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ihres Herzens erloschen war. Sie erhob sich und folgte Charlotte zu deren krankem Vater.

Der Konsul lag still in den weißen Kissen und schien zu schlafen. Seine Tochter bog sich leise über ihn, da öffnete er die Augen, oie zuerst wie traumverloren auf Charlottens Gesicht ruhten und, als diese zurücktrat, an Renaten haften blieben, die sich leise näherte. Sie hatte den Hut abge­nommen und das Haar von der Stirn gestrichen, ihre ernsten, dunklen Augen begegneten ruhig den seinen, die immer starrer wurden, bis sie einen erschreckten Ausdruck annahmen. Seine Hand hob sich abwehrend, und dumpf aber deutlich stieß er Gylfen" hervor. Unruhig warf er sich herum, während Renata mit banger Frage zu Charlotte hinüber sah. Diese schüttelte ratlos den Kopf, aber ihre Augen hingen wie ver­loren an den Zügen des jungen Mädchens.

Ich störe nur," sagte Renata, traurig sich erhebend, laffen Sie mich gehen."

Sie setzte den Hut auf, und Charlotte hinderte sie nicht, so leid es ihr that. Als das junge Mädchen sich mit leisen Worten verabschiedete, drehte der Kranke plötzlich das Gesicht den beiden zu. Seine Augen waren vollkommen klar und ein freundlicher Strahl brach daraus hervor. Charlotte winkte Renaten, und diese trat an das Bett. Seine schmale Hand streckte sich ihr schwach entgegen, und sie legte schnell die ihre hinein.Nicht wahr, es ist die Kleine, der kleine David mit dem Harfenspiel," sagte er mit milder Stimme.

Ja, lieber Vater, Renata wollte Dich gern sehen," er­widerte Charlotte erfreut.

Er nickte befriedigt:So bleiben Sie bei mir, wenn es Ihnen nicht zu trübe ist, mit dem alten, kranken Mann zusammen zu sein."

Ich bleibe gern, Herr Konsul," sagte Renata warm und ließ sich an seinem Bette nieder. Er blickte still vor sich hin, immer noch ihre Hand in der seinen.

Soll ich Ihnen vorlesen?" fragte Renata nach einer Weile etwas zaghaft.

Vorlesen? Wohl aus der Bibel wie Charlotte," er­widerte er mit geringschätzigem Lächeln,Kinderglaube, den ich auch gehabt- er hat mir nichts genützt, und hat auch die andern, die ihm anhingen, nicht bewahrt vor großer, schwerer Sünde." Er legte den weißen Kopf tiefer in das Kissen und starrte nach der Decke.

Ja wohl," sprach der Kranke dann weiter,ich nehme die Last, die mich so lange, lange drückt, mit ms Grab. Und es heißt, Gott ist gerecht, er sucht die Sünden der Väter heim bis ins dritte und vierte Glied, so stehts auch da drinnen," er wies nach der Bibel,aber sind sie gerichtet, oder bin ich allein so elend?" Er blickte die bleiche Renata an, als sollte sie ihm Antwort geben.

Und wenn Gott sie gerichtet hat nach Verdienst?" fragte sie leise.

Dann will ich sterben, dann ist mein Herzenssohn gerächt?" Der Konsul stieß es hervor mit blitzenden Augen.

Und Sie können in Frieden vor Gott treten?" Renatens Stimme zitterte- ach, ihr war so bange.

Frieden, Frieden, was ist Frieden!" erwiderte er, unsicher umherschauend.

Frieden ist Vergebung," sagte Renata sanft.

Vergebung! Ich vergeben? Niemals!" Er schlug auf die Bettdecke.Weißt Du, was sie mir angethan?" rief er mit der alten, wilden Heftigkeit.Auge um Auge, Zahn um Zahn. Bin ich elend gewesen, sie sollen es zehnfach sein."

Er sank erschöpft in die Kissen zurück.

Und wenn Sie nun an dieser unvergebenen Sünde zu Grunde gingen, dann hätte Ihre Seele Ruhe in Gott, dem gerechten Richter, der uns vergiebt, so wie wir vergeben?" sagte Renata.

