Nachdruck verboten.

Die Armenhausprinzessin.

Roman von O. Elster.

(Fortsetzung.)

Eine tiefe Glut flammte in Elsies Wangen empor. Hastig entzog sie ihm die Hand und wandte sich ab. Aber Hans Heinrich ließ sich nicht so leicht verblüffen.

Zürnen Sie mir, Elsie," flüsterte er leidenschaftlich, daß ich von Ihrer Schönheit, Ihrer Anmut ergriffen, hingerisfen bin? Dann müssen Sie aller Welt zürnen"

Sie dürfen solche Worte nicht sprechen Sie wissen, daß ich sie nicht hören darf!"

Elsie hatte sich ihm wieder zugewandt, richtete sich straff empor und blickte den Rittmeister mit zornig flammenden Augen an. Mit dem ersten Tage, da Hans Heinrich heim­gekehrt war, verfolgte er Elsie mit seinen Galanterien. Die frische Schönheit des Mädchens, ihre anmutige Natürlichkeit setzten sein Herz in Flammen/ der Stolz, den sie ihm ent­gegenbrachte, reizte ihn, den Widerstand Elsies zu brechen, ihre Liebe zu gewinnen. Auf der glänzenden Oberfläche des Lebens tändelnd, hatte er den Ernst einer großen Leiden­schaft nicht kennen gelernt/ er hatte leichte Siege erfochten, er glaubte auch hier leicht siegen zu können. An das Ende, an die Gefahr dachte er nicht. Wie er den Ernst des Lebens, der Liebe und Leidenschaft nicht kannte, so glaubte er auch bei anderen nicht an denselben.

Erstaunt blickte er jetzt deshalb in das zürnende Auge Elsies. Ein spöttisches Lächeln zuckte um seine Lippen.

Wer will es mir verwehren, so zu sprechen, Schön- Elsie?" fragte er belustigt.

Ich werde es thun!"

Sie? Da wäre ich neugierig!"

Ich verbiete Ihnen eine Sprache, die auf ein Gefühl in Ihrem Herzen schließen läßt, welches nicht darin wohnt, nicht darin wohnen darf."

Und wenn ich Sie versichere, daß dieses Gefühl darin wohnt?"

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>er Glaube ist ein häuslich, heimlich Kapital, rote es öffentliche Spar- und Hilfskaffen gießt, rooraus man in Tagen der Not einzelnen ihr Bedürfnis reicht; hier nimmt der Gläubige sich seine Zinsen im stillen von selbst. Göthe

Herr Rittmeister!"

Schön-Elsie?'

Wiffen Sie, wie man mich in meiner Heimat nannte? die Armenhaus-Prinzessin! Hätten Sie den Mut, einer Armenhaus-Prinzessin Ihre Hand zu reichen?

Ah so ist es gemeint! Sehe einer die kleine Ehrgeizige an!"

Wenn Ihre Worte von Liebe einen anderen Sinn haben, Herr Rittmeister," versetzte Elsie stolz,dann be­leidigen Sie mich und ich muß den Schutz Ihrer Frau Mama in Anspruch nehmen."

Alle Wetter, Sie sind ein stolzes, kleines Mädchen! Na, lassen Sie uns wieder Frieden schließen, es war jeden­falls nicht bös gemeint. Aber einen guten Rat will ich Ihnen geben, Elsie. Legen Sie die Worte, welche man zu Ihnen spricht, nicht zu sehr auf die Goldwage, namentlich nicht bei Hoheit. Sie würden sich die Gunst des hohen Herrn verscherzen und wer weiß vielleicht Ihre Zukunft auf das Spiel setzen."

Er wandte sich rasch um, ohne eine Antwort abzuwarten, und eilte seiner Mutter entgegen, welche in diesem Augenblick den Salon betrat.

Ich bringe Dir eine freudige Nachricht, Mama," sagte er, ihr ehrerbietig die Hand küssend.Hoheit will heute Abend Deine Soiree besuchen, um Deinen Schützling singen zu hören."

Ich hörte es schon von der Gräfin Bittenfeld, der Oberhofmeisterin der Herzogin-Witwe," entgegnete Frau von Hannecken mit einem gewissen Stolz.Ich denke, wir werden Hoheit eine angenehme Ueberraschung bereiten"

Das glaube ich auch," lachte Hans Heinrich.

Die Baronin wandte sich an Elsie.Gehen Sie auf Ihr Zimmer, Elsie. Sie müssen Ihre Toilette für heute Abend etwas ändern, ich sende Ihnen mein Kammermädchen, um Ihnen zu helfen. Mut, Mut, mein Kind," fuhr sie lächelnd fort, als sie das erschreckte Gesicht Elsies erblickte. Der heutige Abend entscheidet über Ihre Zukunft."

Sie streichelte zärtlich die glühenden Wangen Elsies und entließ sie mit einem flüchtigen Kuß auf die Stirn. Höflich öffnete Hans Heinrich dem jungen Mädchen die Thür, ihr einige leise Worte der Ermunterung zuflüsternd. Dann kehrte er zur Baronin zurück.

Was beabsichtigt Ihr eigentlich mit diesem wilden Reis unseres Stammes, Mama?" fragte er lachend.

Wir werden Elfte zu einer tüchtigen Künstlerin heran­bilden lassen. Noch ein Jahr soll sie hier bleiben, dann mag