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Lassen wir alle diese Momente, die Du etwas zu stark betonst, Franz," erwiderte der Holaus.Verpflichtungen, die ich gegen Dich und Dein Haus habe, können doch un­möglich für Marte maßgebend sein. Ich werde mit Marie selbst sprechen, ohne sie in irgend einer Weise zu beeinflussen. Sie ist völlig freie Herrin ihrer Hand, und ich räume niemand, mir selbst nicht, das Recht ein, irgend einen Zwang auf sie auszuüben,"

Er sprach diese Worte mit erhobener Stimme.

Dann wirst Du Dich für den Augenblick wohl zu­frieden geben müssen."

Thue ich auch, Hans, gerne. Wirst schon sehen, sie hat es sich längst überlegt. Soll denn dieser köstliche Schatz aus dem Hause kommen! Das kannst Du Doch selbst nicht wollen. Das sage ich Dir offen, Hans, wenn es einer wagen sollte, er hätte es scharf mit mir zu thun, wer es auch sei, gutwillig weiche ich nicht."

Es sprach eine stärkere Leidenschaft aus seinen Worten, als Holaus ihm zugetraut, und es schien ihm in Anbetracht der peinlichen Nachbarschaft, der Gedanke trieb ihm den Schweiß auf die Stirn, geraten, Herrmann nicht weiter zu reizen.

In seiner Bedrängnis erfaßte ihn das Bedürfnis, diesen entsetzlichen Menschen, der jedes Wort gehört haben mußte, versöhnlich zu stimmen, demselben wenigstens seinen guten Willen zu zeigen. Vielleicht leitete ihn dabei unbewußt die dunkle Vorstellung, derselbe könne ihm einmal einen Gegendienst erweisen.

Lassen wir diese Angelegenheit vorderhand," begann er. Ich hätte noch eine Bitte an Dich."

Im voraus gewährt. Du hättest keinen günstigeren Augenblick dazu wählen können," erklärte Franz.

Oh, es betrifft auch nur eine Kleinigkeit. Ein armer Mensch, ehemaliger Stuckateur, ersuchte mich schon wiederholt um eine Stellung bei uns. Er soll fein übler Zeichner sein. Hast Du etwas dagegen, wenn ich ihn annehme?"

Gewiß nicht," entgegnete Herrmann.Wie kannst Du denn da lange, Halt, einen Augenblick. Am Ende ein Mann in einem blauen Anzuge, graue Mütze, verkommenes Aussehen.--Gestern sprach mich nämlich so ein Kerl an,

gerade unter der Thür. Ob ich Herr Holaus wäre, er wolle Arbeit, und das sagte er in einem Tone, als wenn es so sein müsse. Na, Du keimst ja meine Ansicht in dieser Beziehung. Das Blut stieg mir gleich zu Kopf. Ich gab ihm ein Paar tüchtige Hiebe mit meiner Reitgerte über den Buckel. Wenn das Dein Mann ist--Aber wie ist

mir denn? Sah ich ihn denn nicht eben, als ich abstieg, hier am Fenster? War denn der Kerl am Ende eben hier? Aber dann hätte ich ihm ja begegnen müssen"

Herrmann blickte um sich, dann gegen die Thür in das Nebenzimmer.

,.Hans, Du verheimlichst mir etwas. Was will, was ist der Mensch? Wo"

Holaus trat bleich, die Stirn gefaltet, vor Herrmann, welcher einige Schritte gegen die Thür machte.

Also wirklich da drinnen dieser Vagabund? Und Du versteckst ihn vor mir? Ja, was hat er Dir denn alles vorgelogen? Am Ende, daß ich ihn zum Krüppel geschlagen? Na, das kann noch kommen."

Er wippte drohend mit der Reitpeitsche und versuchte vorzudringen.

Doch Holaus wich nicht.

Hier hat niemand zu befehlen und zu verbieten, als ich, und wenn ich selbst einem Bettler Zuflucht gewähre, so ist das meine Sache."

Der Bursche ist aber viel schlimmer als ein Bettler, merkst Du denn das nicht?" erwiderte Franz.Ein aus­gemachter Halunke, der Dich irgend wie pressen will. Willst Du herauskommen, Schuft? Oder soll ich Dich holen?" rief der junge Mann in höchster Wut.

