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brannte in meinem Herzen,- die Erinnerung an alle Angst und Sorge, die ich für sie ausgestanden hatte, stürmte auf mich ein, — und jetzt war es erreicht, — jetzt war sie sicher, und die Brigg ihr Eigentum! Eine schreckliche Zeit der Gefahr lag hinter ihr; unverletzt, unbeschimpft und so frei von allem Schaden ging sie daraus hervor, als wenn die Kajüte, die sie bewohnt hatte, ihre geliebte kentische Heimat gewesen wäre. Alle diese Gedanken und Gemütsbewegungen drangen mit Macht auf mich ein und raubten mir einen Augenblick die Sprache. Ich reichte ihr meine Hand und sie nahm sie- aber mein Schweigen mißverstehend, fragte sie mit ersticktem Flüstern: „Ist Ihr Plan mißlungen?"
„Nein!" rief ich, „Gott sei Dank! Alle Sorgen sind vorüber, — Sie find sicher und geborgen, — die Brigg segelt nach Haus!"
Sie that einen Freudenschrei. Ihr Entzücken über die Nachricht sprach aus der flammenden Röte, die ihr Gesicht bedeckte. Sie ließ meine Hand los, lehnte ihr Köpfchen an meine Brust und rief mit ihrer wunderbar lieblichen Stimme:
„Nach Haus, nach Haus, endlich nach Haus!"
„Sie haben Vertrauen zu mir gehabt, und ich habe es nicht getäuscht", antwortete ich, indem ich auf ihr schönes Haar niederblickte und mit der Versuchung kämpfte, es zu streicheln- da aber auf einmal begannen meine Kniee unter mir zu zittern, und ich sank nieder auf den Kasten neben der Thür. Meine Hand an die Stirn pressend, mußte ich alle meine Kraft zusammennehmen, um das plötzliche Gefühl des Schwindels und der Schwäche zu bemeistern, welches mich zu überwältigen drohte.
„Sie haben sich zuviel zugemutet", hörte ich sie sagen- dann verließ sie mich schnell, kam aber gleich wieder zurück und hielt mir ein Glas Branntwein an die Lippen. Der stärkende Trank war gerade, was ich bedurfte. Ich dankte ihr und küßte die Hand, die sie ausstreckte, um das Glas wieder in Empfang zu nehmen.
Nunmehr holte sie ihr Kopfkissen, legte es auf den Kasten und bat mich, mich niederzulegen.
„Ich habe etwas aromatischen Essig", sagte sie, „und werde Ihren Kopf damit baden. Ich werde Sie bald wieder gesund machen. Sie haben so lange, lange Zeit für mich gesorgt, — nun bin ich an der Reihe".
Alle ihre Neugier zu hören, was geschehen, war vorüber oder wurde unterdrückt- sie hielt mich für krank, und zum erstenmal erkannte ich an dem erschreckten, angstvollen Blick, mit dem sie mich ansah, daß meine Liebe erwidert wurde.
Ihr, die ihr das lest und an das Langboot und seine Besatzung von Meuterern denkt, an die fragliche Treue der beiden, auf der Brigg verbliebenen Leute und an die Schwierigkeiten, die meinem Unternehmen entgegenstanden, diese Brigg von dreihundert Tonnen mit nur drei Männern und einem Knaben in den Hafen zu führen, — ihr werdet denken, daß dies richt der richtige Moment war, eine Liebeserklärung zu machen- aber ich konnte dem Zauber nicht widerstehen, der mich ergriffen hatte. Sie stand bei mir und sah mit sinnenden Augen zu mir nieder.
Mit meinen beiden Händen faßte ich ihre Hand.
„Sie sollten mein Anteil des Schatzes sein, kleine Lulu, wenn wir die Insel erreichten und das Gold gefunden wurde", flüsterte ich ihr zu. „Wir haben die Insel erreicht, aber da ist kein Gold und die Leute sind enttäuscht. Ist auch mein Anteil Täuschung? — oder habe ich meinen Schatz gefunden? — darf ich ihn nehmen, darf ich ihn behalten, den mein Herz schon solange ersehnt?"
