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acceptierte mit lachendem Munde, obwohl sie eigentlich bis zu ihrer Wohnung nur einen Katzensprung habe.
,®a Sie mir ja doch nichts abkaufen —*
„Morgen! morgen werde ich ganz bestimmt wissen, was ich will--darf ich um dieselbe Zeit, wie heute —*
„Aber mit Vergnügen! Ich weiß, was ich meinen Kunden schuldig bin —"
„Ihren Kunden? Hm! Ich möchte — ich möchte Ihnen etwas anderes sein —"
,,Wte?"
„Ein Freund — oder brauchen Sie keinen?"
„Freilich! Uebrigens ist jeder, der mir etwas abkauft, mein Freund!"
Der Student runzelte die Stirn. Sie betraten die Straße. Er hielt schützend seinen Schirm über Wunderblümchen, das leichten Fußes an seiner Seite marschierte. Mit Dankeswort und „Gute Nacht" wurde ihm, als nach kurzer Zeit die Wohnung des Mädchens erreicht war, ein Händchen geboten, das er mit Wärme drückte, das er geküßt haben würde, hätte er sich in demselben Augenblick nicht erinnert, daß vor ihm gewiß schon mancher Kommilitone als Entgelt für Geleiterdienste die Hand Wunderblümchens mit den Lippen berührt haben mochte.
Die Hand? Weshalb nicht auch den Mund? Es sah ganz so aus, als ob sie gewöhnt sei, sich den Hof machen zu lasten, ohne dabei die Spröde zu spielen. Vielleicht hatte sie erwartet, daß er sie in ein Restaurant, in ein Konzert führen werde? Sie hatte so eigentümlich, halb resigniert, halb verdrießlich dreingeschaut, als er sich von ihr verabschiedete. Nun war sie also doch wie die anderen, und er hatte nur einen Augenblick an das Vorhandensein einer Pflicht glauben können, dieses Wunderblümchen in anderes Land, in reichere Erde zu versetzen!
So meditierte der Fuchs auf dem Wege zur Kneipe. Der Leibbursch nahm ihn in Beschlag, legte sich aufs Kommentschinden. Der arme Junge mußte trinken — sogar einen „Ganzen" auf das Wohl von Wunderblümchen! Mißmutig leerte er das Glas. Der Leibbursch lachte ihn aus.
„Pfui, Kerl, Du blutest ja, wie ein —"
„Bluten" nennen die Studenten bekanntlich das Verschütten des Bieres, während des Trinkens. Daß auch das Herz des gehänselten Fuchses in diesem Augenblicke blutete, konnte der joviale Exerziermeister natürlich nicht sehen.
• * *
Zwei Jahre später. Der Fuchs ist zum Burschen ausgewachsen. Er sührt nun seinerseits die vom Pennal gekommenen Milchgesichter zu Wunderblümchen, das womöglich noch hübscher und duftiger geworden ist. Er hat sich daran gewöhnt, gleichgültig zuzusehen, wie sich seine Freunde überbieten, der gefälligen Verkäuferin den Hof zu machen. Er ermuntert selbst die Füchse dazu und belehrt sie, daß das ein Mädchen sei, das man duzen und bei größeren Einkäufen ohne viel Umstände auf die Hand küssen dürfe. Daß ihn Wunderblümchen zuweilen mit einem Blicke schmerzlichen Vorwurfs ansteht, wenn er in geräuschvoller Lustigkeit seinen Rekruten in ihrem Laden kommandiert, bemerkt er nicht. Um so überraschter war er, als sie ihn eines Tages bei Seite zog und ihm zuflüsterte, daß er ihr weh thue!
Er lachte und rief: „Dafür kauf ich Dir auch ordentlich ab und führe Dir Kunden zu, lauter noble Kerle! — Hahaha! So viele Freunde! Kann's da auf einen Freund ankommen?"
Wunderblümchen verfärbte sich und kämpfte mit Thränen.
„Ich wollte Ihnen etwas sagen--aber nun ist es
ja wohl zwecklos!"
