192 —
daß Fräulein Elfte singt, aber Fräulein Elfte ist klüger und besser, als er, der alte Starrkopf, und Fräulein Elfte hat Sie gesehen und schickt mich, um Sie bitten zu lassen, einzutreten. — Ja, so ist es, Hans Heinrich! Deine Tochter singt und wenn auch der Kaiser selbst kommt!"
Hans Heinrich nahm die Pfeife aus dem Munde und drückte die Glut mit dem Finger nieder.
„All right," brummte er dann. „Mir ist's recht."
Er grüßte, indem er seine Kappe mit dem breiten Schirm noch tiefer in das verwitterte Geficht zog und schlenderte seitwärts in den Garten hinein, ohne sich weiter um das hochlöbliche Komitee zu bekümmern.
Elfte empfing die Herren mit ernster Miene. Ihr war schon bekannt geworden, daß der Herzog sein Erscheinen zugesagt hatte, und sie kämpfte einen herben, bitteren Kampf, ob sie ihre Zusage nicht zurücknehmen sollte. Die alte Dorette jedoch stand ihr treu zur Seite und ihren „wunderlichen Reden", wie Hans Heinrich ihre guten, verständigen Worte nannte, verdankte es das Komitee, daß Elsie sich entschloß, trotz der Anwesenheit des Herzogs zu singen.
Es war ihr ein schmerzlich-süßer Gedanke, daß sie nun doch noch einmal in sein dunkles Auge blicken sollte. Daß sie noch einmal jene Lieder wieder vor ihm singen sollte, denen er einst so gern gelauscht, bei deren Klange ihre Augen, ihre Seelen geheime Zwiesprache gehalten, bei deren Klange sich ihre Herzen gefunden. Die Kraft wollte sie oftmals verlaffen: schon oft hatte sie die Feder zur Hand genommen, um dem Komitee abzuschreiben. Aber die einfachen Worte der Frau Dorette erweckten ihren Stolz aufs neue und sie entschloß sich, ihr Wort zu halten.
„Brauchen Sie sich zu scheuen, irgend jemand auf der Welt in das Auge zu blicken, Fräulein Elsie?" fragte Frau Dorette. „Ich kenne Sie besser, als Sie sich selbst kennen. Sie dürfen dreist jedermann ins Auge schauen, selbst dem Kaiser. Und nun gar dem Herzog — ach, Fräulein Elsie, der kommt doch nur Ihretwegen, um Sie wiederzusehen, um Sie wieder einmal fingen zu hören! Und da wollen Sie ihm den Triumph gönnen, daß er meint, Sie fürchten sich vor ihm? Und die Welt und die Menschen sollen das auch glauben? Ach, ich müßte meine stolze Elsie nicht kennen, wenn ihr dieser Gedanke nicht unerträglich sein sollte!"
(Fortsetzung folgt.)
Gemeinnütziges.
Linoleum glänzend r« erhalten. Die Verbreitung der Ltnoleumteppiche und Läufer für Zimmer, Korridore, Treppenhäuser, Geschäftsräume re., nimmt immer mehr zu, weil dieselben hinsichtlich der Haltbarkeit, Bequemlichkeit und Reinlichkeit große Vorteile bieten. Dabei sind die Unterhaltungskosten geringfügig. Will man Linoleum glänzend erhalten, so bediene man sich folgender einfacher Mittel, welche Jedermann leicht anwenden kann: Eine Abwaschung mit gleichen Mengen Milch und Wasser sollte regelmäßig alle zwei bis drei Wochen stattfinden; nach Verlauf von drei bis vier Monat, also alljährlich etwa dreimal, hat ein Abretben mit einer schwachen Lösung von Bienenwachs in Terpentinspiritus stattzufinden/ bisweilen wird auch Leinöl hierzu verwendet. Tie Teppiche und Läufer bleiben bei diesem Verfahren immer rein und glänzend, d. h. sie sehen stets sauber und tote neu aus.
Unauslöschliche Tinte. Wenn der Forstmann bei regnerischem Wetter Abgaben im Walde zu vollziehen hat, wacht es ihm argen Verdruß, wenn ihm die Zahlen auf dem Papier ausregnen. Auch der Schirm, den der Forstmann übrigens aus bekannten Gründen nicht gern führt, kann daran nichts hindern. Glücklicherweise aber hat man seit einigen
Jahren eine Tinte, welche gegen den Regen wie gefeit ist. Dieselbe ist in allen besseren Schreibwarengeschäften zum Preise von 50 Pfennig pro Glas zu haben, und dürfte deren Gebrauch bedeutend billiger zu stehen kommen als der der sogenannten flüssigen Feldtusche, welche gewöhnlich bei den Katastergeometern im Gebrauch ist.
