1899

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ie Religion ist die goldene Kette, welche den Erdball am Throne

des Ewigen festhält.

Jean Paul.

die Erwägung ausgefüllt, was man in einem solchen Kalle thun oder nicht thun würde.

Inzwischen mußte Hans Helldorf erfahren, daß man auch im Besitz- eines großen Reichtums sich nicht alles ver­schaffen kann, was das Herz ersehnt und begehrt.

(Nachdruck Detbolen.,

Schuldig.

Erzählung von F. Arnefeldt.

(Fortsetzung.)

Nicht immer gab Ernst Sommer sich dieser trostlosen Stimmung hin, er war dazu doch zu gesund und seiner ganzen Anlage nach weit mehr zum Optimismus als zum Pessimis­mus geneigt. Dann ging er mit sich zu Rate, ob er nicht die richterliche Laufbahn, die er in Aussicht genommen, auf­geben und Rechtsanwalt werden sollte, wodurch er es schneller zu einem größeren und gesicherten Einkommen bringen könne. Auch trug er sich noch immer mit der Hoffnung, die Diebe könnten endlich entdeckt und wenigstens ein Teil des geraubten Gutes wieder herbeigeschafft werden. Er ließ es auch nicht bet dieser Hoffnung und dem Wunsche bewenden, sondern be­trieb mit Eifer und Geschick die Nachforschungen, wenn auch ohne den geringsten Erfolg.

Daneben, und ohne daß er seine Thätigkeit beim Kammer­gericht vernachlässigen durfte, lag ihm zum allergrößten Teile die Abwickelung der Geschäfte seines Vaters ob- bevor dies geschehen und die Lage des kranken Mannes, wie seiner Tochter zu übersehen war, konnte der Sohn und Bruder nicht an eine Gestaltung des eigenen Geschickes denken.

Ernst Sommer hätte den auf ihn einstürmenden ver­schiedenartigen Anforderungen nicht genügen können, hätte ihm Hans Helldorf nicht in aufopfernder Weise zur Seite gestanden. Manche Stunde, die der junge Bankier, der nicht nur ein enthusiastischer Kunstfreund, sondern auch ein recht anerkennenswerter Dilettant war, vor seiner Staffelei oder am Klavier zugebracht haben würde, saß er jetzt schreibend und rechnend im Sommerschen Kontor, und die Angestellten, die er dann und wann zu Hilfe rief, hatten stets seine Umsicht und seine Geschäftskenntnis zu bewundern.

Der junge Helldorf ist doch eingefuchst, als wenn er sein täglich Brot als Buchhalter oder Kassierer erwerben müßte!" sagte dann wohl einer zum andern.

Wenn ich dessen Millionen hätte! lautete die Antwort, und die darauf entstehende Pause ward stillschweigend durch

V.

Sobald es sich herausgestellt, daß die Familie Sommer durch den Diebstahl in eine sehr ungünstige Vermögenslage geraten war, hatte Hans Helldorf, der obwohl er täglich in das Haus kam, Aurelie verhältnismäßig nur wenig zu sehen bekam, eine Unterredung mit ihr gesucht oder gewissermaßen erzwungen und dieselbe mit dem Borwurf begonnen, daß es den Anschein habe, als ob sie sich ihm gefliffentlich entziehe.

Das junge Mädchen ward bei diesen Worten sichtlich verlegen, entschuldigte sich aber mit der jetzt auf ihr ruhenden großen Arbeitslast. Sie hatte einen Teil des Hauswesens zu besorgen, da sie das zweite Mädchen entlassen und nur die alte Sophie zurückbehalten hatte, auch erfordere der Zustand des Vaters ihre unausgesetzte Aufmerksamkeit und Pflege.

Das mag alles sein, trotzdem könntest Du wohl dann und wann ein halbes Stündchen für mich übrig haben", sagte er traurig,denkst Du meiner denn gar nicht mehr?"

O, Hans!" rief sie, und Thränen traten in ihr schönes Auge.

Er legte den Arm um ihren Nacken, küßte ihr die Thränen aus den Augen und sagte ernst und eindringlich: Aurelie, Dein Vater, Dein natürlicher Beschützer, ist schwach und krank- wäre es da nicht an der Zeit, daß ich an seine Stelle träte?"

Sie machte sich von ihm los, trat einen Schritt zurück, schaute ihn aus weit geöffneten Augen groß und verwundert an und rief:

Wie meinst Du das, Hans? Ich verstehe Dich nicht!"

Er zog sie wieder an sich, legte seinen Arm um ihre Schulter, beugte seinen Kopf, so daß sein Mund ihr reizend geformtes kleines Ohr ganz nahe berührte und flüsterte:

Ich dächte doch, das wäre sehr einfach".

Sie schüttelte leise den Kopf.

Wir vollziehen unsere Verbindung so schnell wie möglich!" fügte er hinzu.

Erschrocken fuhr sie auf:Was fällt Dir ein? Wäre jetzt wohl die Zeit an Verlobung und Hochzeit zu denken?" Nur an die letztere, Liebchen", flüsterte er ihr wieder zärtlich ins Ohr.Wir begehen sie in aller Stille, damit