371

Ja. Ich denke wenigstens, da er nichts Gegen­teiliges geschrieben hat."

Merkwürdig. In einem Briefe, den ich vorhin bei meiner Rückkehr von der Jagd vorfand, beklagt er sich sehr über seine Nerven und jammert über gänzliche Schlaflosigkeit."

Daran leidet er häufig," antwortete Frau Andree ruhig.

@r habe schon alle seine gewohnten Mittel versucht/ aber keines schlage an. Ich habe den Eindruck, daß er sich recht schlecht befinden müsse."

Mir hat er kein Wort darüber geschrieben. Leonhard ist ein Augenblicksmensch, wissen Sie. Und die Karlsbader Kur regt die Patienten gewöhnlich auf. Nicht wahr?"

Ja, häufig. Also Sie reisen nicht hin?"

Nein. Sie denken doch nicht, daß er wirklich krank ist?" fragte sie endlich ein wenig verwundert über sein Drängen.

Ich weiß es nicht. Erst habe ich allerdings etwas dergleichen vermutet, aber er würde es Ihnen gegenüber doch sicher erwähnt haben. Also hoffen wir das Beste." Damit verabschiedete er sich schnell/ flüchtig die Kleinen be­grüßend, die ihm in den Weg liefen und sehr erstaunt waren, daß er ihnen heute so wenig Aufmerksamkeit schenkte.

(Fortsetzung folgt.)

(Nachdruck verboten.)

Die kleine Lulu.

Seeroman von Clark Russell.

(Fortsetzung.)

Sam und der Schöne saßen rauchend zusammen auf der hintersten Duchte und steuerten das Boot. Es segelte ziemlich schnell und hob eine Welle auf jeder Seite. Bald war es außer Anrufsweite. Ich blickte ihm nach, bis die Gesichter der Männer nicht mehr zu erkennen waren/ darauf ging ich zu Banyard und flüsterte ihm zu:

Sagen Sie dem Koch, ich wollte ihn in der Kajüte sprechen, und wenn er kommt, seien Sie dicht auf seinen Fersen".

Süll hei de Jerst sien?"

Ich nickte mit dem Kopf und ging die Kajüte hinunter. Am Tische stehend wartete ich, bis sich des Kochs nackte Füße auf den Stufen der Treppe zeigten/ dann packte ich plötzlich seine Beine und zog ihn nieder. Er schlug beim Fallen so schwer auf die Treppenstufen, daß, wenn er nicht zu verblüfft gewesen wäre, um zu schreien, er auch nicht Atem genug dazu besessen hätte. Den kalten Lauf meines Revolvers an seine Stirn haltend, schwor ich mit der schrecklichsten Stimme und dem drohendsten Aussehen, welches ich mir zu geben vermochte, daß, wenn er sich rühre oder den leisesten Laut von sich gäbe, ich ihn töten würde. Während er bewegunglos dalag, mit gesträubtem Haar und Augen, die ihm vor Schreck halb aus dem Kopf getreten waren, band Banyard sehr ge­lassen, in seiner mürrischen Weise ihm Hände und Füße.

Nun kommt Savings an die Reihe", sagte ich zu Banyard.Wenn ich einige Augenblicke mit ihm gesprochen habe, treten Sie an meine Seite".

Ich stieg auf Deck, und nachdem ich ich einen Blick auf das Boot geworfen hatte, dessen Segel jetzt nur noch einen weißen Fleck bildeten, ging ich zu Savings. Er war ein mittelgroßer Mann mit etwas dummem Gesicht, blaß-blauen Augen und einem roten Bart.

Wie kommt es, daß du nicht im Boot bist?" fragte ich/wollten sie dir nicht trauen?"

Mi trugen? Jk weit nich/ äwer mien Andeil von den Verdienst will ik hebben, üm den lat ik mi nich bedreigen!"

Es ist keinVerdienst" da, wie du es nennst. Ich war gezwungen, euch zu täuschen, um die Leute aus der Brigg zu entfernen/ denn ich will diese euch Meuterern

wieder abnehmen und nach Haus führen. Nieder mit dir, du rebellischer Mordbube!"