Ta ging die Thür auf. Fichtner stand vor beiden, in herausfordernder Haltung.

Da bin ich! Jetzt schlagen Sie mich zum Krüppel, wenn Sie es wagen," wandte er sich zu Herrmann.

Holaus hielt mit zitternder Hand Herrmann zurück, welcher die Peitsche zum Schlage erhob.

Was habe ich gethan, daß Sie mich einen Schuft nennen?"

Das bist Du auch, noch dazu der frechste, der mir je vorgekommen ist," erwiderte wütend Herrmann.

Du? Wir sind nicht per Du. Wir haben überhaupt miteinander nicht das geringste zu schaffen," erklärte Fichtner. Ich habe Herrn Holaus um Arbeit gebeten. Herr Holaus hat dasselbe Recht wie Sie im Geschäft und hat mir Arbeit zugesagt. Was wollen Sie also von mir?"

Dich durchprügeln will ich, wenn Du nicht sofort"

Von neuem drang Herrmann auf ihn ein.

Doch Fichtner sah ihn mit so herausforderndem, drohendem Blick an, daß er unwillkürlich zurückwich.

Das werden Sie sich überlegen, mein Herr. So ganz zufällig komme ich nicht hierher"

Er blickte auf Holaus und las wohl eine Bitte in seinen Augen.

Herr Holaus," fuhr er gemäßigter fort,kennt mich von früher als tüchtigen Arbeiter, der auch schon bessere Zeiten erlebt, den man nicht so ohne weiteres hinausjagt, wie einen tollen Hund. Verstehen Sie mich jetzt?"

Herrmann sah sich entwaffnet. Er ahnte irgend eine Peinliche Verbindung zwischen Holaus und diesem Menschen, und jetzt war am wenigsten der Augenblick, so entrüstet er über seine Niederlage war, eine Erklärung zu fordern.

Warum haft Du mir das nicht gleich gesagt," wandte er sich mit einer verdrossenen Bewegung an Holaus,wenn Du nun einmal in Deiner schlecht angebrachten Gutmütigkeit den Protektor dieses Menschen spielen willst."

Holaus kämpfte mit sich.

Er brachte eine lückenhafte, unsichere Erklärung des Sachverhaltes hervor, welche Herrmann in seinem Verdachte nur bestärkte. Doch für jetzt war es am besten, nachzu- gebeu.

Mach', was Tu willst- aber ich warne Dich vor dem Menschen. Nehmen Sie sich vor mir in acht," wandt er sich bann, ehe er das Zimmer verließ, an Fichtner.Ich kenne Sie nicht von früher."

Als sich die Thür hinter ihm geschloffen, trat Fichtner auf Holaus zu und reichte ihm die Hand.

Na, ich denke, wir sind quitt. Sie haben Ihr Ver­sprechen, und ich mein Maul gehalten. Na, schlagen Sie nur ein. Nicht? Nun dann nicht. Sagen Sie einmal"

Er blinzelte listig mit den Augen und trat dicht vor Holaus.

Warum geben Sie eigentlich das Mädel nicht Ihrem Kompagnon? Sie könnten sich doch nichts Besseres wünschen. Stimmt doch alles! Ich meine nur. Habe Ihnen ja schon erklärt, daß ich es nicht leiden würde und jetzt erst recht nicht aber von Ihrem Standpunkte aus"

Was kümmert Sie das," fuhr Holaus erregt auf, ich habe Ihnen schon erklärt, daß Sie kein Recht haben, sich in meine Angelegenheiten zu mischen"

Na, über das Recht und ob das allein Ihre Ange­legenheit, ließe sich ja noch streiten," erwiderte Fichtner, aber wir sind ja einig in der Sache und wollen es auch bleiben. Ich habe mir nun einmal, während der Unterredung der beiden Herren, da drinnen meine Gedanken gemacht. Wäre es nicht möglich, daß Sie selbst meine Tochter liebten?"

Das Ringen Holaus' nach Fassung war vergebens, obwohl er den Blick des Entsetzlichen in fein Innerstes bringen fühlte, bie Entwickelung langsam aber sicher heran­kommen sah. In diesem Mund fein sorgfältig gehütetes