Sonntag den 2. April.
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Zum Osterfeste 1899.
------- (Nachdruck verboten.) Frisch auf, der Frühling ist erwacht, Laßt alle Wintersorgen weichen!
Vom Firmament die Sonne lacht
Und schmückt die Welt mit Heroldszeichen:
Goldgelbe Primeln, violette
Lenzveilchen blühn schon allerwärts! Nun mit den Lerchen um die Wette Frohlocke leiderfülltes Herz! . . .
Lausch' auf der Finken lust'gen Sang, Die frisch am alten Neste zimmern! Sieh, wie am grünen Uferhang Der Weiden Silberkätzchen schimmern! . . . Und spürst Du, wie es durch die Felder Und Auen heimlich flüsternd bebt? Das ist die Lenzkraft, die um Wälder Und Fluren heute segnend webtl
Sie weiht den Saft, der aufwärts dringt In alten Stämmen, jungen Stengeln! Sie sorgt, daß jede Knospe springt Und Winden sich und Reben schlängeln! Sie rieselt auch durch Deine Glieder Und führt aus böser Zweifel Haft Manch irrend Herz zum Lichte wieder, Zu Gott empor — als Oster kraft! . . .
Die Botschaft klingt von Pol zu Pol, Wie Heilandsliebe überwunden Den bittern Tod einst! Als Symbol Will Dir's der deutsche Lenz bekunden! Mit seinen Wundern Dich zu trösten, Zieht ein er um die Osterzeit: Auch Du gehörst zu den Erlösten, Wenn sich Dein Herz der Liebe weiht!
Noch herrscht die Selbstsucht, sprüht der Haß- Nur langsam, langsam will stch's lichten - So hilf auch Du ohn' Unterlaß Den Hader auf der Erde schlichten, Bis einst in sel'gen Frühlingstagen Durch reinster Liebe Lenzgewalt
Sich alle Menschen froh vertragen ! . . . O Völkerostern, dämm're bald! . . .
Alwin Römer.
(Nachdruck verboten.)
Die kleine Lulu.
Seeroman von Clark Russell.
Erstes Kapitel.
Mein Willkommen zu Hause.
Es war Juni, als ich nach einer Abwesenheit von zwei Jahren und vier Monaten in die Heimat zurückkehrte. — Als vierter Maat, mit einem Monatseinkommen von einem Pfund, hatte ich zwanzig Pfund erhoben. Mit dieser Summe in der Tasche fühlte ich mich nach Art der Seeleute nicht wenig stolz. Freilich mußte ich einen Teil davon sogleich für Kleidung ausgeben, denn mein Anzug, in welchem ich das Schiff in den Docks verließ, war mehr malerisch als anständig. Er bestand aus einem paar Hosen, die mit Flicken von verschiedener Farbe besetzt waren, keiner Weste, einer alten Lotsenjacke, zwei; nicht zusammengehörigen Schuhen und einem alten Filzhut, den ich mit einem Bootshaken aus dem Wasser gefischt hatte, als wir auf der Höhe von Hongkong lagen. —
Die Sache hatte ihren Grund in dem Umstand, daß, als ich mich für die Reise ausgestattet hatte, ich auf keine längere Fahrt als bis Madras und wieder zurück rechnete. Bei unserer Ankunft daselbst wurde das Schiff aber als Frachtschiff geheuert, und elf gesegnete Monate lagen wir in der Bai von Petschili vor Anker, unter schwerer, oft recht schmutziger Arbeit. — Kleidungsstücke waren weder für Geld noch gute Worte zu haben, nicht einmal ein Chinesen-Kittel- denn diese Schelme hatten nichts anderes zu verkaufen, als Geflügel und Eier. So nützte sich mit der Zeit Stück für Stück meiner spärliHen Ausrüstung ab, bis ich nichts mehr besaß, als einen alten Rock, ein paar vollständig zerlumpte Hosen, das Vorderteil und die Aermel eines Hemdes und einen Südwester. Mir blieb schließlich nichts übrig, als die Stücke, deren ich durchaus bedurfte, für einen hohen Preis an Rum, Tabak, meine silberne Uhr, zwei gute Pfeifen und vier Pfund baren Geldes von der Mannschaft zu erhandeln. —
Jetzt, — mit zwanzig Pfund in meinem Vermögen hatte es indes keine Schwierigkeit gehabt, mich in London mit einem so schönen Anzug zu versehen, daß ich getrost in ihm hätte Hochzeit machen können. Außerdem hatte ich noch einige andere ansehnliche Einkäufe gemacht und in meine Kiste verstaut, und zwei Tage nach Ankunft des Schiffes fuhr ich nach meiner Heimat, d. h. nach Bayport, unter


