379

lassen- und feige war Papa nicht. Hab'keine Sorge, Mama, wir lassen uns das Bild unseres Vaters nicht beflecken".

(Fortsetzung folgt.)

(Nachdruck verboten.)

Die kleine Lulu.

Seeroman von Clark Russell.

(Fortsetzung.)

Zweiundvierzigstes Kapitel.

Schluß.

Die Insel lag nur noch als ein schwacher Schatten hinter uns am Horizont, die untergehende Sonne dicht darüber. Im Osten, wohin unser Bugspriet zeigte, war der Himmel dunkel-violett, und rings umher erstreckte sich die unbegrenzte Wasserfläche des Stillen Ozeans. Wir segelten schnell unter der warmen, beständigen Brise, obgleich das Hauptsegel noch gerefft war und auch die Reuls und der Außenklüver noch nicht standen. Diekleine Lulu" würde bei diesem Winde ein Dampfschiff überholt haben- welche Aussicht blieb da dem breitbugigen Langboot, falls es seinen Insassen einfallen sollte, uns zu verfolgen?

Banhard, der Koch und Savings unterhielten sich in der Nähe des Hauptmastes. Alle drei rauchten ihre Pfeifen und sahen ganz zufrieden aus. Ich rief sie heran.

Na, Savings", sagte ich,was denkst du nun von der Sache? Bist du nicht froh, aus der Meuterei heraus zu sein?"

Nu jo, Mister, dortau will ik nich ne seggen", erwiderte er, während er seine Pfeife aus dem Munde nahm.Blot äwer Deacons Garn, doräwer känn'n Banhard un ik nich einig warden- denn Banhard, de seggt: 't is gor kein Insel da, un ik segg: bat is sei ja", und dabei deutete er nach hinten auf die Insel.

Aus dieser einfachen Bemerkung war zu erkennen, daß der Mann glaubte, wir überließen das ganze Geld den glück­lichen Spitzbuben im Langboot und brächten ihn auf diese Weise um den ihm, nach seiner Meinung, von Rechts wegen zustehenden Anteil. Es war leicht möglich, daß auch der Koch diese Ansicht hegte, und deshalb war es nötig, daß ich mir die Mühe nahm, ihre Köpfe von dem Unsinn zu befreien.

Ich schickte daher Banhard nach der Karte der Südsee, worauf der Kurs der Brigg angegeben war. Nachdem ich sie aufgefordert, hatte, die mit Bleistift gezeichnete Linie zu betrachten, erklärte ich ihnen, daß neunundneunzig Chancen gegen eine beständen, daß, wenn Deacons Insel überhaupt existierte, sie auf der Karte verzeichnet sein würde.Aber angenommen auch", fuhr ich in meiner Belehrung fort,sie wäre von den unzähligen Schiffen, die diese Breiten durch­furcht haben, wirklich übersehen worden, so hätten wir sie unter allen Umständen bemerken müssen- denn wir haben unfern Kurs genau nach Deacons Angaben genommen". Dies zeigte ich ihnen auf der Karte.Aber", sprach ich weiter, selbst vom höchsten Ausguckspunkt der Brigg aus ist auf der Stelle, wo sie hätte sein müssen, nur Himmel und Wasser zu sehen gewesen. Welcher vernünftige Mensch kann da noch anders glauben, als daß Deacons ganze Geschichte einfach die Ausgeburt des kranken Gehirns eines Wahnsinnigen war?"

Auf diesen, zuletzt doch ganz ausgesprochenen Wahnsinn, legte ich besonderen Nachdruck, und suchte den Leuten durch Beispiele (von denen eins wahr, die andern erfunden waren) verständlich zu machen, daß Deacon wirklich ein total Ver­rückter war und das Gold und die Insel seine fixe Idee bildeten.Aus dieser hat er sich allmählich seine Geschichte zusammengesetzt", sagte ich,und zwar mit der Schlauheit eines Wahnsinnigen, so folgerecht, daß man sie wohl für möglich halten konnte, er selbst aber unzweifelhaft an das Gespinst seiner Einbildung glaubte und dadurch auch leicht bei anderen Glauben dafür erweckte".

