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Mit kleinen Pausen hinein brüllte/ bei dem Rauschen des RegenS und dem Grollen des Donners verstanden wir sie kaum. Wir arbeiteten schweigend und mit fast heiliger Scheu. Wer konnte wissen, ob nicht der nächste Blitz die Masten traf und das Schiff in Brand setzte? Das Leuchten der Blitze war uns keine Hilfe, im Gegenteil, das grelle, blaue, nur einen Augenblick zuckende Licht blendete die Augen dermaßen, daß die Dunkelheit hinterher uns undurchdring­licher erschien als zuvor.

Der über uns rollende Donner glich dem Feuer einer Mächtigen Artillerteaufstellung. Sein fürchterliches Krachen betäubte uns förmlich und verhinderte uns, die Befehle zu verstehen, welche der Kapitän und der Maat durcheinander schrien. Wo es nur Eisen gab, an den Raanoken, an den Ankern und Ankerketten, überall ringelte sich schlangen- gleich das elektrische Fluidum. Wir waren bis auf die Haut durchweicht und so gewaltig war der Guß, daß mittschiffs uns das Wasser bis zu den Knien reichte und manchen von uns auf den Rücken warf, wenn es beim Ueberholen des Schiffes wie ein Wafferfall über uns stürzte.

(Fortsetzung folgt.)

Die Laterna magica.

Von Arnold Rohde.

------- (Nachdruck verboten.)

Die Laterna magica, die in unserer Zeit unter dem Ramen Zauberlaterne in die Kinderstube Eingang fand, soll um das Jahr 1640 von dem gelehrten Jesuiten Athanasius Kircher erfunden sein. Einige Schriftsteller glaubten jedoch, daß die Kunst, Nebelbilder auf einer Leinwand oder Hellen Wandfläche erscheinen zu lassen, schon weit früher geübt wurde. Sie stützten sich dabei hauptsächlich auf eine Stelle der Auto­biographie Benvenuto Cellint's. Der Florentiner Künstler schildert nämlich geheimnisvolle Erscheinungen, die im Kolosseum in Rom vor ihm aufstiegen, durch Zaubermittel hervorge­rufene Legionen von Teufeln. In einem Gebäude von dem gewaltigen Umfange des Koloffeums hätten jedoch derartige Wirkungen zweifellos nur mit den besten optischen Apparaten und sehr intensivem Licht erzielt werden können, und solche Apparate sind Errungenschaften, von denen in der ersten Hälfte des sechzenten Jahrhunderts jedenfalls noch nicht die Rede war. Die Teufel, welche Cellini sah oder zu sehen glaubte, existierten offenbar nur in der Einbildung des Künstlers, und entsprangen zweifellos nicht der Laterna magica.

Hundert Jahre später verfaßte Athanasius Kircher sein Buch über:Die große Kunst von Licht und Schatten". Er erweist sich darin als vollständig vertraut mit den optischen Gesetzen, auf denen die Laterna magica beruht. Hätte ihm eine beffere Beleuchtung als eine Kerze oder eine rauchige Oellampe zur Verfügung gestanden, so hätte er gewiß die glänzendsten Resultate erzielt. Aber bis zum Jahre 1826 kam man über Spielereien mit mehr oder minder sinnreichen Apparaten kaum hinaus. Damals ver­wandte Leutnant Drummond in Irland dienstlich das soge­nannte Drummond'sche Kalklicht, welches durch einen in Glüh­hitze versetzten Kalkkörper hervorgerufen wurde. Durch An­wendung dieses intensiven Lichts wurden außerordentliche Wirkungen erzielt.

Die Laterna magica besteht aus einem allseitig geschloffenen Kasten mit einem an der Vorderseite heraustretenden Rohre, in welchem sich zwei konvexe Linsen und hinter dem gemein­samen Brennpunkt derselben Schlitze zum Einschieben von Glasplatten befinden, auf denen die Figuren in durchsichtigen Farben gemalt sind. Der Kasten enthält die hell brennende, oben mit einem klein?« Rauchabzugsschlot versehene Lampe, deren Lichtstrahlen, durch einen Hohlspiegel zurückgeworfen, das Glasbild durchdringen und von den Linsen derart gebrochen und gekreuzt werden, daß sie von einer ebenen hellen Fläche aufgefangen, ein verkehrtes Abbild des Originals geben.

