1899.

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re schlimmsten Schmerzen sind auf Erden, Die ausgeweint und ausgeschwiegen werden.

Badenstedt.

Selig, wem die Thräne rinnt, Dicht wie Regentropfen fallen, Ungeweinte ThrLnen sind Wohl die schmerzlichsten von allen.

Prutz.

sNachdruck verbotm.j

Gesühnte Schuld.

Roman von Alexander Römer.

(Fortsetzring.)

Heinz war aufgestanden und trat an ihre Seite, als sie über den Flur schritt.Nun, war er da?" raunte er,ich habe es richtig bestellt und mußte lachen, als Mutter so jammerte über Dein spätes Kommen."

Toller Junge! Wirst Du den Mund halten!" stieß Mathilde hervor.

Heinz, der Fünfzehnjährige, war postillon damour, von Albert zuerst dazu gedungen, der dem aufegweckten, aber geriebenen Jungen allerlei Näschereien, auch schon Zigarren zusteckte. Mathilde waren diese Dinge lange gründlich un­angenehm, ihr Gewissen plagte sie. Heinz wurde durch die Heimlichkeit verdorben und nahm sich auch viel kecke Freiheiten gegen sie heraus, sie schwebte in einer beständigen Todesangst. Sie wollte ihm nichts weiter bekennen und faßte hastig den Griff der gegenüberliegenden Thür, aus der Klaviersptel ertönte.

Sie trat in die andere, sogenannte Wohnstube, die aber eigentlich nur Putzstube war. Hier stand der wirklich kost­bare Flügel, der vor ein paar Jahren angeschafft worden, aber erst zur Hälfte bezahlt war. Die andere Hälfte war vom Onkel, dem Bruder der Mutter, erbettelt worden, wie Mathilde eS nannte. Sie haßte im Herzen diese reichen Verwandten. Der Onkel, der Kommerzienrat Kunze, besaß eine Wollspinnerei und war sehr reich. Er könnte sie aus all ihrer Not erlösen, meinte sie bei sich, aber seine Unter­stützungen wurden sorgsam abgemessen.

Die Frau Tante, welche in dem kleinen Fabrikort ihre Rolle spielte, schrieb lehrhafte Briefe und schickte ihre ab­

gelegten Kleider, oft recht unbrauchbare Fahnen, welche die arme Mutter mit unsäglicher Mühe für sie und die Schwestern zurechtstutzte. Wie quälten sie oft die Scham und der Aerger, in dieser Trödelgarderobe einhergehen zu müssen.

Natürlich aber forderten diese Sendungen noch über­schwenglichen Dank heraus.

Von dem Onkel wußte sie sich gar keine rechte Vor­stellung zu machen, er schrieb fast niemals und ließ die herz­brechenden Klageepisteln seiner Schwester seinerseits unbe­antwortet. Ihr war es schrecklich, daß die Mutter sich zum Betteln erniedrigte und behauptete, daß sie diese jämmerlichen Hilfen nicht entbehren könne.

Der Vater, ein großer, derber Mann mit plumpen Gesichtszügen, saß am Flügel und spielte ein rauschendes Musikstück. Seine harten Hände bearbeiteten die Tasten zum Erbarmen. Es war eine eigene Komposition, welche er spielteFrühling" nannte er sie, mit Sturm und Eis­gang, jetzt folgte lindes Wehen und Säuseln ein Jäger­zug ritt durch den Wald piff! paff! trara! der Vater hatte einen Zuhörer und gab diesem zwischen dem Spiel Erklärungen, er sah und hörte für den Augenblick nichts anderes.

Mathilde kannte diese Situation, sie stand unbeachtet eine ganze Weile in der Thür, der Vater suchte sich öfter einen Hörer, in der Weinstube oder wo es die Gelegenheit bot. Er hatte zwei leidenschaftliche Liebhabereien, seine Kompositionen vorzutragen und seine schöne Tochter zu zeigen, seine schöne Tochter war sein drittes Wort.

Wer war denn dieser Fremde? Sie hatte den Herrn noch nie gesehen ein wetterhartes, charactervolles Gesicht, das man nicht leicht vergaß. Und welch eine athletische Gestalt! Diese schwarzen, über der Nasenwurzel zusammen­gewachsenen Brauen, die gutmütigen, blauen Augen darunter, die kühn gebogene Adlernase, der harte Mund sie war sich gar nicht bewußt, daß sie den Unbekannten so anstarrte, bis er sich endlich voll zu ihr wandte und, sie bemerkend, sich erhob.

Der Vater war zu Ende und nickte ihr zu.Sieh, kommst Du endlich?" sagte er;hier Mr. White, Amerikaner, weitgereifter Herr, Kenner von allem Schönen, von schönen Pferden und von schönen Weibern, auch der edlen Musika, er will Dich heut Abend im Konzert hören, hab' ihm schon von Dir gesprochen."

Mathilde verneigte sich kühl/ sie war des Vater Reden gewohnt, aber sie quälten sie immer noch. An wen erinnerte sie nur dieser Fremde? Sie konnte es nicht finden, und