Der Koch schien ganz überzeugt von meiner Auseinander­setzung und meinte, daß er für sein Teil, nie recht gewußt hätte, ob er Deacons Garn für wahr oder falsch halten sollte.Mit mt was 't ümmcr ein Dag so, den annern so. Wenn de Lüd dorvon redten, wat sei an Land all'ns mit dat vele Geld maken würd', dünn packt' mi jo ok de Düwel un ik glöwt' an de Sak, wenn ik äwer wedder allein in mien Bedd lüg, dünn glöwt' ik nich mihr doran. Ik hew von Deacon nich bet Hollen- hei hadd wat Falsch's in sien Ogen 's wieren mihr Hunns- als Minschenogen. Ik bün taufreden, mit de ganze Sak ntks mihr tau dauhn tau hewwen, un all'ns, wat ik seggen kann, is, bat ik hoffe, bat wi ne gaube Fohrt maken warben".

Savings sagte nur:

Sei mügen all recht hewwen, Mister- denn wenn kein Insel dor is, denn kann dor ok kein Gold sien".

Ganz überzeugt schien er aber, trotz dieses Ausspruchs, nicht zu sein. Indessen seine Ansicht war jetzt von keiner Bedeutung mehr, da der Koch zu uns stand und wir dadurch vier Mann gegen einen waren. Außerdem, welchen Nutzen hätte er davon haben können, uns vielleicht zu ermorden, wenn er auch wirklich einmal Gelegenheit dazu fand. Er würde dann allein auf der Brigg zurückgeblieben und selbst verloren gewesen sein.

Ich teilte darauf den Leuten mit, daß es meine Absicht sei, nach Valparai o zu steuern- dies war uns der nächste Hafen. Hierbei erwähnte ich gleichzeitig, daß, wenn Savings es wünsche, er dort das Schiff verlassen könne, ohne daß ihm irgend etwas geschehen solle. Dies war ein Versprechen, welches ihn sehr vergnügt machte- er grinste, schüttelte aber mit dem Kopf und sagte:

Ik ward für Sei arbeiten. Wenn ik will, schaff ik so bet as twei annere. Sei süll'n seih'n, wo flink ik sien kann".

Es blieb nichts weiter zu sagen, daher gab ich dem Koch den Auftrag, das Küchenfeuer anzuzünden und den Thee zu bereiten- und Sabings befahl ich, um bier Glasen Hardy am Rade abzulösen.

Ich werde euch nicht alle Arbeit allein aufladen, Maats", sagte ich-ich werde mein Teil auch redlich thun. Wir sind fünf, wenn jeder zwei Stunden am Rade steht, werden wir Schlaf genug haben, falls nur das Wetter aus­hält - und das wollen wir hoffen, denn wir sind in den richtigen Breiten für schönes Wetter".

Sowie die Leute gegangen waren, sprang meine kleine Lulu bon ihrem Platz auf, nahm meinen Arm und bat mich, mit ihr auf dem Deck spazieren zu gehen. Zum erstenmal seit bielen langen Tagen glänzte etwas wie Glück in ihren Augen. Sie sah mich mit einem wunderlieblichen, triumphieren­den Blick an, und, wenn sie nicht stolz auf ihren Bräuttgc m, den Seemann, war, dann muß sie eine geschickte Schauspielerin gewesen sein.

Ja, die geteilte Gefahr hatte uns einander sehr teuer gemacht. Wären wir nicht ein Liebespaar geworden, so hätten wir wenigstens Freunde für das ganze Leben werden müssen. Wir waren uns gleichmäßig zu Dank berpflichtet: sie hatte mir das Leben gerettet und ich hatte sie weiß Gott welchem Schicksal entrissen.

Wir zogen auf dem Deck umher wie ein paar fröhliche Kinder. Ich mußte mit ihr das Wasser ansehen, welches kräuselnd borüber glitt, dann den Kompaß, wo Hardy, der Bengel, seinen Kopf abwandte, um sein berschmitztes Lachen zu herbergen, und die ganze Zeit über schwatzte sie den ent­zückendsten Unsinn.

Kurz und gut, sie war eigentlich der richtige Kobold - eine schreckliche kleine Memme in der Gefahr, keck und über­mütig, wenn nichts zu fürchten war, mit einem Temperament wie Quecksilber im Thermometer: sehr tief, wenn der Wind kalt blies, sehr hoch, wenn die Sonne warm schien.

Und war solcher Geliebten zu trauen ? fragst du.

Ja, Maat".