„Ich gehörte schon Ihnen, lange bevor die Leute mich Ihnen zusprachen", sagte sie.
Und was dann geschah? — Ich will es euch in einem Satz erzählen: sie lag in meinen Armen und meine Lippen waren auf die ihren gepreßt. Ich hatte sie gewonnen und sie schien glücklich, daß sie mein eigen war.
„Nun aber fröhlich an die Arbeit, mein Liebling!" sagie ich, ihre Hand haltend, und führte sie aus der Kajüte auf das Deck.
(Fortsetzung folgt.)
Neid und Karten.
Es wird ost in Gartenbüchern angegeben, daß man, um von Gemüse immer Folgefrüchte zu haben, nach so und so viel Tagen wieder aussäen soll, z. B. heißt es bei Erbseu: alle 14 Tage aussäen, um immer Ersatz zu haben. Das ist falsch, es läßt sich keine Norm aufstellen, weil sich alles nach dem Wetter richtet. Da kommt mein Ratschlag dem Zweck näher und der ist, nicht früher neu auszusäen, als bis die vorhergehende Aussaat 6 bis 8 Zentimeter hoch ist, ob nun 14 Tage oder 5 Wochen dazwischen liegen. Man thut nebenbei gewiß gut, die Aussaaten von der zweiten ab vorher einzuquellen, d. h. die Saaterbsen 24 Stunden im Wasser liegen zu lassen.
Zwei gute Raseu-iingee sind Ofenruß und Seifenwasser. Den Ofenruß giebt man in einen großen Sack, beschwert ihn und schüttet das Seifenwasser darüber. Nachdem das Wasser sich dunkel gefärbt hat, was nach mehreren Tagen oder Wochen der Fall sein wird, ist es zum Gießen verwendbar. Die günstige Wirkung ist eine auffällige. Auch das Waschwasser von der großen Hauswäsche kann verwendet werden, wenn nicht Chlorkalk bei der Wäsche gebraucht wurde.
Schluökeu. Schlacken werden dort, wo Steinkohlen gefeuert werden, oft zur großen Last- man kann dieselben vorzüglich zur Verbesserung der Wege im Garten benutzen. Sie werden 10 bis 15 Zentimeter stark in sanfter Wölbung von der Mitte nach den Seiten aufgebracht, angefeuchtet und festgewalzt. Die Masse verbindet sich, wenn nachher etwas Sand darüber geschüttet wird, ziemlich fest und man hat das Vergnügen, auch nach starkem Regen trocken durch den Garten gehen zu können.
ZSl«me«pflege.
Rosa rubiginosa. (Die schottische Zaun- rose.) Wenn auch die schottische Zaunrose hinsichtlich ihres blumistischen Wertes nicht im entferntesten unsere schönen, beliebten Gartenrosen erreicht, so ist sie doch in vielen Gartenanlagen recht zweckmäßig zu verwerten. Sie wird zur Herstellung ganzer Heckenanlagen sehr gern verwendet. Auf den laufenden Meter gebraucht^man ungefähr sechs bis acht Pflanzen.
Zur Kultur der gefüllte« Nachtviole. Die Nachtviole liebt einen mehr kühlen als trockenen und sonnigen Standort und ist, wenn sie diesen erhält, nicht besonders wählerisch mit den Bodenarten, doch sagt ihr ein Lehmboden besonders zu, wo sie dann auch im vollen Sonnenschein noch recht gut gedeiht. Das Verpflanzen kann im Frühjahr, Sommer und Herbst geschehen. Pflanzt man im Frühjahr, so schreite man hierzu schon im März, wenn möglich schon im Februar, denn von einem frühzeitigen Verpflanzen hängt das schönere Blühen mit ab. Die Nachtviolen werden am besten alle zwei Jahre einmal zerteilt und umgepflanzt. Bleiben sie länger stehen, so werden die Wurzeln leicht hohl und die Pflanzen gehen zu Grunde. Auch soll man sie beim Umpflanzen so viel als möglich nicht wieder auf den alten Standort bringen, sondern ihr diesmal einen neuen anweisen, sie wird so viel schöner.
-iedaktion: L. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckcrei (Pietsch Erben) in Gieße».