Bist Du von ihnen gesandt?" fuhr der Greis plötzlich auf.

Nein, ich kenne sie nicht und weiß nichts von ihnen- ich weiß nur, daß wir vergeben sollen- die Rache ist mein,

spricht der Herr."Renata sagte es mit wild klopfendem Herzen, aber sanfter Stimme.

Der Kranke schwieg und drehte sich nach der Wand- er schien nicht mehr sprechen zu wollen.

Die Uhr im Nebenzimmer schlug, und Renata erhob sich; es ist schon spät, ich will gehen."

Charlotte, die mit gefalteten Händen gelauscht, folgte jetzt der leise sich Entfernenden.

Gott segne Sie," sagte sie bewegt,ach vielleicht ist doch ein Funken in seine Seele gefallen."

Frau Falkner kehrte ins Krankenzimmer zurück, und Renata richtete ihre Schritte noch einmal nach dem Wohnzimmer in der Hoffnung, Frida dort zu finden. Diese saß auch wirklich am Fenster, scheinbar mit einer Arbeit beschäftigt, und sah der Eintretenden flüchtig mit gleichgültig-kaltem Ausdruck entgegen.

Entschlossen ging Renata auf sie zu.Frida," begann sie mit ernster Freundlichkeit,sage mir, was Du gegen mich hast- ich grüble vergebens über den Grund Deines rätsel­haften Wesens/'

Frida blickte zum Fenster hinaus und antwortete nicht.

Sprich, Frida," drängte Renata,ich ertrage das nicht länger, mache mich nicht trauriger, als ich schon bin."

In Fridas Augen leuchtete es finster auf.

Du traurig, Du?" brach sie mit hohnvoller Bitterkeit hervor,ich möchte wissen, wodurch und warum."

Sie zog die Schultern hoch und wendete das Geficht ab.

Frida, hast Du denn ein Herz?" rief Renata außer sich,weißt Du es nicht, muß ich Dir erst sagen, wie ich mit Euch leide, wie ich" ihre Herzensnot machte sich in einem Thränenftrome Luft.

Frida blickte scheu auf sie, die ihr jetzt gleichfalls rätsel­haft war. Sie drehte nervös ihre Finger um einander und sagte zögernd:

Das wird Dich Dein sonstiges Glück nicht vergessen laffen."

Mein sonstiges Glück?"

Renata ließ die Hände sinken und starrte das blonde Mädchen an:

Spottest Du meiner oder redest Du im Fieber? Großer Gott!" sie hob die gefalteten Hände und blickte schmerzlich nach oben.

Im nächsten Augenblick stürzte Frida auf sie zu und umfaßte sie.O Renata, sage es mir, Du bist nicht seine Braut!" schluchzte sie leidenschaftlich auf,sage es mir, ich vergehe!"

Renata machte sich heftig frei, ihr Gesicht war noch bleicher.Ich, Braut, wessen Braut?"

Du weißt es, Renata," klang es hinter Fridas Händen, die sie vors Gesicht gelegt, vom Weinen unterbrochen, hervor, Viktor"

Mit einer heftigen Gebärde warf Renata den Kopf zurück:Das war es, Frida, Du denkst, ich bin BurgboffS Braut?" Sie sagte es beinah zornig mit einem kurzen Auf­lachen:wahrhaftig, ich sehe wohl aus wie eine glückliche Braut, Du thörichtes Mädchen."

Sie kämpfte hart mit furchtbarer innerer Erregung, ihre Stimme klang rauh, als sie fortfuhr:Wie kommst Du darauf?"

Es klang kurz und hart, wie ein Befehl.

Ihr verschwandet an dem Abend beide, und so lange," erwiderte Frida leise,er ging zornig von mir und hatte nur Augen sür Dich."

Und er hatte ein Recht zornig zu sein," fiel Renata streng ein;hüte Dich, Frida, daß Du Dein eigen Glück nicht zerbrichst."

Frida ließ die Hände mit dem Tuche, das sie an die Augen gedrückt, finken und sah finster vor sich hin:Er hat mit Dir gesprochen."

Ja, das that er, es fehlte nicht viel und Dein Lebens-