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Sonntag den 8. Novmber./?

A 1899. - St. 159. '

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etwas

diese war.

alles andere vernichtet haben, wohl schon ehe sie in Stadt gezogen, was nach des Vaters Tode geschehen Dieser lag in einer Stadt Oesterreichs begraben.

Und doch hatte die sterbende Mutter ihr noch

sagen wollen- sie hatte es in den angstvollen Augen, an dem sich bewegenden Munde, der nicht mehr sprechen konnte, als ein Schlag sie getroffen hatte, gesehen. Warum hatte sie mit der erwachsenen Tochter nicht früher gesprochen?

In dem Sekretär stand ein hölzerner Kasten, den sie dort früher schon oft gesehen,- er war verschlossen und ein Schlüssel nicht vorhanden, aber das verrostete Schlößchen gab bald nach. Ein vergilbtes Tuch lag obenauf, das in der Ecke den schön gestickten Namen Helene zeigte. Vorsichtig nahm Renata das Gewebe empor, ein moderiger Duft kam ihr entgegen, und da lag ein verdorrter, von Motten und Staub zerfressener

Myrtenkranz, dabei ein durchsichtiger Fetzen das war der Brautschmuck ihrer Mutter.

Mit unsäglicher Trauer blickte Renata auf diese An­denken an die glücklichste, heiligste Stunde im Frauenleben. Ach, war es eine glückliche Stunde gewesen? Sie dachte an das vergrämte Gesicht der Mutter mir dem müden, geduldigen Lächeln, an die einst wohl dunkel leuchtenden Augen, getrübt von vielen Thränen.

£) Mutter, warum sagtest Du mir nie, was Dich so elend gemacht?" flüsterte das Mädchen weinend.

Einige Papierreste lagen auf dem Boden des Kastens, es schienen die Ueberbleibsel eines Briefes zu sein, denn hier und da fand sich ein Wort zusammen, schließlich kam noch ein größeres Stück zum Vorschein, auf dem deutlich der Schlußsatz eines Briefes, von Männerhand geschrieben, zu erkennen war. Aber Renata schrak beinahe zusammen, als sie die Unterschrift las- da stand mit kühnem Schwünge:

Ihr sehr ergebener

Frl Nolte, Pfarrer."

So war es doch wohl wahr, daß der Pastor ihre Eltern und den Onkel gekannt?

Soviel konnte Renata herausbekommen, daß es ein amtliches Schreiben war, aber Aufschluß gaben ihr die Frag­mente durchaus nicht. Sie legte die traurigen Erinnerungen wieder an ihren Platz und schloß den Schrank.

Nach wenigen Tagen war sie fertig, und es galt nur noch Abschied zu nehmen von dem Grabe der Mutter, das neben dem des Onkels auf dem Friedhöfe vor der Stadt lag. Ueppiger Epheu und einfache Stetnkreuze schmückten die beiden Hügel. Auf dem des Onkels stand der Name, auf dem der Mutter nur ein Spruch. Sie hatte Renaten gebeten, einst ihren Namen auf dem Grabsteine fortzulaffen: »Gott kennt ihn," sagte sie,und Ihr, meine Kinder, wißt meine Ruhe­stätte, die Welt kümmert es nicht." Und so las man nur: Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden."

Renata hatte diesen Spruch von der Mutter Hand be­zeichnet gefunden und ihn auf das Kreuz setzen lassen.

Lange saß Renata an der stillen Stätte, und das letzte Jahr, das so gewaltig in ihr inneres Leben eingegriffen hatte, zog noch einmal an ihrem Geiste vorüber: Walters schmerz­liches Krankenlager und doch so seliges Sterben, die Liebe, die ihr geworden von fremden Menschen, ihr eigenes stilles Hoffen, ihres eigenen jungen Herzens Traum, die zerstörende Gewitternacht und der alte, kranke Mann.

So nimm nun meine Hände und führe mich," sagte

(Fortsetzung.)

XVII.

Renata fühlte selbst, wie heilsam ihr die Reise für ihre Unruhe war. Zwar that es ihr bitter weh im Herzen, als sie die. frühere Heimat wieder betrat, nun ganz allein, ohne ihren lieben, kleinen Walter, und sie konnte den heißen Thränen nicht wehren, die selbst die Familie ihres Vormundes verstand und ehrte.

Viel gab'S eigentlich nicht zu ordnen. Renata schickte sofort die ihr besoktders wertvollen und liebgewordenen Möbel nach L. Sie suchte mit etwas bangem Herzen in dem alt­modischen Sekretär nach Papieren mw etwaigen Aufklärungen über die Vergangenheit ihrer Eltern, aber sie fand so gut wie nichts- nur wenige Papiere auf den Namen Wendelin lautend ohne besonderen Wert für sie. Ihre Mutter mußte

Nachdruck verboten.

Der Gylfenhof.

Eine Erzählung von P. D i t f u r t h.

| alte fest am frommen Sinne, a Der des Grenzsteins nie vergaß;

Alles Heil liegt mitten inne, Und das Höchste ist das Maß. Glücklich, wem die Tage fließen Wechselnd zwischen Freud und Leid, Zwischen Schaffen und Genießen, Zwischen Welt und Einsamkeit. Geib el.