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erkaüet, und das kleine treue Herz, das einzige, das cur GMs Erde ihrer bedurfte, stand still, und dann!

Sie stöhnte gequält auf und preßte die Hand auf die Mgen. O, dieser Gedankenkreis! Er zog sich wie eine Schlange um ihr Herz, immer enger, immer drückender.

Und die letzten Wünsche konnte ich ihm nicht einmal erfüllen," flüsterte sie schmerzlich vor sich hin.

Da wurde draußen die Klingel gezogen, und Fräulein Lina öffnete,- sie hatte es Renaten freundlich abgenommen, den Arzt einzulaffen. Er war es aber dieses Mal nicht, sondern zwei Frauengestalten, deren eine nach Fräulein Wendelin fragte.

Renata hörte draußen das Sprechen mehrerer Stimmen, aber es war ihr gleichgiltig. Da trat Fräulein Nolte vorsichtig zur Thür herein und flüsterte ihr leise zu, ein paar Damen wünschten sie dringend zu sprechen. Renata begriff gar nicht, wer wohl nach ihr verlangen könnte, aber sie stand auf und trat mit einem Licht in ihr Wohnzimmer.

Sie hob den Leuchter etwas, und der flackernde Licht­schein fiel unficher auf die fremden Erscheinungen.

Die eine, anscheinend eine ältere Dame, schlug ihren Schleier zurück und trat auf das blasse junge Mädchen zu.

Verzeihen Sie," sagte sie nach herzlichem Gruße,daß wir so spät stören, liebes Fräulein. Ich weiß nicht, ob Sie unseren Namen kennen, Sie waren heute in unserem Hause und wurden von meiner unerfahrenen Tochter wenig freundlich abgefertigt, sie will es aber gut machen."

Bei diesen Worten schob sie Frida vor, die scheu das müde, abgehärmte Antlitz da vor sich ansah und nun Renata einen zierlichen Käfig hinhielt. Aus diesem girrte es leise, und durch die Stäbe schimmerte es weiß. Ueber Renatas Gesicht flog ein wehmütiges Lächeln- das Licht schwankte in ihrer Hand, sie setzte es auf den Tisch und streckte ihre Hände den beiden hin. Sagen konnte sie nichts, sie brach in bitteres Weinen aus.

Da legte sich ein Arm um ihre Schultern, und eine weiche, melodische Frauenstimme sprach liebevoll zu ihr, wie so lange, lange niemand.

Sie blickte auch in ein liebes, mütterliches Gesicht, in dessen Augen es auch wie Thränen schimmerte, und das that ihr so wohl.

O wie soll ich danken?" fragte sie leise. .

Bitte darüber kern Wort," erwiderte die Dame sanft,ich bin so froh, daß ich Sie gefunden habe und nicht zu spät. Ich hatte Ihr Schicksal erfahren und habe es mitgetragen, ohne Ihren Namen zu kennen- nun weiß ich ihn, und er bleibt mir unvergessen. Mein Name ist Falkner," fuhr sie fort, eine stumme Frage in Renatens Augen beantwortend, unsere Wohnung kennen Sie, und ich sage: auf Wiedersehen, nicht wahr?"

Renata," klang es matt aus dem Nebenzimmer.

Gehen Sie, gehen Sie zu Ihrem armen Brüderchen," drängte die freundliche Dame,wir sehen uns wieder- Gott befohlen!" Damit verließ sie schnell mit ihrer Tochter das Gemach.

* * *

Da lag der Knabe am anderen Tage mit leuchtenden Augen im Bettchen und betrachtete das reizende Tierchen, das zutraulich vor ihm saß und sich streicheln ließ. Mit ver­haltenen Thränen sah die Schwester zu.O Renata", flüsterte er,siehst Du, das schickt mir der liebe Gott durch die gute Frau. Ich will auch nie mehr weinen, wenn es so weh thut, und sag der lieben Dame, daß ich immer für sie beten will." Er lehnte sich erschöpft tiefer in die Kiffen, aber seine Augen sahen die Schwester mit überirdischem Glanze an.Das liebe Täubchen! Morgen liest Du mir die Geschichte von Noahs Taube, ja?" Sie nickte stumm.

