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unter deö Alten Knute beugtest!" tief er. „Vorwärts, Junge, und darauf! Und wenn Du Mut hast, helfe ich Dir!"
„Was meinst Du, Hans?" fragte Albert, der jetzt nüchterner wurde. „Für den Augenblick ist ja gar nichts zu machen, aber der Alte kann nicht ewig leben."
„Und da meinst Du, es sei bequem, auf seinen Tod zu warten — wie aber, mein Bester, wenn ich da aufträte? Ich habe, wie Du weißt, etliche acht Jahre vor Dir voraus."
„Hans — Du würdest — freilich — bisher — weißt Du —" Albert stotterte in jämmerlicher Verlegenheit.
Mr. White schlug ein dröhnendes Gelächter auf.
„Ja, es ist verteufelt unbequem, wenn so ein Totgeglaubter, den man so gern tot sein läßt, unversehens wieder auftaucht, aber ändern läßt sich das Ding nicht. Mußt mit den wilden Bestien drüben, denen ich oft genug meine Haut zu Markte trug, rechten, oder mit den Apachen, den wilden Kerls, die meinen Skalp schonten, aber, God dam! ein Spaß soll es mir sein, des Hagern auf Trautdorf Gesicht zu sehen, wenn der Tramp da vor ihm steht. Hm — hier ist Dein Erbe, Dein rechtmäßiger. Die alte Geschichte ist lang verjährt, hast sie ja selbst begraben und zu Protokoll gegeben, daß die Sache auf einem Irrtum beruhe. Also der Hans von Trott blieb ehrlich, und ist es seinem inneren Sinn nach gerade so, wie mancher hier zu Lande, vor dem ihr tief den Hut zieht, und am Leben blieb er auch, tote Du siehst, er haust also hier dereinst auf Schloß Trautdorf auf seine Manier, wenn nicht —
Hier hielt der übermütige Redner inne, der inzwischen aufgestanden war und gestikulierend das Zimmer durchmessen hatte.
Alberts Herz drohte stillzustehen vor innerer Bewegung.
„Hahaha! Ein famoses Bild, nicht wahr? Ja, Du siehst ziemlich verblüfft, um nicht zu sagen stupide, aus, das geht Dir arg an die Gräten. Na, beruhige Dich einstweilen — es wäre noch möglich, daß der Geächtete, der jetzt ein allzu freier Mann geworden ist, Euch Repräsentanten einer hochzivilisierten Nation den erbärmlichen Lumpenkram vor die Füße würfe. Vielleicht thut er es auch zu Gunsten eines schönen Mädchens, das zufällig seinem Bruder den Kopf verdrehte — hm, was meinst Du dazu?"
Der baumstarke Mann sah gutmütig lächelnd auf den bleichen, zitternde» herab.
Albert sprang auf und umarmte jetzt zuerst den Bruder stürmisch.
„Hans! Du wolltest — das könntest Du thun?"
„Gemach! So weiß ich doch wenigstens, wie man am besten die brüderliche Liebe weckt. Ja, Deine Mathilde, die Tochter des Geigers, einst Herrin auf Trautdorf,- vielleicht käme es den Onkel ebenso hart an, als wenn er den Tramp als seinen Erben erkennen sollte — aber doch — ich glaube, er würde, zwischen die Wahl gestellt, sich zu Deinen Gunsten entscheiden. Du aber — hältst Du den Pakt?"
„Den Pakt? Wieso?" Albert von Trott, dessen Geist in dieser Stunde sehr umnebelt war, verwirrte sich über diesen Problemen.
„Hast Du nie daran gedacht, Dein schönes Mädchen dem Onkel unter die Augen zu bringen?" fragte Hans dagegen.
„Ja — sonderbar — gerade heute, als ich sie traf, blitzte solch ein Gedanke durch meinen Kopf — aber es ist unmöglich."
„Unmöglich? Seit ich drüben und allein in der Welt war, hat das Wort für mich nicht mehr existiert. Hier in dem Kodex von Euch schneidigen Leuten existiert es also noch. Ueberrumple doch den Alten, führe ihm das Mädchen zu, ich möchte wohl wissen, ob er auch für Wetber- schönheit ganz unempfänglich ist. Er soll ja einmal Havarie erlitten haben in der Liebe und seitdem ein Weiberhasier sein — darum überrumple ihn — wenn ihr beide Mut habt, so winkt Euch der Sieg, nur dem Mutigen gehört die Welt.
