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der kleinen Residenz erhob. Das kiinstlertsche und gesellschaft­liche Leben erwachte auf's neue. Elsie sah zum erstenmal den Rittmeister Hans Heinrich, den Sohn des Generals, mit Seiner Hoheit dem Herzog!

Nehmen Sie allen Mut zusammen, Klein-Elsie," lachte der Rittmeister und Adjutant Hans Heinrich, als er einige Wochen nach der Rückkehr des Herzogs in den Salon seiner Mutter trat und Elsie am Flügel fand.Heute Abend will Seine Hoheit sich von der Wahrheit der Schilderungen über­zeugen, welche alle Welt von Ihnen und Ihrem musikalischen Genie macht!"

Erschreckt sprang Elsie auf.

Wie soll ich Sie verstehen, Herr Rittmeister?"

Nun, nun," besänftigte dieser das erschreckte Mädchen, indem er ihre Hand ergriff und ihr lächelnd in die Augen blickte,Hoheit will heute Abend die musikalische Soiree Mamas mit seinem Besuche beehren, um Sie, Wunderkind, singen zu hören, das ist alles. Sie brauchen sich nicht zu fürchten. Ich weiß, wie Sie singen, und kann Sie versichern, baß der Herzog entzückt sein wird."

Sie haben mit Hoheit von mir gesprochen? Oh, das war nicht recht! Ich bin noch weit zurück."

Sie sind eine Meisterin im Gesang, Elsie," entgegnete Hans Heinrich,und ein Engel an Schönheit . . ." setzte er leiser hinzu, sich ein wenig zu ihr niederbeugend.

(Fortsetzung folgt.)

Wimderblümchen.

Eine Studentengoschichte von Karl Wilhelm Geißler.

------- (Nachdruck verboten.)

Der junge Fuchs benötigt für den offiziellen Sonntags- Hummel der Couleur eine neue Kravatte. Wenigstens hat ihm sein behäbiger und in solchen Dingen unerbittlicher Leib- bursch mit Gründen der Logik und des Komments bewiesen, daß ein deutscher Student die V-rpflichtung habe, auch nach außen Eindruck zu machen und die Farbensymphonie von Band und Mütze durch das Scherzo einer munteren Hals- kcagenflagge zu vervollständigen. Der Fuchs sieht das ein und erbittet sich von seinem Mentor Rat über die Quelle, aus der das in Rede stehende Toilettenrequisit am besten zu schöpfen sei.

Das kaufst Du natürlich bei Wunderblümchen! Wir alle sind dort Kunden da hast Du Auswahl, koulante Bedienung und für später sei Dir's gesagt, sobald Du in meinen gesetzten Semestern sein wirst, Kredit "

Der Fuchs lachte.

Wunderblümchen? Was es doch für komische Namen giebt! Muß sich nett im Firmenregister machen!"

Firmenregister? erwiderte der Leibbursch stirnrunzelnd, ich verbitte mir ernstlich jede Fachsimpelet, verstanden? Im Firmenregister würdest Du unser Wunderblümchen übrigens wergeblich suchen hm, ich selbst weiß kaum, wie die Kleine in Wirklichkeit heißt! Aber da ist ihr Ladenschild lies selbst!"

Martha Müller!" der Fuchs lachte wieder,und so etwas nennt IhrWunderblümchen?"

Sie traten in den kleinen, mit bescheidener Behaglichkeit ausgestatteten Verkaufsraum ein. Ein Mädchen kramte hinter Hem Ladentische in Pappkartons. Es war bei der Arbeit in Eifer gekommen. Die Verwirrung, dabet durch Kundenbesuch überrascht zu werden, war ihren lebhaft sprechenden, dunklen Augen deutlich abzulesen.

Morgen, Wunderblümchen!" sagte der Leibbursch, indem er es sich auf einem Stuhle bequem machte,laß Dich nicht stören! Wir haben Zeit, und wenn Du uns erlaubst, Dir zuzusehen"

Warum picht gar mir helfen?" rief das Mädchen mit Munterkeit.

Allerdings", wagte der Fuchs schüchtern zu bemerken,

das wäre in der That ganz in der Ordnung, einer so reizenden jungen Dame*

Der Leibbursch schmunzelte behaglich:Wunderblümchen, nimm Dich vor dem in acht! Das ist zwar nur ein kraffer Fuchs, aber ein galanter!"