Dasselbe wird um so größer, je weiter der Apparat von der Wandfläche oder dem zu diesem Zwecke aufgestellten Schirm entfernt wird. Da die Figuren jedoch in natürlicher Stellung erscheinen sollen, müssen die Glasbilder umgekehrt, also auf dem Kopf stehend eingeschoben worden. Die anfangs ge­malten Glasbilder waren verhältnismäßig umfangreich und, sofern es sich um beffere künstlerische Darstellungen handelte, recht kostspielig. Die im Jahre 1840 im Polytechnischen Institut zu London verwendeten quadratischen Glasplatten von acht Zoll Seitenlänge kosteten für das Stück 400 Mark. Bald aber lernte man mit Hilfe der Photographie viel feinere Bilder zu geringerem Preise herstellen und verwandelte so das Spielzeug zu einem wertvollen wissenschaftlichen Instrument. Diese Photographien hatten in der Regel eine Größe von etwa vier Zoll Seitenlänge, wodurch auch die Laterne kleiner und handlicher ward. Entsprechende Bilder veranschauliche» Streifzüge durch jeden Winkel der Erde und jedes Gebiet der Kunst und Wissenschaft. Die Laterne besitzt einen un­schätzbaren Wert für den Forschungsreisenden, da er durch sie seine Berichte klar und deutlich zu illustrieren vermag.

Besonders wirksam für die Verbreitung dieser optischen Laterne war die Einführung des zur Erzeugung des Kalk­lichts erforderlichen Sauer- und Wasserstoffgases in konden­sierter Form. Noch vor wenigen Jahren mußte der Operierende diese Gase selbst bereiten und in riesigen, keil­förmigen Behältern aufspeichern. Diese wurden dem Drucke ausgesetzt und reichten für einige Stunden aus. Nun ge­hören sie mit dem ganzen schwerfälligen Apparate, den sie erforderten, der Vergangenheit an, und der Operierende er­hält seine Gase kondensiert in leichten Stahlzhlindern, das Sauerstoffgas wird auf chemischem Wege aus der Atmosphäre gewonnen, und für den Wasserstoff liefert das zu Leucht­zwecken verwendete gewöhnliche Leuchtgas ein wirksames Substitut. Ein Zylinder, der wenig größer als eine Wein­flasche ist, enthält zehn Kubikfuß Gas und die Menge genügt für mehrere Abendstunden. Das auf den Kalkzylinder ein­wirkende Gas versetzt denselben in Weißglühhitze und der Glanz dieses Glühkörpers wird nur von dem Bogenlicht übertroffen.

Nun wächst aber die Macht der Elektrizität von Tag zu Tage und durchströmt bereits fast alle hervorragenden öffentlichen Gebäude, so daß es sehr nahe liegt, das Bogen­licht für die Laterne nutzbar zu machen. Ueberdies hat es sich für malerische Darstellungen vorteilhafter als das Kalk­licht erwiesen. Es besitzt nicht allein eine bedeutend stärkere Leuchtkraft, sondern spendet auch ein klares, rein weißes Licht. Für Experimente mit farbigen Strahlen ist es unersetzlich. Nur mit seiner Hilfe vermag man die Farbenskala der Spektralanalyse auf eine weiße Fläche zu werfen. Es hat auch den Vorzug, sich leichter handhaben und regulieren zu lassen, und in der Regel liefern zwei anderen Zwecken dienende Lettungsdrähte des Hauses schon einen hinreichend kräftigen Strom. Die Laterne, die in ihrer verbesserten Form als Projektionsapparat bezeichnet wird, läßt sich nicht blos zur Vorführung von Bildern und Skizzen, sondern in gewissem Umfange auch bet Experimentalvorträgen in Hör­sälen und Schulen verwenden. Sehr wertvoll ist sie nach dieser Richtung hin durch ihre Fähigkeit, das vorgeführte Bild zu vergrößern. Jeder Vortragende weiß, daß gewisse Experimente, die für das Verständnis seines Versuchs von entscheidender Wichtigkeikt sind, sich innerhalb eines kleinen Raumes bewegen. Sie können daher nur von einer einzelnen Person wahrgenommen und nicht wirksam einem größeren Auditorium vorgeführt werden. Will der Vortragende z. B. zeigen, wie man vermittelst des Magnets in ein Stück Stahl schnell Magnetismus hinüberzuleiten vermag, so bedient er stch einer Nadel, streicht mit derselben wiederholt über die Magnetfläche hin und her und zeigt dann, daß sie Eisen- spähne anzuziehen vermag. Sie hängen stch dicht an das Ende der Nadel, bis diese einem Besen ähnlich sieht. Nur die dicht am Katheder sitzenden Studenten sind imstande, das