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sie sich auf der Bühne versuchen und ich bin sicher, daß sie ihren Weg machen wird."
„Schade um das Mädchen!"
„Wieso?"
„Eine Bühnenkünstlerin! Ach, Mama, Du weißt selbst, waS das zu bedeuten hat."
„Elsie ist stark und besitzt einen edlen Stolz, der sie vor den Gefahren der Bühnenlaufbahn bewahren wird."
„Ich halte die Kleine für ehrgeizig!"
„Gewiß ist sie das."
„Sie will um jeden Preis Carriöre machen!"
„Davon habe ich noch nichts bemerkt. Auf alle Fälle aber möchte ich Dich bitten, niemals auf meine Erziehung zu vergessen und das Mädchen nie mit unnötigen Galanterien zu belästigen, Hans Heinrich!"
Damit war die Unterredung zu Ende.
Elsie eilte, von stürmischen Gefühlen erregt, auf ihr Zimmer. Hans Heinrichs Worte erweckten Empfindungen in ihrem Herzen, die ihr bislang fremd gewesen waren. Die Entrüstung über die unverblümte Galanterie des jungen Offiziers ließen ihre Wangen erglühen, freudige Hoffnung und bange Erwartung machten sie erbeben. Bislang hatte sie den Herzog nur auf Augenblicke aus weiter Entfernung gesehen, heute sollte sie ihm gegenübertreten, Auge in Ange, Angesicht zu Angesicht! Heute sollte sie einen Beweis ihres Könnens vor ihm ablegen, den ihre jugendliche Phantasie mit den herrlichsten Eigenschaften schmückte.
Es war in ihrer Gegenwart von dem Fürsten nur in Worten des höchsten Lobes gesprochen worden. Er erschien ihr als das Ideal eines Menschen, eines Fürsten, sie blickte zu ihm empor, wie zu einem Halbgott, dessen Wort die Entscheidung über ihr Leben sprechen sollte.
Ihre Gedanken flogen zurück in die ärmliche Heimat ihrer Kindheit. Aus den Träumen der Kinderwelt stieg die Gestalt des Märchenprinzen glänzend und strahlend empor, und ihre Phantasie sah in dem Fürsten den Märchenprinzen ihrer Kindheit.
Sie erschauerte bei dem Gedanken, ihm gegenübertreten zu sollen, mit ihm sprechen, ihm ins Angesicht sehen zu müssen. Der Traum ihrer Kindheit von dem Märchenprinzen umstrickte wieder ihr Herz mit goldenem Schleier, und erbebend verhüllte sie ihr glühendes Antlitz in die Hände.
Sie lebte inmitten der Welt, aber der Märchenzauber der Kindheit, der Jugend hielt sie noch immer gefangen und tauchte für sie die Welt in den rosigen Schimmer der aufsteigenden Sonne einer glückstrahlenden Zukunft.
VI.
Herzog Ernst war eine kraftvolle, männliche Erscheinung, welche die grüne Husaren-Uniform — der Herzog war Chef eines preußischen Husaren - Regiments — auf das vorteilhafteste hervorhob. Seine dunklen Augen blitzten in Lebensmut und Lebenslust, um seine etwas vollen Lippen schwebte ein sieghaftes Lächeln und unter dem kurzgehaltenen, dunklen Schnurrbart, der keck emporgewirbelt war, schimmerten die Zähne perlengleich hervor. Das fast schwarze Haar umgab in natürlichen Locken das Antlitz, welches an eine klassische Darstellung des jugendlichen Bacchus erinnerte, während die schlanke, kräftige Gestalt einem Apollo keine Unehre gemacht haben würde.
So trat er in der siegenden Gewalt seiner Schönheit, den Stolz des Fürsten auf der Stirn, das Lächeln des wohlwollenden Gönners auf den Lippen, in den Salon der Frau Baronin von Hannecken, so trat er Elsie gegenüber, die, sich tief verbeugend, in der Verwirrung und Verlegenheit ihres Herzens die freundliche Anrede des Fürsten kaum zu beantworten vermochte. Eine tiefe Glut überflammte ihre Wangen, und durch ihr Herz zuckte es wie in schmerzhafter Ahnung nahender Kämpfe, drohenden Unheils.
In den dunklen Augen des Herzogs leuchtete es überrascht auf. Mit raschem, forschendem Blick überflog er die
schlanke, liebliche Mädchengestalt, und bewundernd blieb sein Auge an dem reizvollen Antlitz Elftes hängen.
