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frischem Grün, mit Gänseblümchen und Schlüsselblumen ge­schmückt. Ein echter, rechter Auferstehungstag!

Auf dem Wege, der vom Städtchen L. nach dem nahe gelegenen Wald führte, schritt ein ernster Mann dahin. Es war der Doktor der Medizin Hans Seiler. Seit langer Abwesenheit war er gestern abend in seinem Heimatstädtchen eingetroffen, um hier wieder einmal Ostern zu verleben. Gedankenvoll den Kopf auf die Brust geneigt, verfolgte der Doktor seinen Weg. Von der ihn umgebenden Pracht, von dem Sonnenglanz, von dem Grünen und Blühen um ihn her sah er nichts. Er dachte eines andern Ostermorgens vor sieben Jahren.

Damals war er ein frischer, flotter Bursch gewesen, dem die bunte Studentevmütze keck auf den Locken saß. Damals hatte ihm die Sonne nicht hell genug scheinen, hatten ihm die Vögel nicht laut genug singen können. Mit seinen sonnigen, braunen Augen hatte er in die Welt geblickt und mit kräftiger, frischer Stimme das Studentenlied ge­sungen:Das Lieben bringt groß' Freud!" Und mit be­flügelten Schritten hatte er denselben Weg wie heute zurück­gelegt. Kein Wunder, daß er so glücklich war. Hatte ihn doch auf der Bank am Waldesrande ein herziges Menschen­kind erwartet, blauäugig, blondhaarig, sein Lieb. Hatten sie sich doch vor sieben Jahren am Ostermorgen auf jener Bank Treue gelobt, Treue für's Leben. Und dann waren sie heimgegangen, und die Eltern hatten dem jungen Paare ihren Segen gegeben. Eine selige, glückliche Zeit war ge kommen. Dann endlich war Hans Seiler wieder nach Jena zurückgekehrt, um seine Studien zu beendigen. Mit welcher Schaffenslust ging er freudig an die Arbeit! Hatte er doch ein herrliches Ziel vor Augen. Sah er doch im Geiste schon ein blauäugiges, blondes Weib, im rebenum­rankten Doktorhause an seiner Seite schalten und walten.

Doch da, in seine schönsten Glücksträume hinein, kam plötzlich die Nachricht von ihrem Tode. Es war eine Scharlach­epidemie in L. ausgebrochen, der sie erlegen war. Ihre Geschwister, bei deren treuer Pflege sie sich angesteckt, waren alle genesen, nur sie hatte der Krankheit erliegen müssen.

Das war ein schwerer Schlag für Hans Seiler gewesen. Erst war er in verzweifelte Klagen um sein totes Glück ausgebrochen, dann war dumpfe, starre Lethargie über ihn gekommen.

Der Wissenschaft hatte er sich in die Arme geworfen, mit Glanz seine Examina bestanden, ein stiller, ernster Mann war er geworden. Ruhelos war er umhergeirrt, fremde Länder hatte er bereist, aber Vergeffenheit hatte er nirgends gefunden. Die alte Wunde schmerzte heute noch geradeso sehr wie damals.

Zwar waren ihm viel schöne Frauen genaht, schwarz­lockige Spanierinnen, glutäugige Italienerinnen, von denen ihn gar manche gerne getröstet hätte, er aber war alle dem gegenüber kalt geblieben. Sein Lieb war tot und er fühlte, er wußte es, daß sein Herz nicht fähig sein würde, eine andere zu lieben. Mit ihrem süßen Gesichtchen, mit ihren unschuldigen Augensternen hielt doch keine den Vergleich aus.

In aller Herren Länder war er gewesen, ohne Ruhe zu finden. Da hatte den großen, starken Mann auf einmal das Heimweh gepackt. Er hatte sich danach gesehnt, den Ort, all die Plätzchen wiederzusehen, wo er einst so glücklich gewesen.

So war er in sein Heimatstädtchen gekommen.--

In tiefe Gedanken versunken war der Doktor weiter geschritten. Er war jener Bank am Waldessaum, dem Ziel seiner Wanderung, immer näher gekommen, ohne zu be­merken, daß dieselbe schon besetzt war. Jetzt hob er den Blick.

