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vergieb! o vergieb! Glaube mir, ich konnte nicht anders — ich mußte nach Gelbe frein, und ob das Herz blutet — ich liebe Dich, noch heute Dich, nur Dich!"
Lieselotte stieß einen Zornruf aus: Bernd Wiedenhahn, der Treulose, der Mann der anderen, wollte sie umarmen. Aber da stand plötzlich ein Helfer an ihrer Seite, der seine Hand zwischen sie und den Erregten schob und gelassen sagte: „Wo sind Deine Gedanken, Bernd? Wo ist Deine Frau? — Nur an ihrer Seite darfst Du hier von der alten Freundschaft reden, die sich immer und ewig unter der Linde die Hände reicht."
Dabei ergriff Ewald Bernds Hand, führte ihn an seinen Feldrain und fügte dort leise hinzu: „Nimm Dich zusammen, Bernd, geh heim, und wenn Du mit der andern kommst, wirst Du uns willkommen sein, unsre Kinderfreundschaft soll nicht an dieser jähen Glut zerschmelzen."
Bernd stöhnte, preßte Ewalds Hand zusammen und ging hastig seinen Rain entlang.
Ewald wandte sich um — Lieselotte starrte zu ihm hin — als er sie ansah, schlug sie die Hände vors Gesicht und brach in fassungsloses Weinen aus.
„Lieselotte!" rief er, und sein dunkles Gesicht wurde blaß. „Warum weinst Du?"
Sie schluchzte weiter.
„Lieselotte, — ich bitte Dich, — weinst Du, weil — weil Du nicht — reich genug bist?"
Sie ließ die Hände sinken und sah ihn verständnislos an, erst an seinem Blick begriff sie, was er gemeint hatte, schluchzte noch einmal auf, schüttelte aber auch den blonden Kopf.
„Lieselotte, warum weinst Du?"
„Weil — ich weiß nicht — Du verachtest mich — Du mußt mich verachten — Du hattest recht — ich war eine Närrin."
„Lieselotte, ich Dich verachten! Ich hab Dich doch lieb, Lieselotte! Und Du hast mich auch lieb — mich, nicht den thörichten Bernd; ich weiß es ganz genau. Du bist ja gar nicht traurig gewesen über seine Untreue, gesungen hast Du wie eine Heidelerche in den Tagen, wo die Nachricht von seiner Verlobung kam — unsre alte Marlies hat mir fleißig geschrieben, Lieselotte, und immer nur von Dir. — Als sie mir aber das schrieb von Deinem Singen und Deiner gleichmäßigen Fröhlichkeit, da wurde auch mein Herz froh, und ich rüstete mich zur Heimkehr. Hab ich mich geirrt, Lieselotte?"
„Nein", sagte sie leise, und sie küßten sich zwischen den Aehren.
platzen, und der Gegensatz der Meinungen und Ansichten kann, sein kann, bestrebt sein muß, seine Lieben mit sich in der Wahrheit zu verbinden. — Es sieht so ruhig und glücklich aus, wenn die Glieder einer Familie sich gar nicht darum kümmern, welche verschiedenen Meinungen und Ueberzeugungen je wichtiger ihr Gebiet ist, demjenigen um so weniger gleichgültig sein, der im Glauben an die Wahrheit, die nur eine ein jedes hat, und doch ist es ein schlimmes Zeichen für den Mangel an Leben und Gemeinschaft. Dagegen erscheint es den erwachsenden Kindern oft recht unnütz und lästig, daß sich Vater oder Mutter oder ältere Geschwister um ihre Meinungen kümmern und sie in ernsten Gesprächen zurechtzubringen suchen, aber, wohl den Kindern, die diese Liebe erfahren und die Erinnerung an Eltern behalten haben, denen es ein heißes Interesse der Herzens war, mit ihnen in der Wahrheit verbunden zu sein.
Die Gleichgültigkeit und Faulheit ist wahrlich verbreitet genug und bringt trotz aller äußerlichen Geschäftigkeit und noch so fieberhaften Beweglichkeit Tod und Verwesung über die menschliche Gesellschaft, und so unbequem der Kampf und Streit auch ist, so wenig angenehm als „Hecht im Karpfenteich", so ein Mensch sein mag, der seine Ueberzeugung ernstlich verficht und seine Mitmenschen, zunächst seine Lieben und Freunde, für fie zu gewinnen sucht, solche Leute find doch, selbst wenn sie irren, das Salz, das ihren Kreis davor bewahrt, zu „versumpfen" und zu „versimpeln".
Und doch giebt es eine Grenze für den Anspruch auf Verständnis. Gerade in der wahren Liebe liegt diese Grenze. Der Vater int Gleichnis vom „verlorenen Sohn" läßt diesen seine Wege gehen, obwohl er ihn hätte zwingen können zu bleiben, warum? Weil alle wahre Verständigung und Gemeinschaft in der Wahrheit keinerlei Zwang verträgt. Wei! Gott die Wahrheit ist und die Wahrheit Gott, so kann nur sein Geist zur Wahrheit führen, und Gottes Reich und Geist kommt nicht mit äußerlichen Gebärden, nicht mit den Mitteln der Ueberredungskunst und auch nicht mit der Gewalt der Autorität. Auch der kleinste Mensch hat das Recht eignen Lebens und selbständiger Erfahrung und ist von Gott wert geachtet, Ihn im Wege freier innerer Entschließung zu finden und zu erleben. Darum, glückt uns der ernstliche Versuch der Liebe, Verständnis für unsere Ueberzeugung zu finden bezw. uns zu verständigen, nicht, dann die Hand weg und das wunde Herz mit seiner Liebessorge betend in Gottes Hände gelegt, der auch „verlorene Söhne" zurückbringen kann, wenn ihre Stunde geschlagen hat, wie viel mehr alle Aufrichtigen einst und ewig zusammenbringen wird! V. R.
Der Anspruch auf Verständnis und seine Grenzen.
Mit denen, die man lieb hat, möchte man sich auch verstehen, das ist ein natürlicher und berechtigter Anspruch des Herzens. Auf diesen Anspruch schnell verzichten, ist keine Tugend und verrät keine Kraft, sondern einen Mangel wahrer Liebe.
Es gilt ja freilich bei vielen für besonders gebildet und fein, daß man ohne jeden Anstoß mit seinen Mitmenschen zu verkehren und die „Unterhaltung", die „Konversation" so einzurichten versteht, daß man die Gegensätze vermeidet, daß niemand erregt und kein Widerspruch wachgerufen wird.
Das mag für eine „Unterhaltung" taugen, die statt Schlummerstündchen nach Tisch ihre Dienste thun oder ein mehr oder weniger anständiger Zeitvertreib sein soll. Wo. man aber weder in höfischer noch in spielender, sondern in ernster und aufrichtiger Weise seine Ueberzeugungen austauscht, da kann es nickt fehlen, daß die Geister aufeinander
Magisches Dreieck.
Nachdruck verboten.
In die Felder nebenstehender j 7 7 Figur sind die Buchstaben a a a a
!___! I____ a, c c, o, p, r r r r, s s derart
einzugtragen, daß die einander entsprechenden wagrechten und senk-
—- rechten Reihen gleichstehend Fol
gendes ergeben:
1. Männlichen Vornamen.
2. Einen Fluß.
3. Geographische Bezeichnung.
4. Ein Flächenmaß.
5. Einen Buchstaben.
Auflösung in nach st er Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Glänzendes Elend.
Redaktion: $. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'scken UniSrrfitLtH-Buch. und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen..


