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ich seine Bewegungen für einen auf mich beabsichtigten Angriff deute, dem ich begegnen wollte.
Erschrocken über meine Worte und Haltung, prallte Lickwater zurück, stieß dabei an einen hinter ihm stehenden Kohlenbehälter und stürzte über diesen. Im Fallen faßte er daS Kleid von Mrs. Chadburn, sodaß diese rücklings gegen das Feuergatter taumelte und alle Kamingeräte umwarf. — Es war ein Höllenspektakel, — er fluchte, und wetterte so schön, wie ich es nur je auf einem Schiffe gehört hatte, und sie schrie Zeter und Mord, was sie nur schreien konnte.
Das ließ mich nun ziemlich kalt, und da ich mein Herz erleichtert und alles gesagt hatte, was ich hatte sagen wollen, ging ich mit einem herzhaften Seemanssegen hinaus, nahm meine Kiste auf die Straße und schlug die Thür hinter mir mit einem solchen Krach zu, daß es dröhnte wie ein Kanonenschuß.
Einige Augenblicke wartete ich noch, um zu sehen, ob Mr. Ltckwater etwa Lust verspüre, mir zu folgen, da ich aber vergeblich harrte, winkte ich einem Träger in einer weißen Bluse, der auf der anderen Seite der Straße ging, übergab ihm meine Kiste und schritt ihm voran nach dem Gasthaus zum „Weißen Hirsch", dessen Besitzer mir von früher her gut bekannt war.
(Fortsetzung folgt.)
Nachdruck verboten.
Die Armenhausprinzesstn.
Roman von O. Elster.
(Fortsetzung.)
Sie hatte schon von dem Plan dieses Komitees gehört. Man beabsichtigte, nicht nur in Benneckenstein und der nächsten Umgebung Konzerte zu geben, sondern wollte auch in der Residenz mehreremale konzertieren, um größere Mittel zusammenzubringen. Sollte sie diese Konzertreisen mitmachen? Sollte sie in der Residenz auftreten, der sie vor Jahren entflohen war auf Nimmerwiedersehen? Sollte sie der Welt, der Gesellschaft sich wieder zeigen, der sie entflohen war, um in der Einsamkeit des Armenhauses von Benneckenstein ihren Stolz, ihren Wert wiederzufinden ? Sie wußte, der Herzog und der Hof zeigten für die hilfreichen Bestrebungen des Komitees in Benneckenstein großes Interesse. Würde der Herzog, würde die Hofgesellschaft nicht auch die Konzerte besuchen, welche man zum besten der Ueberschwemmten in der Residenz abhalten wollre? Sollte sie dieser Gesellschaft, sollte sie dem Herzog wieder gegenübertreten? Das überstieg ihre Kraft! Das duldete ihr Stolz nicht! In den Konzerten in dem Heimatstädtchen wollte sie fingen, aber in der Residenz, vor dem Herzog — nein — niemals!
Dem weiteren Nachstnnen wurde sie durch das Wiedererscheinen Pauls und Klaras entriffen. Arm in Arm traten sie auf die Veranda, aber Klara ließ den Arm Pauls los und warf fick, unter Thränen glücklich lachend, an die Brust der Freundin, die sie liebevoll umfing.
„Habt Ihr Euch endlich ausgesprochen. Ihr thörichten, lieben Kinder?" fragte Elste lächelnd.
„Ach, Elsie," flüsterte Klara, „ich vermag es ja kaum zu glauben! Wie kann Paul mich lieben, wenn er Dich an meiner Seite steht, die Du so viel edler, so viel klüger, so viel schöner bist! Und doch, ich würde verzweifeln, wenn er mich nicht liebte!"
Elsie reichte Klara die Hand. „Er liebt Dich, meine kleine Kläre," sagte sie bewegt. „Er liebt Dich schon lange und wenn er auch zuerst glaubte, er müsse der Liebe seiner Kindheit, seiner Knabenzeit treu bleiben, ich sah es ihm an, daß er sich in einer Selbsttäuschung befand, daß er nicht mich, daß er Dich, die frischerblühte Rosenknospe liebte. Ist es nicht so, Paul?"
