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Herbstlisd

urch die Wälder streif ich munter, Wenn der Wind die Stämme rüttelt Und mit Rascheln bunt und bunter Blatt auf Blatt herunterschüttelt.

Denn es träumt bei solchem Klange Sich gar schön vom Frühlingshauche, Von der Nachtigall Gesänge

Und vom jungen Grün am Strauche.

Lustig schreit' ich durchs Gefilde, Wo verdorrte Disteln nicken, Denk' an Maienröslein milde Mit den morgenfrischen Blicken.

Nach dem Himmel schau ich gerne, Wenn ihn Wolken schwarz bedecken, Denk an tausend liebe Sterne, Die dahinter sich verstecken.

Sallet.

Nachdruck verboten.

Der Gylsenhof.

Eine Erzählung von P. D i t f u r t h.

I.

Vom müden Glanze der Oktobersonne beschienen, lehnte ein Knabe von ungefähr acht Jahren im Fenster eines freundlichen Wohnzimmers und warf sehnsüchtige Blicke auf die Straße. Er war zum Ausgehen gerüstet und grub mit leiser Ungeduld seine Händchen in die Taschen seines Paletots.

Hinter ihm stand eine junge Dame in Hut und Mantel, gleichfalls fertig, und auch sie schien das Ende des Rede­stroms herbeizusehnen, den eine lebhafte kleine Dame über sie ergoß; denn ihre Augen streiften unruhig die Uhr und prüften wie ängstlich den Stand der Sonne.

Ich will Sie wirklich nicht länger aufhalten, liebes Fräuleinchen," fuhr die kleine Person im Eifer jugendlicher Beweglichkeit fort, und trippelte einige Schritte nach Der Thüre zu, um jedoch ebenso behend umzukehren, indem sie weiter sprach:Nur das möchte ich Ihnen noch sagen, Sie sollten sich Umgang suchen und Ihre liebe Jugend nicht so vergraben. Da sitzen Sie und arbeiten, daß Gott erbarm, mich dauert das junge Leben. Ich weiß ja, Sie müssen es so machen; die armen Dinger; was hatten wir

dagegen in Ihrem Alter für ein freies Leben, wenn wir auch in Haus und Garten tüchtig zugreifen und wirt­schaften mußten."

Vorläufig habe ich kein Verlangen nach zerstreuendem Umgang, Frau Prediger," schob das junge Mädchen schnell in die, dem ausgehenden Atem gebotene Pause ein, und knöpfte mit der Gebärde unterdrückter Ungeduld ihre Hand­schuhe zu.Sie und Fräulein Lina sind mir Schutz und Halt genug in der fremden Stadt, und ich bin Ihnen dafür aufrichtig dankbar."

Die alte Dame nickte eifrig und zugleich mit wohl­wollender Befriedigung.Das ist uns ja selbst eine Freude, eine recht große, aber jugendlichen Umgang müssen Sie auch pflegen, und ich weiß so nette Familien, so nett, sag' ich Ihnen, zum Beispiel Direktor Burghoffs, Sie waren ja wohl schon dort?"

Ja, bei dem Herrn Direktor," war die Antwort,er riet mir aber zu Privatstunden, da es nicht gut anginge, nur an gewissen Stunden im Seminar sich zu beteiligen."

Und auf dem Konservatorium sind Sie auch an­genommen?"

Zu meiner Freude; mir war bange darum."

Uns gar nicht," fiel Frau Nolte ein;als Sie spielten, sagte meine Lina gleich: Die junge Dame bringt's noch zu etwas. Und meine Lina versteht das, darauf können Sie sich verlassen. Aber meine Lina wartet, und Sie halte ich vom Spazierengehen ab, was Ihnen doch so nötig ist, Sie sehen sowieso immer wie Mondschein aus. Nichts für ungut; viel Vergnügen, Fräulein Renatchen."

Damit entschlüpfte endlich die kleine Gestalt, und Renate konnte mit dem kleinen Bruder gehen.

Vor mehreren Wochen schon war die junge Dame als zeitweilige Pensionärin in das Haus der Frau Prediger Nolte eingezogen, um sich hauptsächlich dem Studium der Musik zu widmen, und daneben in einigen anderen Wissens­zweigen sich zu vervollkommnen. Vater und Mutter waren tot, und sie stand mit dem kleinen Walter ganz allein in der Welt. Es galt für sie, sich auf eigene Füße zu stellen, denn in der kinderreichen Familie ihres Vormundes fühlte sie sich überflüssig. Durch die Vermittelung des letzteren war sie in diese Stadt und in dieses Haus gekommen. Im ganzen befand sie sich auch wohl bei der guten, freund­lichen, nur sehr gesprächigen Frau und deren Tochter, einem stattlichen Fräulein in gesetzten Jahren, welche ohne viele Worte ein unbeanstandetes Regiment im Hause führte und es nur Renate hier und da sichtlich verdachte, wenn diese