Kesundyeitspflege.
Gegen Lungen- und Halsentzündungen. In Fällen von einfacher Halsentzündung ist das beste Mittel die nasse Einhüllung. Ein leinenes Tuch wird in kaltes Wasser getaucht, ziemlich stark ausgewunden und um den Hals geschlagen. Darüber kommt eine dicke, wollene Binde. Dies wendet man zwei bis drei Nächte nacheinander oh; nur wenn der Fall sehr heftig ist, werden auch am Tage Umschläge gemacht. Am folgenden Morgen, wenn der Umschlag abgenommen wird, wäscht man bett. Hals mit kaltem Wasser und reibt ihn tüchtig mit einem groben Handtuch oder mit der Hand. Dies verhindert weitere Erkältungen. Je mehr der Hals gerieben wird, desto besser die Wirkungen. Dadurch kann man verhindern, daß Halsentzündungen chronisch werden. Die Neigung der öfteren Wiederkehr von Halsentzündungen kann nur durch fleißiges Waschen des Halses mit kaltem Wasser gehoben werden. Werden bei beginnenden Lungenentzündungen sogleich solche Umschläge gemacht, so können sie in vielen Fällen ohne Anwendung anderer Mittel, jedenfalls ohne Aderlaß, Blutegel und Schröpfköpfe geheilt werden. In allen Fällen find sie ein kräftiges Unterstützungsmittel bet jeder ärztlichen Behandlung. Die einzige Vorsicht, die man anzuwenden hat, besteht darin, daß man die Umschläge recht sorgsam mit Wollenzeug bedecken läßt, damit sich Wärme und Reaktion entwickeln kann.
Mittel gegen Husten vei kleinen Kinder«. Man nehme etwas gutes Haberstroh, schneide dasselbe zu Häcksel, gieße etwas kochendes Wasser darauf und koche dieses etwa zehn Minuten. Alsdann gieße man den entstandenen Extrakt (Thee) durch ein Sieb ab. Diesem Thee füge man etwas Kandiszucker bei und lasse diesen auflösen. Alsdann gebe man ihn den Kindern zu trinken. Der Thee schmeckt gar nicht schlecht, und die Wirkung ist eine gute; der Husten löst sich, und in einigen Tagen ist er beseitigt.
Literarisches.
Im Reiche der Cyklope«. Eine populäre Darstellung der Stahl- und Cisentechnik. Von Amand Freiherr v. Schweiger- Lerchenfeld. Wit circa 400 Abbildungen. In dreißig Lieferungen a 50 Pfennig. Die Ausgabe erfolgt in zehntägigen Zwischenräumen. Ausgegeben sind bisher Lieferungen 1 bis 12. >,A. Hartlebens Verlag in Wien ) Zu den bisher vorliegenden Materien dieses mit Sachkenntnis und Gewandtheit geschriebenen Werkes des bekannten Ver- safsers, die Erzeugung des Roheisens und den Hüttenbetrieb (Lieferung 1 bis 6) betreffend, finden wir in den zuletzt erschienenen Lieferungen (7 bis 12) eine wahrhaft erstaunliche Fülle von Material verarbeitet. Ein ausführliches Kapitel beschäftigt sich mit den motorischen Einrichtungen der verschiedenen dem Eisengewerbe dienenden Werkstätten; hieran schließt die Eisenarchitektur, worauf ein umfassender, durch zahlreiche und vorzügliche Abbildungen unterstützter Abschnitt über den Brückenbau folgt. Kein bedeutendes Bauwerk dieser Art aus den letzten zwanzig Jähren ist unberücksichtigt geblieben. Der Verfasser beschäftigt sich hierbei besonders eingehend mit den großartigen Schöpfungen der deutschen Brückenbautechnik und unterzieht dieselbe einer vergleichenden Betrachtung mit der nicht minder großartigen, aber eine ganz andere Entwickelungsphase zeigenden Brückenbaukunst der Amerikaner. Alles das wird sehr fesselnd, fast möchten wir sagen spannend, die Phantasie anregend dargestellt. Ueberall verrät sich die gewandte Feder des Autors der technische Themen geradezu meisterhaft zu popularisieren versteht. In den vorliegenden Heften finden wir auch den Beginn des Abschnittes über den Eisenschiffbau, der eine Fülle des Neuen und Interessanten zu erhalten verspricht. Im Besonderen möchten wir noch die jeder Lieferung beigegebenen gelungenen Separatbilder hervorheben. AlleS in allem: ein vortreffliches Werk, das wir unseren Lesern wärmstens empfehlen.
Redaktion: E. Burkhardt. - Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


