganzen
alle, welche jetzt schmeichelnd sie umringten und deren Lobes- prangenden Schönheit und Jugend. r ,
erhebungen ihr nicht so viel galten, wie ein einziger Blick I Siegesgewiß reckte sie sich empor — Schönheit und aus den dunklen Augen des Fürsten. I Kunst im Bunde, wie sollte der Sieg ihr nicht werden?
Ihm dünkte sie sich gleich, trotz ihrer niederen Geburt. I
Ihm gegenüber war sie nicht die Armenhaus - Prinzessin, I '
sondern die Fürstin im Reich der Töne; weil er so hoch, so Nach einigen Tagen ward Elsie zu der Herzogin-Witwe weit über ihr stand, daß ihre irdischen Gedanken nicht an ihn I befohlen.
heranretchten, schwand auch ihm gegenüber alles Irdische, I Ihre Hoheit wünschten einige Lieder von Elsie zu Horen, alles Gemeine, alles Wirkliche, sie stand ihm rein geistig da aber die hohe Frau leidend war und ihre Zimmer nicht gegenüber und durfte und konnte sich ihm im Geiste gleich verlaffen konnte, vermochte ffe außerhalb des Schlosses Musikfühlen. Die anderen verachtete sie, wie sie von ihnen im Aufführungen oder Theater-Vorstellungen nicht beizuwohnen. Grunde ihrer Herzen verachtet wurde. Sie lachte über den Schon seit Jahren fesselte eine nervöse Krankheit die Herzogin Hochmut der anderen, die sich doch vor einem Wort des an das Zimmer, ja, Wochen und Monate lang an den Fürsten beugten und sie mit Lobsprüchen umschmeichelten, I Krankenstuhl. Nur mit Hilfe zweier, sie unterstützender die sie sonst mit Spott und Geringschätzung behandelt hatten. Damen vermochte sie einige Schritte zu gehen,- wollte sie in
Noch einmal nahte sich der Fürst Elsie/ noch einmal dem großen Park, der sich an das Schloß anschloß, frische ergriff er ihre Hand und blickte ihr in das Auge, das jetzt I Luft schöpfen, mußte sie sich durch einen Rollstuhl oder in