Der Fuchs errötete, besorgte seinen Einkauf, stotterte etwas, daß er die erstandene Kravatte wunderprächtig und dabei lächerlich billig finde, und schritt nach dem Verlassen des Lädchens schweigend an der Seite seines Freundes.

Du mußt kecker mit den kleinen Mädels werden!" polterte der Leibbursch gutmütig,Wunderblümchen wird Dich für einen verkleideten Backfisch gehalten haben"

Weil ich sie nicht duzte? Ich kann das nicht ich finde es, offen gestanden, gräßlich banal "

Oho, mein Kleiner! Es war wirklich die höchste Zeit, daß Du in meine Lehre gekommen bist!"

* * *

Er konnte sich nicht entschließen, Wunderblümchens Laden in den nächsten Tagen wieder aufzusuchen, so lebhaft er sich einredete, daß er neuer Handschuhe und ähnlicher Dinge zur äußersten Not bedürfe. Er kämpfte lange mit sich, wobei er sich sagte, daß das Unterliegen in diesem Kampfe mit einem dummen Streiche seinerseits gleichbedeutend sein würde. Aber das Gäßchen, in dem Wunderblümchen und ihr Geschäft blühten, konnte er wenigstens besuchen. Er schritt, so oft er nur immer allein und vom Couleurdienst befreit war, auf der dem Laden gegenüberliegenden Straßenseite auf und nieder. Er bekam dabei Wunderblümchen nicht zu sehen, denn die Thür war verhängt, das kleine Schaufenster mit allerlei bunten Herrlichkeiten dicht ungefüllt. Seine Prome­naden hatten eigentlich keinen Zweck, und er kam sich recht lächerlich vor, wenn er sich bet einem Erröten ertappte, wenn er fühlte, wie er die Zähne auf die Lippen biß, sobald er irgend ein männliches Wesen in den Laden treten sah, sobald ein Student oder Philister nur um etwas länger darin verweilte, als es ihm zur Erledigung eines schlichten Kaufgeschäftes nötig erschien. Endlich beschloß er, es ebenso zu machen wie die anderen und wenigstens Kunde zu sein, da er dem liebenswürdigen Mädchen doch vorläufig nichts anderes sein konnte. An einem regnerischen Abende, kurz^ vor Geschäftsschluß, raffte er sich zur entscheidenden That auf und betrat das Lädchen, das ihm als das Reich Wunder­blümchens wie ein Feenpalast erschien, zum zweitenmale. Wunderblümchen saß hinter dem Ladentische und las. Sie nickte dem Fuchs gar freundlich zu.

Sie haben sich lange nicht sehen lassen, Herr Doktor! Waren Sie mit der Kravatte nicht zufrieden es scheint fast so was Sie heute tragen, ist nicht von mir"

O bitte, mein Fräulein, ob ich damit zufrieden war! Aber Sachen, die ich bei Ihnen kaufte und noch kaufen werde, sind mir für den alltäglichen Gebrauch denn doch zu schade!"

Das Mädchen sah ihn mit prüfenden Augen treu­herzig an.

Weshalb duzen Sie mich nicht, wie Ihre Kommilitonen? Wiflen Sie nicht, daß man mich Wunderblümchen getauft hat, und daß ich diesen Spitznamen sehr gern höre?"

Von anderen mag sein, mir müssen Sie schon gestatten ich finde den Namen gewiß nett, sehr nett er sagt das, was Sie in der That sind--aber daß jeder, der,

um etwas zu kaufen zu Ihnen kommt, das Recht sich an­maßen könnte, Sie mit diesem Namen zu nennen viel­leicht, ja gewiß, Sie werden es verstehen, wenn ich aus diesem Grunde"

Wunderblümchen unterbrach ihn, indem sie mit geschäfts­mäßiger Verbindlichkeit nach seinen Wünschen fragte.

Er wußte selbst nicht, was er kaufen sollte, musterte leichthin, was ihm gerade in die Hand kam und beobachtete dabei die niedliche Verkäuferin, die sich vor dem schmalen Spiegel das Hütchen aufsetzte und sich auch im übrigen zum Fortgehen rüstete. Er bot ihr seine Begleitung an. Sie