Nachdruck verboten.
Pygmalion.
Novelle von Anton Frhr. von Perfall.
(Fortsetzung.)
Holaus, welcher einen heftigen Widerwillen empfand, mit diesem Menschen gewissermaßen sich in Heimlichkeiten einzulassen, zögerte bis zum letzten Augenblicke, dann erst wies er ihn hinein und schloß die Thür.
Da trat schon Herrmann ein.
Eine gewisse Entfremdung war zwischen beiden Männern eingetreten. Seit Wochen hatte Herrmann den Zeichensaal nicht betreten.
Beunruhigend für Holaus war eine gewisse verlegene Herzlichkeit der Begrüßung, ein mißlungener Versuch, ein geschäftliches Gespräch anzuknüpfen) als aber Franz plötzlich die Reitgerte auf den Tisch warf, beide Hände ihm entgegenstreckend auf ihn zutrat, da erfaßte ihn eine förmliche Furcht.
Jetzt nahte der gefürchtete Augenblick, er nahte trotz allem Hoffen, trotz allem felsenfesten Glauben. Und nebenan Er, der Gefürchtete, der jedes Wort hören mußte. — Schon jetzt rächte sich die Lüge, und er stand erst im Anfänge.
Er versuchte noch einmal, ein Gespräch anzufangen. — Vergebens!
„Hans," begann Herrmann, in einem Tone, der ihm keinen Zweifel mehr ließ. „Ich weiß nicht recht, waS sich da zwischen uns gedrängt, nur daß es nicht mehr so ist wie früher. — Aber es ist ja alles Unsinn! CS soll ja nun ein neues, unzerreißbares Band uns aneinanderfesieln, — gerade heraus, — ich bitte Dich um die Hand Deines Kindes, Deiner Marie. — Halt, laß mich auSreden! Ich war ein leichter Finke, ein Mädchenjäger, ich nahm es nicht so genau mit der Moral in einem gewissen Punkte, alle- zugegeben/ aber jetzt ist alles anders. Marie hat mich völlig bekehrt. Keine Spur mehr des alten Franz ist da. Ich werde alles thun, sie glücklich zu machen, ihre Neigung mir zu gewinnen."
Holaus, der bisher mit halbgeschlossenen Augen, die Lippen fest geschloffen, diesen Wortschwall über sich ergehen
Mß.
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, halte dir ein Kämmerchen im Herzen rein, Es wird in schwerem Leid dir eine Zuflucht sein. Drin weile, bis der Sturm an dir vorübergeht, Und hoch am Himmel hell die Sonne wieder steht.
O. v. Leixner.
. ließ, nur mit dem Gedanken an den Mann im Nebenzimmer beschäftigt, durchzuckte es bei dieser letzten Wendung.
„Die hast Du doch schon gewonnen, ihre Neigung, sonst wärst Du wohl nicht hier," sagte er vorsichtig, kaum wagend, Franz anzusehen.
„Allerdings, selbstverständlich. Aber Du weißt ja, wie ' Mädchen find in diesen Jahren, gleich eingeschüchtert, unsicher, etwas ehescheu —"
„Du hast also mit Marie ernstlich darüber gesprochen? Eben wohl?" fragte Holaus.
„Ja, das habe ich auch. — Ich wollte es ja schon längst, es gab sich gerade Gelegenheit — so machte ich ihr einen förmlichen Antrag."
„Den fie annahm?"
„Ja, und nein. Zuerst lachte fie dazu, dann weinte sie. — Nie und nimmer könne fie fich entschließen, sich von Dir zu trennen."
„Das sei gar nicht notwendig, gerade bei mir nicht, da wir ja geschäftlich aneinander gebunden seien. — Ja, das sei doch nicht das, was fie meinte, sie wisse es selbst nicht, aber der Papa sei ihr alles — alles bis auf den Geliebten, den Gatten, erklärte ich ihr. " Das verstehe fie nicht, nur so viel fühlte fie, daß ihr kein Mann je näher stehen könne, und damit würde ich mich gewiß nicht zufrieden geben. — Ich lachte erst darüber, dann verdroß mich, offen gesagt, der Eigensinn. Der Papa werde gewiß selbst nicht einverstanden sein mit dieser Auffassung. Sein höchster Wunsch sei gewiß eine gute Heirat. Ja, ich hätte ein gewisses Recht auf fie. Das habe ich auch, Hans, denke zurück, wie ich zu Dir kam auf Deine Bude und Dir die Nachricht brachte, daß ich meinen Vater völlig für Dich gewonnen, ich war damals selbst noch ein Junge von sechszehn Jahren, Marte spielte am Boden neben der Staffelei, da fielst Du mir um den HalS: das Mariele soll es Dir einmal danken, wenn ich's nicht vermag. So sagtest Du damals."
„Nun und das Ende?" drängte HolauS, nervös mit den Fingern auf den Tisch tippend, ohne auf die Mahnung Herrmanns einzugehen. „Das Ende Eurer Unterredung?"
„Oh, sehr zufriedenstellend für den schlechten Anfang. Sie sei mir ja gewiß gut gesinnt von jeher, wiffe auch sehr wohl, daß sie mir von früher zu Dank verpflichtet sei, — indes die Entscheidung liege einzig und allein bei Papa, ohne dessen Rat und Einwilligung sie nie einen entscheidenden Schritt in dieser Angelegenheit wagen würde. — Und da bin ich nun, um Deine Einwilligung zu holen. Ich dächte doch, er fehle nicht an Momenten, dle zum mindesten —


