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om Unglück zum Glücke Führt Steg nicht, noch Brücke. Mußt wagen und springen, Dann wird'S dir gelingen.

Schiller.

Nachdruck verboten.

Der Gylfenhof.

Eine Erzählung von P. Ditfurth.

(Fortsetzung.)

Mechanisch erwiderte die Bleibende den Gruß, sie wußte sich nicht zu helfen und ließ schließlich die Fremde gehen, mitten im Zimmer stehen bleibend.

Renata ging durch das Vorzimmer/ auf dem Vorsaale war niemand, und sie holte tief, tief Atem, es klang wie unterdrücktes Schluchzen.

Sie wußte kaum, wie sie zur Hausthür hinaus und auf die Straße gekommen. Nun stand sie dicht vor dem alten Hause, das sie einmal so sehr beschäftigt, aber sie dachte nicht daran, es anzusehen in diesem Augenblick. Sie bemerkte auch eine daherkommende Dame nicht, die das in schmerzliches Sinnen versunkene Mädchen teilnehmend be­trachtete und dann in dem Hause verschwand.

Sie eilte mit traurigem Herzen heim zu ihrem kranken Liebling.

Währenddessen stand die einigermaßen verblüffte Blondine noch eine ganze Weile mitten im Zimmer und wand ihre Uhrkette um die feinen Finger, die hellen, großen Augen starr auf die Portiöre geheftet, hinter welcher die Fremde verschwunden war. Ihre Empfindungen waren sehr gemischt, aber keineswegs angenehm. Sie konnte die stillen, traurigen Augen, die zuletzt voller Thränen standen, nicht aus den Gedanken verlieren. Sie wurde in ihrem unerquicklichen Nachsinnen durch das rasche Eintreten eben derselben Dame gestört, welche Renaten soeben begegnet war. Diese sah dem leicht zusammenfahrenden Mädchen erstaunt ins Gesicht und fragte:Nun, Frida, hattest Du Besuch? Eine fremde Dame verließ das Haus/ ich habe sie noch nie gesehen."

Ich auch nicht," erwiderte Frida,sie war auch ein sehr sonderbarer Besuch, und ihr Anliegen war es ebenfalls."

Was wollte sie denn? Sie sah eigentlich vornehm aus, aber sehr betrübt."

Frida erzählte stockend den Hergang. Aber unter

dem ernsten, forschenden Blick ihrer Mutter wurde ihr be­klommen zu Sinn, und ihre Handlungsweise kam ihr jetzt selbst recht kühl und hart vor.

Die Dame schüttelte unmutig den Kopf:Womit rechtfertigst Du Dein Benehmen gegen das arme Mädchen?"

Ja ich wußte doch nicht, ob das alles wahr ist, und die Taube gehört ja auch nicht mir," gab sie halb trotzig zur Antwort.

So," sagte die Mutter streng,seit wann bist Du denn so vorsichtig/ und gab Dir dieses thörichte Mißtrauen das Recht, die Fremde so abzufertigen? Konntest Du sie nicht freundlich bescheiden und bitten, zu warten?" Frida schlug die Augen nieder und kämpfte mit dem Weinen. Du mußt das gut machen, mein Kind, ich werde wegen der Taube mit Onkel Gottfried sprechen und Du wirst mich dann begleiten."

Es fiel jetzt erst der Dame ein, daß sie ja die Wohnung der Fremden nicht wiffe. In der großen Stadt fand man schwerlich so bald eine jedenfalls erst kürzlich zugezogene Renata Wendelin. Nachdenklich ging sie auf und nieder, während Frida schmollend im Fenster saß. Plötzlich blieb die Mutter stehen:Mein Gott," sagte sie halblaut-sollte das das junge Mädchen sein, welches bei Frau Prediger Nolte wohnt, und dessen kleiner Bruder überfahren wurde?"

Ach," rief Frida, ihre Stimmung vergessend,wovon uns Onkel Gottfried erzählte? Er hat das Kind aufgehoben und nach Hause getragen."

Die Mutter verschwand in der Thür, und die Tochter folgte eiligst.

* *

Es war Abend. Draußen lagerte dichtes, nebliges Dunkel, und der Wind zog klagend durch die Straßen.

Renata saß am Bett des Bruders, die kleine heiße Hand fest in der ihren, und hörte bald auf die traurigen Melodien draußen, bald auf die Atemzüge des Kranken. Dazwischen zog immer wieder die Szene in dem alten Hause durch ihre Seele, ttnb ein bitteres Gefühl wallte trotz alles Ankämpfens in ihr auf.

Obgleich von der herzlichen Teilnahme ihrer beiden Wirtinnen umgeben, fühlte sie sich doch grenzenlos verlassen und elend, mehr noch wie nach dem Tode der Mutter. Damals sah sie auf ihren kleinen Bruder, für den sie leben und wirken mußte, und seine rührende Liebe richtete sie auf. Nun aber mußte sie auch ihn lassen, wie lange dauerte es, dann war die kleine Hand, die jetzt noch nach ihr sich streckte,