„Wahrhaftig, meine gnädige Frau," wandte er sich dann lächelnd zur Baronin, „wenn das musikalische Talent Ihres Schützlings ihrer Schönheit entspricht, dann sind Sie glücklich zu preisen, das Wunderkind entdeckt zu haben."
Ein mißbilligenderZug zeigte sich auf dem vornehmen Antlitz der Baronin. Sie kannte des jungen Fürsten leicht entflammendes Herz, und eine Empfindung leichter Reue schlich sich in ihre Seele, daß sie Elsie jetzt schon in die Oeffentlich- keit eingeführt.
Sie wollte erwidern, daß Elsie noch ein Kind sei, daß Seine Hoheit nicht zu hohe Ansprüche stellen dürften, doch der lebhafte Fürst wandte sich bereits anderen Herren und Damen der Gesellschaft zu, sie mit freundlichen Worten begrüßend.
Die erste Gesellschaft der kleinen Residenz war in dem Salon Frau von Hanneckens versammelt. Die Gräfin von Bittenfeld, die Oberhofmeisterin Ihrer Hoheit der Herzogin- Witwe, stellte dem Herzog einige ihm noch unbekannte Damen vor, Gattinnen und Töchter von Offizieren und höheren Beamten. Der Herzog erkundigte sich nach dem Befinden seiner Mutter und meinte lachend: „Excellenz sind wohl als Berichterstatterin hierhergesandt."
„Ihre Hoheit interessieren sich allerdings lebhaft für Musik," erwiderte die Gräfin würdevoll.
Doch der Herzog hörte nicht mehr, er trat auf den Oberstjägermetster zu: „Wie ist's, lieber Trautenstein!" rief er, „wann werden wir die erste große Jagd auf Schwarzwild halten können?"
Oberstjägermeister von Trautenstein berichtete über die Jagdaussichten in etwas breiter Weise. Ungeduldig flog das dunkle Auge des Fürsten durch die Gesellschaft, cs suchte die liebliche Erscheinung Elftes, die bereits am Flügel stand, der Aufforderung zum Beginn des Spiels wartend.
Ihr Blick war den Bewegungen des Herzogs gefolgt- mit magnetischer Gewalt zog es ihr Auge stets wieder zu dem Fürsten und jetzt trafen sich ihre Blicke und in den dunklen Augen des Herzogs flammte es auf.
Er trat, ohne den Bericht des Oberstjägermeisters zu Ende zu hören, auf Frau von Hannecken zu: „Wollen wir beginnen, gnädige Frau?" sprach er auffordernd.
Die Baronin verbeugte sich. Der Herzog bot ihr den Arm und führte sie auf ihren Platz, sich selbst neben ihr niederlassend. Herr von Hannecken gab das Zeichen zum Beginn des Konzerts und das berühmte Streichquartett der herzoglichen Hofkapelle begann zu spielen.
Der Herzog schien zerstreut dem meisterhaften Spiel zu lauschen. Sein Auge blickte sinnend in die Weite, dann schweifte er mit träumerischem Ausdruck zu der blonden Mädchengestalt am Flügel hinüber, um seine Lippen spielte ein weiches Lächeln, in seinen Augen ruhte ein träumerischer Glanz.
Als das Streichquartett geendigt, blieb er eine Weile in der sinnenden Stellung sitzen- er schien das Ende des Spiels kaum bemerkt zu haben. Plötzlich schrak er leicht empor, dann klatschte er lebhaft in die Hände und sagte der Baronin einige dankende Worte für den herrlichen Genuß.
„Nun möchte ich aber unser Wunderkind hören," fuhr er lächelnd fort. „Ich bin wirklich auf's höchste gespannt."
Elsie nahm an dem Flügel Platz. Sie zitterte heftig - ein Nebel schien sich auf sie ntederzusenken und die Umgebung ringsum einzuhüllen.
General von Hannecken flüsterte ihr einige ermunternde Worte zu. Ihr Stolz erwachte, sie raffte sich empor und mit sicherem Anschlag begann sie die Chopm'sche „Fantaisie.“
Sie berauschte und begeisterte sich selbst an dem Meer von Tönen, das sie umwogte. Das Bangen und Sehnen ihres Herzens, das Jauchzen und das Glück ihrer Seele, die stürmische Lebenslust, die Zukunftsfreudigkeit, die tiefe, künstlerische Begeisterung ihres ganzen Wesens sprach sich in den