Als ich diese Worte hervordonnerte/ trat Banyard hinzu, und noch ehe Savings Zeit hatte, mich zu begreifen, lag er schon unten und ich mit meinem ganzen Gewicht auf ihm. Er schrie und kämpfte wie ein Wahnsinniger, aber während ich auf seiner Brust kniete, fesselte Banyard seine Beine. Darauf band er ihm die Arme und schleppte ihn nach dem Oberlicht, an welches er ihn mit dem Rücken anlehnte.

Der Schiffsjunge Hardh, ein kräftiger Bursche von etwa siebzehn Jahren, stand an der Fallreepstreppe und sah von dort aus zu. Als ich mit Savings fertig war, kam er schnell zu mir.

Mr. Chadburn, ik seih, wat Sei vörhebben, Sir. Jk will Sei helpen", rief er.Jk hew mit de Müderei nicks tau dauhn hadd un will girn arbeiten as en Mann, um dorvon los tau kamen".

So ist's recht, mein Junge", sagte ich.Lauf ans Rad und setze es hart nach Steuerbord über. Banyard", rief ich,wir wollen jetzt die Raaen wenden".

Er kam eilig nach vorn, während Hardh das Rad drehte. Die großen Raaen schwenkten herum, und die Segel füllten sich. Sowie die Brigg in Fahrt kam, fing sie an, vom Winde abzufallen. Nach einigen Minuten befand sich die Insel auf der Backbordseite und wir steuerten nach Osten.

Einundvierzigstes Kapitel.

Mein Anteil.

Dies war der Plan gewesen, den ich mir zur Befreiung Miß Franklins aus den Händen der Meuterer ersonnen hatte. Ich war mehr vom Glück begünstigt worden, als ich zu hoffen gewagt hatte. Wäre kein Wind gewesen, so würde ich einen Vorwand haben erfinden müssen, um die Abfahrt des Bootes in die Länge zu ziehen. Eine Verzögerung von vterundzwanzig Stunden hätte aber, wegen des launenhaften Charakters der Mannschaft oder infolge eines Wetterum­schlags, dem ganzen Unternehmen verhängnisvoll werden können.

Als ich bei dem Oberlicht vorbeiging, in der Absicht, durch das Teleskop nach dem Boot zu sehen, hörte ich den Koch laut nach mir rufen. Ich ging hinunter und sowie er mich sah, flehte er mich an, ihm die Freiheit zu schenken/ er gelobte mit den heiligsten Eiden, er wolle mir treu dienen.

Jk bün noch tau jung, üm für mien ganzes Lewen inspunnt tau werden", weinerte er.Jk bün nich so'n slichten Kierl, üm in ein Fängnis sachten versmachten tau möten, denn ik bün nich schuld daran, bat ik Müderer worden bün. De annern hebben mi kein Rauh nich laten/ sei wiern doch tau vel för mi, un hädd mi jo woll umbröcht, wenn ik mi weigert hädd, de Sak mit tau maken, Sir".

Wenn du ehrlich an mir handeln und mir helfen willst, die Brigg in den Hafen zu bringen, so will ich dich frei lassen. Du hast jetzt Gelegenheit, wieder ein rechtschaffener Kerl zu werden, wenn du ordentlich Hand anlegst und dich treulich bemühst, die Arbeit zu verrichten, die dir zugewiesen werden wird. Zum Lohn dafür will ich dir dann ein so gutes Zeugnis ausstellen, daß kein Gericht dir etwas an­haben, dich keine Strafe für dein gesetzwidriges Verhalten treffen soll".

Er dankte mir im demütigsten Ton für meine Güte, schwor, wie froh er sei, daß die Leute fort wären und ich die Brigg wieder genommen hätte, flehte mich an, seine Bande zu lösen, ihn auf die Probe zu stellen, und wenn er mich htnterginge, so wollte er usw. usw.

Wir konnten jedoch jetzt noch ohne ihn auskommen und es schadete ihm nichts, noch eine Zeitlang in Ungewißheit zu schweben. Ich sagte ihm deshalb, 'er müsse noch so lange liegen bleiben, bis ich mit Banyard gesprochen und mit diesem beraten hätte, was wir mit ihm anfangen wollten.

(Fortsetzung folgt.)