1899.
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femt sie dich schmähten nnd wenn sie dich schalten. Widersprich nicht mit hitzigem Blut;
Schweig und schaffe, was schön und gut, So wirst du zuletzt doch Recht behalten.
Geibel.
Nachdruck verboten.
Schuldig.
Erzählung von F. Arnefeldt.
(Fortsetzung.)
Der Kommerzienrat hatte ihr erwidert, er sähe dazu durchaus keine Veranlassung. Für den Glückswechsel sei nicht einmal Sommer, geschweige denn seine Tochter verantwortlich zu machen, und es wäre grausam, sie das entgelten zu lassen. Zudem sei HanS reich genug, um eine mittellose Frau heiraten und dies sogar ohne seine Zustimmung und Beihilfe thun zu können.
„Und sie soll ihn doch nicht haben!" hatte sie gemurmelt, und zunächst ihrem Haß gegen Aurelie durch kleine Chikanen Genüge gethan. Sie wußte, wie sehr die Freundinnen aneinander hingen und welche Freude ihnen ein Beisammensein gewährte. Da Aurelie an das Haus gefesselt war, verbrachte Felicitas jetzt ihre Freistunden bei ihr, und nun wußte sie mit einer Erfindungsgabe die einer besseren Sache würdig gewesen wäre, ihr diese zu verkümmern und zu verkürzen.
An einem Sonntag Nachmittage hatten aber alle Künste der ränkevollen Frau nicht verhindern können, daß Felicitas sich für ein paar Nachmittagsstunden frei gemacht hatte und zu der Freundin gegangen war.
Ueber dem alten Hause in der Friedrichstraße lag tiefe Sonntagsftille, die um so wohlthuender wirkte, als es während der Wochentage noch immer erfüllt ward vom Lärm der nebenan vor sich gehenden Bauarbeiten.
Es war ein köstlicher, milder Maitag. In den Gärten blühten die Obst- und Kastanienbäume und der Flieder - würziger Duft drang durch die geöffneten Fenster des nach der Rückseite des Hauses gelegenen kleinen, traulichen Zimmers, das Aurelie seit sie erwachsen, zu ihrem eigenen Gebrauch eingeräumt worden war.
Sie hatte den kranken Vater, der sich heute sehr ruhig verhielt, unter der Obhut der alten Sophie zurücklassen
können und gab sich, mit Felicitas auf dem Sofa sitzend, dem für sie jetzt seltenen Genüsse hin, sich alles/ was sie bedrückte, einmal frei, bom Herzen reden zu können.
Es hatte sich für das Haus ein Käufer gefunden, und die Möglichkeit war nahe gerückt, daß seine gegenwärtigen Bewohner es nach wenigen Monaten zu räumen haben würden. Helle Thränen rollten Aureliens Wangen hinab, als sie Felicitas dies erzählte, und beide Mädchen vertieften sich in schmerzlich süße Erinnerungen, denn Haus und Garten waren ja der Schauplatz ihrer Kinderspiele gewesen- hier hatte sich auch die Neigung zwischen Felicitas und Ernst Sommer angesponnen.
„Wo werden künftig alle diese Sachen stehen, die für mich gar nicht wie leblose Dinge sind, sondern eine nur mir verständliche Sprache reden", sagte Aurelie, indem sie in dem einfach, aber mit vielem Geschmack eingerichteten Zimmer umherschaute. „Ach, es kommt mir vor, als gehöre jedes Stück genau an den Platz, wo es steht und könne gar keinen anderen vertragen. Wie graut mir vor dem Suchen nach einer neuen Wohnung und vor dem Einzug in beschränkte Räume!"
Ein feines Lächeln umspielte Fräulein v. Kressens Lippen, und den Arm um Aureliens Schulter legend, erwiderte sie: „Aber es hängt ja nur von Dir ab, allen diesen Sorgen und Unannehmlichkeiten enthoben zu sein. Hans Helldorf—"
„Nicht weiter!" unterbrach Aurelie sie lebhaft. „Du solltest mich doch besser verstehen, Felicitas, und wissen, daß ich es meinem Vater, mir selbst und nicht zum wenigsten Hans schuldig bin, auf sein großmütiges Anerbieten nicht einzugehen".
„Ts ist nicht Großmut, es ist Liebe, was ihn dazu bestimmt, und in der Liebe wägt und rechnet man nicht- „hier ist Gewinn, was fonff Verlust", wie es bei Geibel heißt!" erwiderte Felicitas. „Doch Du magst im Rechte sein, ich will nicht in Dich dringen!" fügte sie hinzu. Aurelie glaubte einen leisen Vorwurf aus ihren Worten zu hören- enger sich an sie schmiegend, fragte sie leise:
„Wenn Du an meiner Stelle wärest, wenn Ernst Dir zu geben vermöchte, was Hans mir bieten kann, würdest Du es annehmen?"
„Unbedenklich!" ries Felicitas. Ihr klares Auge leuchtete auf, ein warmer Hauch verbreitete sich über ihr Gesicht. „Unbedenklich", wiederholte sie, „denn ich wäre mir bewußt, ihm doch so viel zu geben, wie ich empfange.
„Du Glückliche!" seufzte Aurelie. „Wer doch auch so