Marie!" unwillkürlich war dem Doktor dies Wort entflohen, während ein verklärtes Lächeln sein Gesicht ver­schönte.Nicht Marie, sondern Martha Wellberg" tönte

eine jugendfrische, klare Stimme zurück, und ein junges Mädchen mit lieben, blauen Augen und goldigglänzendem Haar erhob sich von der Bank.

Seien Sie mir herzlich gegrüßt, Herr Doktor Seiler", fuhr die junge Dame fort, dem Doktor beide Hände entgegen­streckend.

Man hat mir gesagt, daß Sie seit gestern wieder hier in Ihrem Heimatstädtchen weilen, und da ich wußte, daß Ihr erster Gang heute am Ostermorgen zu dieser Bank sein würde, an die sich für Sie die teuersten Erinnerungen knüpfen, bin ich hierhergekommen. Ich habe gedacht, daß es Ihnen wohl thut, daß es Ihr Herz erleichtern würde, wenn Sie mit jemand von Marie reden könnten".

Hans Seiler schaute noch immer mit weitgeöffneten Augen in das liebliche Gesichtchen der Sprecherin. Das also war die Schwester seiner verstorbenen Braut! Wie sich das damals kaum zwölfjährige Mädchen verändert hatte. Es war ja das treue Abbild seines seligen Lieb geworden- das waren dieselben Haare, dieselben Augen, die gleiche Herzens­güte und Reinheit, die aus ihrem Blick gestrahlt.

Ein wunderbares Gefühl durchzog ihn, ein Gefühl, das er schon lange nicht mehr empfunden, die Ahnung eines künftigen Glückes.

Doch dann hatte er sich gewaltsam gefaßt und neben ihr Platz genommen und sie hatten von einstmals geredet. Wie sanft sie ihn getröstet und wie teilnehmend sie ihn ange­blickt hatte. Dem Doktor wurde es so warm ums Herz, so wohl und weit. Ein lang entbehrtes Glücksgesühl durch­flutete ihn. Er sah auf einmal wieder, wie herrlich die Natur, wie blau der Himmel, wie es grünte und blühte heute am Osterfeste, am Auferstehungstage des Herrn.

In seinem Herzen war die Hoffnung eingekehrt, der tote Glaube an ein Glück war auferstanden.

Wieder war es Ostern. Wieder blaute der Himmel, strahlte die Sonne, duftete und blühte eS.

An einem frtschgeschmückten Grabe stand ein junges Paar. Wartha und Hans Seiler. Vor ein paar Stunden hatte sie der Geistliche fürs Leben verbunden, und jetzt waren sie gekommen, um Abschied zu nehmen von dem so teuren Grabe, ehe sie hinauszogen ins fremde Heim. Der Doktor hatte ein stilles Gebet gesprochen.

Martha!" sagte er, die Hand seines jungen Weibes faffend,laß uns auch in den glücklichsten Tagen nie diejenige vergeffen, die hier unter dem Rasen ruht. Die Liebe zu ihr hat mich vor mancher Klippe bewahrt, sie ist's auch, die mir ein Glück an Deiner Seite, an der Seite ihres Abbildes wiedergegeben".

Statt aller Antwort schaute ihm sein Weib voll und ernst ins Antlitz, schweigend ihm alles gelobend.

Die Sonne ging unter. Ihre letzten Strahlen ver­goldeten die Häupter des jungen Paares. Bon der nahen Kirche läutete es zum Abendgottesdienst. Weihevoll tönten die Klänge durch die Luft.Auferstanden ! auferstanden!" verkündeten sie jubelnd.

In Seilers Herzen aber klang es innig nach:Meine Liebe, mein Glück, auch sie find auf erstand en!"

Huiirsvistisches.

Humor des Auslandes. Stilblüten.

Ihre Hand war kalt wie die einer Schlange.

Die Komtesse war im Begriff zu antworten, als eine Thür sich öffnete und ihr den Mund verschloß.

Der Oberst promenierte gemütlich hin und her, die Hände auf dem Rücken, und las ein Journal.

Das Antlitz des Negers wurde vor Schreck plötzlich kreideweiß.

Oft mühte er sich ganze Tage, seine eigene Handschrift nachzuahmen. (Jugend.)

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruck»« (Pietsch Erben) in Ließen.