Er sah das Mädchen einen Augenblick an und empfand, daß er ihm etwas abzubitten habe. Vor Zeugen mochte er's nicht thun. Er verschob's auf passendere Gelegenheit. Ueber
die Zeiten weichherziger Sentimentalität war er ja zum Glück hinaus.
* «
Aus dem behäbigen Leibburschen, der den Helden dieser kleinen Geschichte zuerst bei Wunderblümchen eingeführt hatte, war mittlerweile ein rechtschaffen bemoostes Haupt geworden. Zum zweitenmale war der Brave durchs Referendarexamcn „gerasselt" und er erklärte nun bei der aus diesem festlichen Anlasse zu seinen Ehren veranstalteten Trostkneipe, daß er sich nunmehr Wohl oder übel einem praktischen Berufe werde zuwcnden müssen. Auf die Vorschläge, die ihm zu diesem Behufe gemacht wurden, antwortete er mit einem zufriedenen Schmunzeln:
„Quält Euch nicht, sorgt Euch nicht, Kinder! Ich werde meinen Leichnam weich ins Philistertum zu betten wissen!"
Er hatte nicht zuviel versprochen. Er ließ die Gläser füllen und verkündete, indem er sich bierselig auf seinen ehemaligen Leibfuchs stützte, daß er sich mit Wunderblümchen verlobt habe und daß er sie heiraten werde, so wahr er ein bierehrlicher Kerl sei, um in ihr wirklich rentables Geschäftchen als Teilhaber einzutreten. Einen Augenblick Erstaunen, Bestürzung — dann allgemeines Glückwünschen. Es war wirklich das gescheidetste, was der „Dicke" thun konnte.
* * *
Wunderblümchen war auch als Frauchen emsig im Geschäfte thätig, aber sie lächelte nur selten. Die Studentenkundschaft verlief sich allmählich. Der „Dicke" war nämlich entsetzlich eifersüchtig.
V-rnrißchtes.
Bom Klage«. Es hat einmal Einer mit Kreide an ein Scheunenthor geschrieben:
Ich habe Kreuz und Leiden, Dies schreib' ich hier mit Kreiden: Und wer kein Leid auf seiner Kapp, Der wische meinen Reim nur ab.
Er ist aber von niemand abgewischt worden. Es hat ja jeder sein Päckchen zu tragen, und wenns zum Tauschen käme, wer weiß, ob nicht am Ende jeder das seine behalten wollte. Darum ist's eitel Thorheit, mit Gott rechten zu wollen, wenn er uns etwas schickt, was wir lieber nicht haben wollen, oder wenn er uns etwas nimmt, was wir gern behalten möchten. Jedesmal, wenn das Schaf blökt, verliert es einen Mund voll Futter, und jedesmal, wenn wir klagen, entgeht uns ein Segen. Wird eine Thür zugethan, so kann Gott dafür eine andere aufthun. Geraten die Erbsen nicht, so geraten dafür wohl die Bohnen. Geraten aber beide nicht, so sind immer noch die Kartoffeln da. Auf alle Fälle ist's richtig, daß derjenige, welcher viel begehrt, ärmer ist als solcher, der wenig hat.
* * *
Die Anzahl der Sprachen auf der Erde wird neuerdings von einem französischen Geographen mit 860 und 5000 Dialekten angegeben. Auf Europa rechnet der Gelehrte 89 verschiedene Sprachen, auf Afrika 114, auf Asien 123, auf Amerika 417 und die übrigen 117 Sprachen auf Ozeanien, unter welcher Bezeichnung die große Anzahl kleinerer und größerer Inseln zwischen dem indischen Tieflande und Südamerika zu verstehen ist. M erkwürdig ist es, daß von mehreren kleinen Inseln in der Südsee, die durchaus nicht entfernt voneinander liegen, auf jeder eine besondere Sprache gesprochen wird, daß sich die Bewohner, falls sie miteinander in Verbindung treten, nur durch Gebärden verständigen können.
Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Vrtihl'schen vniversitäts-Biich- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