Und solltet Ihr das Spiel dennoch verlieren, nun, so stehe ich hinter Euch."
Offenbar gefiel der Gedanke dieses Stückleins Hans von Trott immer mehr. Er blies mächtige Dampfwolken in die Luft, balanzierte in den wagehalsigsten Stellungen und machte soviel Lärm dabei in der nächtlichen Stille, daß der verschlafene Kellner unwirsch hineinlugte und einen brummenden Warnruf ertönen ließ.
Mr. White warf ihm mit Jongleurgeschicklichkeit ein Goldstück genau an die Nasenspitze. Der Verblüffte fuhr zurück, grinste aber dann dankend, trotz des ungewöhnlichen Weges, auf dem er die Gabe empfing, und erschien nicht wieder.
Albert erhob sich taumelnd. Das Zimmer wirbelte mittlerweile mit ihm im Kreise, er vermochte kaum noch auf feinen Beinen zu stehen.
„Schwächling!" brummte der Aeltere. „Mußt wohl ins Bett und Deinen Rausch ausschlafen. Wollen sehen, wie Dir morgen bei klarem Kopf zu Mut ist."
„Hans, Du bist — ein Prächtiger, ganz famoser Kerl — forsch — bei Gott, pyramidal forsch, und der Onkel und die Tilde — gottvoller Spaß — hast recht — ein gottvoller Spaß."
Er lallte jetzt bedenklich. Hans griff ihn energisch am Arm und leitete ihn in sein Zimmer hinauf, wo er ihm sein Bett überließ. Bald verkündeten laute Schnarchtöne den festen Schlaf desselben.
Hans von Trott aber schien keines Schlafes zu bedürfen und sein eiserner Körper ganz seinem Willen zu gehorchen. Er stand mit verschränkten Armen am Fenster und schaute auf die verschneite Straße hinab. Seine Stirn lag jetzt in tiefen Falten, und ein harter, finsterer Zug entstellte sein Gesicht.
„Der Letzte von den Meinen," murmelte er, „aber kenne ich ihn denn? Ist er nicht vielleicht ein schwächlicher, charakterloser Knabe, der zu der Rolle nicht taugt und dem ich den Platz nicht räumen, sollte? Gut — mag er es zeigen — leicht ist ja seine nächste Aufgabe nicht — führt er sie brav durch, w hl an —mir ist Wohler da drüben in der Freiheit — zeigt er sich feig — für einen Feigling rührt Hans von Trott keinen Finger."
Drittes Kapitel.
Albert von Trott erwachte am nächsten Morgen mit schwerem Kopf. Er konnte sich anfangs nicht besinnen, wie er hierher gekommen war, allmählich erst entwirrten sich die bunten Bilder des vergangenen Abends in feinem Geist. Das Zimmer, in dem er sich befand, war leer, sein Bruder jedenfalls schon ausgegangen. Während er sich hastig an- kleidete, fiel ihm ein Zettel in die Augen, der auf dem Tische lag.
„Handle wie wir verabredeten," stand darauf, „aber so rasch als möglich, ich bleibe ein paar Tage fort, kehre wieder, um alles in Ordnung zu bringen."
Albert faßte an seinen wüsten Kopf. Der abenteuerliche Plan seines Bruders kam ihm wieder ins Gedächtnis.
„Abenteuerlich — ja, schrecklich abenteuerlich," murmelte er, und doch — seine Liebe zu Mathilde war heiß genug, er dachte zuerst ernster darüber nach, daß etwas geschehen müsse — sie war ein so ungewöhnliches Geschöpf, daß sie ihre Rolle überall mit Glanz spielen würde. Wenn sie nur einer in den Sattel hob — aber der Onkel — den mußte man kennen, um zu wissen, was es bedeutete, ihm mit einem solchen Ansinnen zu kommen. Eine Bürgerliche, eine ganz Unebenbürtige sollte er ihm unvorbereitet zuführen, er, der junge Habenichts, den seine Schulden drückten, eine solche Braut.
Und Mathilde war ehrgeizig, fühlte sich totunglücklich in ihrer engen Sphäre und drängte ihn, der Heimlichkeit ein Ende zu machen. Jetzt bot sich ein Helfer — der Heim- gekehrte, ja, der mochte dem Onkel einen Schrecken einjagen, wenn er ihm da eine Wahl stellte — du lieber Gott, welch


