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und damit ihrem Verdacht nur neue Nahrung gegeben, dann natürlich konnte der, welchen ich meine, niemand anders sein als ihr Gatte."

Unglaublich! Warum nanntest Du ihr nicht den Namen Deines heimlich Verlobten?"

Eben weil es mein heimlich Verlobter ist. Ich durfte dieser Frau gerade unter den jetzigen Verhältnissen dieses Geständnis nicht machen und wer weiß, ob sie mir ge­glaubt haben würde."

Eigentlich müßte sie es wisien," bemerkte Aurelie.

Wann hätte ein in Wahngebilden lebender Mensch Augen für das, was um ihn vorgeht?" entgegnete Felicitas,er sieht Dinge, die nicht vorhanden sind und ist blind für solche, die wirklich geschehen. Doch ich beschwöre Dich, kein Wort von alledem gegen Ernst- er hat ohnehin schwer genug zu tragen!" fügte sie schnell und aufhorchend hinzu.

(Fortsetzung folgt.)

Ein neues Luftschiff.

Das Problem des lenkbaren Luftschiffs harrt noch immer seiner Lösung, und alle Versuche, Thatsächliches zu leisten, sind bisher vergeblich gewesen. Ein Techniker in Charkow namens Dr. Danilewsky hat jüngst einen Ballon konstruiert, mit welchem er sich beliebig heben und senken zu können vorgiebt. Der mit Wasserstoffgas gefüllte Ballon ist sehr klein und vermag nur einen Teil des Körpergewichts eines Menschen zu tragen, deshalb sind große Flügel an­gebracht, die nach Belieben zum Auf- oder Abstieg benutzt werden können. Ein Gehilfe des Erfinders will mehrfach, man spricht von 40mal, sich bis 90 m Höhe erhoben, sich in dieser Höhe längere Zeit gehalten und Kreise beschrieben haben. Ob sich die Erfindung wirklich bewährt, ist «ine offene Frage.

Vom Monat September.

September 1899.

Die ungemütliche Hitze, die im August herrschte, be­ginnt allmählich einer gemütlicheren Temperatur zu weichen. Der Sonnenglut des Sommers, die kaum einmal von kurzen Gewittergüssen unterbrochen wurde, ist eine merkliche Ab­

kühlung gefolgt, deren kühlere Windströme uns fast fröstelnd anhauchen. Jeder Monat hat ja seine Reize, seine guten und schlechten Seiten.

Der September ist der Monat stolzer, aber duftloser Blumen. Georginen, Astern und Herbstanemonen beherrschen den Blumengarten. Unter dem Einfluß des hernieder­gegangenen Regens beginnen sich im Gemüsegarten die Kohl­köpfe zu festigen und zu runden. Von Gemüsen besonders erwähnenswert ist der Blumenkohl, der nun endlich aus hiesigen Gärten kommt. Der gute Blumenkohl in schönen, festen, weißen Rosen geht fast durchweg in die Delikateß- läden. Auch alle anderen Gemüse sind in reichster und bester Auswahl vorhanden, am besten sind jetzt Schwert- und Wachsbohnen. Schoten sind hoch im Preise. Für Salat sind Gurken, Lattich und schön gebleichter Endivien am Platz. Endivien ist fast ausschließlich ein Herbst- und Winter­salat, er schmeckt kräftiger und pikanter wie Lattich, und ist namentlich zu fettem Braten zu empfehlen, es darf aber nicht allzu reichlich Essig dazu verwendet werden. Die ver­lesenen Endivien werden nudelig geschnitten, mit Oel, Essig, Zucker, Salz, Pfeffer und einer kleinen Tasse kräftiger Bouillon aus 3 Gramm Liebigs Fleisch-Extrakt vermischt. Man läßt diesen Salat eine halbe Stunde stehen, ehe man ihn zur Tafel gibt. Ausgezeichnet sind schwarze Winter­rettiche und große weiße Herbstrettiche, ein ebenso gesundes wie gern begehrtes Frühstücksessen. Außer der Erdrübe, die sich noch schüchtern unter dem hoch aufgetürmten Grün- und Wurzelkram als Neuheit auf dem Markte zeigt, bieten die Delikateßläden Artischoken und Teltower Rübchen, auch märkische Rübe genannt, eine Delikatesse, die schon bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht, und die den großen Dichter Goethe in Unruhe versetzt haben soll, wenn sie nämlich nicht pünktlich von Berlin in Weimar eintraf. In Paris kam sie erst nach dem Kriege 1806 in Aufnahme. Die zarten Rübchen müsien sehr sorgsam, geschabt und heiß ge­waschen werden, sie sollten immer erst kurz vor der Zu­bereitung geputzt werden, da sie durch längeres Stehen eine schwärzliche Färbung annehmen. Nachdem sie mit kochendem Wasser gebrüht sind, werden sie einige Minuten in Salz­wasser gekocht und auf ein Sieb zum Abtropfen geschüttet. Für etwa 1 Kilo Rüben läßt man 80 bis 100 Gramm Butter mit etwas gestoßenem Zucker unter stetem Rühren braun werden, thut 15 Gramm Mehl hinzu, rührt es glatt und gießt nach und nach Bouillon aus 15 Gramm Liebigs Fleisch-Extrakt hinzu, läßt die Sauce durchkochen, gibt die Rübchen hinein, würzt sie mit Pfeffer und Muskatnuß, und läßt sie bei gelindem Feuer weich dünsten.

Die Preise unserer Obstsorten sind der wundeste Punkt des Marktes und wenig verheißend auf die Aussicht für Herbstobst. Wer, ohne zu rechnen, seine Ausgaben machen kann, der halte sich an die feinen Bozener Birnen, Tiroler Aepfel, französischen und italienischen Weintrauben.

Pilze sind knapp und nur zu den bisherigen, sehr ge­wählten Preisen da; als Neuheit kommen für September schon die ersten hannöverschen Trüffeln.

Im Laufe des Monats erreicht die Wildpretsaison die volle Höhe. Die Jagd auf Hasen, Auer-, Birk- und Hasel­wild, sowie Fasanenhennen und Wachteln beginnt. Vom Nußhäher bis zur Schnepfe, vom wilden Kaninchen bis zum edlen Hirsch ist alles Wildpret auf dem Markt vertreten. Hirsche werden vom Mai bis September geschossen, Tiere (weiblicher Hirsch), Schmaltiere und Kälber bis Weihnachten. Das Fleisch der Schmaltiere und Kälber ist vorzüglich zart und saftig, wie überhaupt das Hirschwildpret sehr gut und schmackhaft ist, nur das Fleisch der alten Hirsche ist zähe und während der Brunstzeit ganz unschmackhaft. Der Ziemer oder Rücken, die Keulen und Schulterblätter geben den Braten. Ein gut abgelegener Rücken, Ziemer oder Keule wird gewaschen, gut geklopft, abgehäutet und reichlich ge­spickt, mit Salz und Wachholderbeeren abgerieben und in eine Pfanne gelegt, in der man Butter und würfelig ge-