Die Sonne hatte sich durchgekämpft und das schwere Wintergewölk überwunden, und ein Strahl spielte in den braunen Locken des Knaben, seinen Kopf wie mit einem Glorienschein umgebend.

Er war stille geworden, aber sein schwaches Händchen tastete immer nach dem weichen, weißen Gefieder.

Gute Nacht, meine Renata, es wird so dunkel gieb dem Täubchen das Oelblatt! Ich will nun schlafen," sagte er leise nach einer kurzen Pause und begann sein Abendgebet: Breit aus die Flügel beide, O Jesu Jesu--"

Sein Stimmchen erstarb, und sein Köpfchen sank in den Arm der Schwester.

Amen, Herr, nimm Dein Küchlein ein!" betete sie mit heißen Thränen.

Die Sonne war untergegangen, dunkle Schatten flogen durch das Zimmer, nur das weiße Gefieder der Taube leuchtete durch die Nacht.

Still und dunkel war es geworden, und die erlöste Kindesseele kehrte zurück in die Arme des ewigen Vaters.

(Fortsetzung folgt.)

(Nachdruck verboten.)

Schuldig.

Erzählung von F. Arnefeldt.

(Fortsetzung.)

Sie thun es auf Ihre Gefahr!" sagte die Kommer- zienrätin hochfahrend, vertrat aber doch Felilitas, die einen Schritt nach der Thür zu machte, den Weg. Schnell bückte sich diese, hob den am Boden liegenden Beutel auf, und hielt ihn der anderen dicht vor die Augen.

Wollen sie mich angesichts dieses Beutels noch be­schuldigen ? Angesichts dieses Beutels, der Ihre Initialen trägt, und unter meiner Leitung für Sie von Hermine an­gefertigt worden ist?"

Jetzt verließ die Kommerzienrätin die Haltung, die sie, mühsam genug, noch behauptet hatte- sie sah ein, daß sie wehrlos in der Gewalt der Erzieherin war, und eine gren­zenlose Verzweiflung bemächtigte sich ihrer. Sie sank Feli­citas zu Füßen, umklammerte deren Kntee und flehte unter Schluchzen:

Haben Sie Erbarmen. Verraten Sie mich nicht! Kehren Sie in Ihr Zimmer zurück!"

Haben Sie sich klar gemacht, was Sie von mir ver­langen?^ fragte die Erzieherin, bemüht, sich von den sie umschlingenden Armen zu lösen.

Die Kommerzienrätin blieb ihr auf diese Frage die Antwort schuldig, und wiederholte:Verraten Sie mich nicht! Richten Sie mich nicht zu Grunde! Ach, Sie können ja nicht wissen, was für mich auf dem Spiele steht!"

Nicht mehr als für mich, da ich so schmählich von Ihnen verleumdet wurde! Ehre, guter Name, die ganze Existenz!" rief Felilitas, deren mit großer Mühe bewahrte Gelassenheit nun doch der gerechten Empörung wich.

Sie wollen sich rächen!" wimmerte die unglückliche Frau.Thun Sie es nicht! Ich will es eingestehen ich habe mich schwer gegen Sie versündigt, aber ich will gut machen. Fordern Sie von mir, was Sie wollen"

Ich verlange nichts als meine Ehre, meinen guten Namen, und das ist nur möglich, wenn klar und unwider­leglich dargethan wird, wer den Schrank geplündert hat," fiel Felicitas mit großer Bestimmtheit ein.

Das wird sich auf andere Weise erklären lassen, ich chwöre Ihnen, daß ich es bewirken will! Lassen Sie uns etzt das Geld wieder in den Schrank schließen und in unsere Zimmer zurückkehren, bevor noch jemand dazu kommt. O, Gott, Gott, es ist mir schon, als hätte ich eine Thür qehen hören!" ' 7

Während sie diese Worte angstvoll hervorstieß, hatte ich die Kommerzienrätten erhoben und wollte das immer noch am Boden liegende Geld aufraffen und in den Schrank zurücktragen. Vor der ihr augenblicklich durch Fräulein von