„Sie haben mir das Glück an daS Herz gelegt, Elsie,"
entgegnete der junge Arzt mit inniger Dankbarkeit. „Sie haben mir mehr als das Leben, Sie haben mir die Liebe, das Vertrauen zum Leben wiedergegeben."
Er zog seine Braut an das Herz und drückte einen Kuß auf Klaras errötende Stirn.
* • *
Eine rege Thätigkeit wurde in der Stadt und Umgebung entfaltet, um eine würdige Festvorstellung vorzubereiten. Es verbreitete sich das Gerücht, daß der Herzog und die Hofgesellschaft zu dem Konzert kommen würden. Eine gewaltige Aufregung bemächtigte sich der ganzen Einwohnerschaft. Guirlanden wurden gewunden, so lang und gewaltig, als gelte es, das ganze Herzogtum mit ihnen zu schmücken. Der Dirigent der Stadtkapelle engagierte rasch eine neue „erste Geige" und einen neuen Paukenschläger, da der alte fast taub geworden war und in seiner Eigenschaft als Stadtpolizist und Nachtwächter an jenem festlichen Tage nicht entbehrt werden konnte. In jedem Hause wurde gesungen, musiziert, gegeigt, geklimpert, daß nervöse Menschen dem Wahnsinn nahe gebracht wurden.
Unter den Jungfrauen der Stadt entstand bittere Feindschaft über die Frage, wer als weißgekleidete Jungfrau den Fürsten empfangen, und wer das Begrüßungsgedicht sprechen sollte, und als das Komitee die Tochter des Bürgermeisters und Hauptmanns a. D. Wöllner zu der letzteren Aufgabe bestimmte, da fielen mehrere junge Damen fast in Ohnmacht und schwuren nun, überhaupt der Festlichkeit fernbleiben zu wollen. 'Aber schließlich wurden doch alle Streitigkeiten beigelegt, und Frieden und Eintracht herrschten wieder unter den Töchtern der Stadt.
Elsie war mit einem Male die wichtigste Person in der Stadt geworden, obgleich sie sich an den Vorbereitungen zum Feste in keiner Weise beteiligt hatte. Der Bürgermeister und Hauptmann a. D. Wöllner, der Doktor und PhhsikuS Grüttemann, der Kaufmann Wellhausen und der Rittergutsbesitzer von Dröhningen, welche den Vorstand des Hilfs- Komitees bildeten, begaben sich in Frack und weißer Halsbinde zu Fräulein Elste Hannecken, um ihr den Dank deS Komitees für ihre Bereitwilligkeit auszusprechen und sie einzuladen, die Proben des Damenchors zu letten. Der alte Hans Heinrich Hannecken, der Kämpfer von Brandy Station, empfing die Herren an der Gartenthür, seine kurze Pfeife rauchend.
„Ihre Tochter zu Hause, Mister Hannecken?" fragte der Herr Bürgermeister, froh gelaunt.
- „Yes Sir," entgegnete Hans Heinrich gleichmütig, der stets in die englische Sprache zurückfiel, wenn er seine Würde besonders hervorkehren wollte. „Miß Elfie befindet sich in ihrem parlour."
„Thank you, Mister Hannecken," lachte der Bürgermeister und Hauptmann a. D. und wollte direkt auf das Haus zusteuern.
„Ich bitte um Verzeihung," hielt ihn der Alte zurück, „Miß Elfie empfängt nicht."
„Alle Wetter, alter Herr, uns wird Miß Elste schon empfangen. Sie hat doch versprochen, in unserem Konzert mitzustngen!"
„Miß Elste wird nicht fingen, Sir."
„Weshalb nicht?"
„Ich weiß nicht, Sir."
„Zum Kuckuck, das ist doch stark. Wissen Sie, daß Se. Hoheit der Herzog zu unserem ersten Konzert kommen wird?"
„All right — dann wird Miß Elsie erst recht nicht fingen."
In diesem Augenblick tauchte Frau Dorette Pinkepank auf. Ihr Gesicht war stark gerötet, ihre Lippen zitterten und ihren grauen Auge« schimmerte es, wie von heimlichen Thränen.
„Glauben Sie's ihm nicht, Herr Bürgermeister!" rief sie, indem sie ehrerbietig knixte. „Er hat's nicht gewollt,


