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„Das Hauptgehnimnis dabei ist, daß man keine Gelegenheit hat, Geld auszugeben," erklärte Olaf.
„Sehr lukrativ, lieber Nansen! Ich werde umsatteln." Dann ernster werdend: „Was ich sagen wollte, legen sie sich um Gotteswillen meinetwegen keine Einschränkungen auf. Es hat wirklich keine Eile."
(Fortsetzung folgt.)
Müllers junge Leiden.
Von Friedrich Wegener.
------- (Nachdruck verboten.)
Fritz Müller war verliebt/ er war einfach nicht mehr ganz zurechnungsfähig- er verrechnete sich ständig, und war doch sonst der beste Mathematiker der Obersekunda. Die süße Liebespein, die von dem Tau der Hoffnung schmachtend lebt, hatte ihn benommen. Er suchte die Einsamkeit- alle abgelegenen Feldwege, alle heimlichen Winkel in den Scheunenstraßen des freundlich gelegenen Landstädtchens hallten wieder von den schmachtenden Seufzern des Gequälten.
Wenn alles schlief, auch der Drache — die würdige Dame, welche für Fritzens körperliches Gedeihen sorgte, wenn die wenigen Laternen längst verloschen waren, und der einzige Wächter ruhig an irgend einem windgeschützten Plätzchen für das Wohl der Stadt — träumte, dann öffnete sich leise das Fenster eines zur ebenen Erde gelegenen Zimmers und der Verliebte stieg heraus und stürmte fort, barhäuptig in des Maien mondbeglänzte Zaubernacht.--
Es geht die Sage, daß die Papierhandlung des Herrn Schluskus um diese Zeit gute Geschäfte gemacht habe, denn der liebeskrauke Jüngling füllte Bogen und Bogen mit leidenschaftlichen Versen und schwärmerischen Märchen, die seiner überirdischen Seligkeit Ausdruck gaben.
An seinen sonstigen litterarischen Arbeiten, seinen Klassenaufsätzen und Extemporalien hatten seine Lehrer allerdings nicht wenig auszusetzen- aber was kümmerten Fritz die erbärmlichen Kritteleien dieser Schulmeisterseelen!
Mit nagender Pein duldete er die stumpfsinnige Haft auf den engen Bänken. In besonders qualvoller Ungeduld aber schlichen dem Liebenden die Nachmittagsstunden vorüber, denn sie trennten ihn von dem himmlischen Augenblick, da er sie sehen sollte, seine ersehnte Königin, sein Klärchen! Aber wenn dann endlich die Stunde der Erlösung geschlagen hatte, wußte er mit wunderbarem Scharfsinn die Wege ausfindig zu machen, auf denen er der Süßen begegnen konnte. Heute war es die Chaussee nach Linde, morgen nach Galdern und übermorgen der Weg nach Neudorf. Sobald der geliebte Gegenstand in der Ferne auftauchte, beschleunigte er seine Schritte, um mit elegantester Bewegung grüßend an ihr vorbeizuschießen, dann, hinter dem nächsten Abhang, kehrte er um, so daß er ihr begegnend ins liebliche Antlitz schauen konnte. O diese Begegnungen! — Ob sie wohl. getroffen war von den Blitzen seiner feurigen Augen? Ob er gezündet hatte, der feurige Strahl? —
Oh! hatte sie nicht schon so oft bedeutungsvoll zu ihm hinübergesehen, hatte sie nicht kürzlich, als er mit einem Schwarm von Gefährten unverhofft auf dem Markt ihren Weg kreuzte, ihm allein lächelnd zugewinkt? — Kein Zweifel, er liebte glücklich!
Nur galt es noch eine Brücke zu schlagen über das Meer, welches ihn von seinem Sterne trennte.
Die Angebetete befand sich auf ihren Spaziergängen gewöhnlich in Begleitung einer älteren Freundin, deren Bruder, „Petz" genannt, den Rang eines Primaners bekleidete. Wie fand sich Gelegenheit, mit dieser Größe anzubinden, die den Sekundaner natürlich recht herablaffend behandelte? Fritz faßte einen verzweifelten Entschluß. Er stand in dem Ruf, der beste „Deutsche" des Gymnasiums zu sein, und man erzählte sich, daß er schon manchem Primaner und sogar Abiturienten in der Not ein Retter gewesen- und
jetzt erniedrigte er sich soweit, mit dem Entwurf eines Aussatzes den spröden Petz aufzusuchen und ihn um einen Rat zu bitten. Welch ein fein durchdachter Plan! Der Erfolg war überraschend.
Fritz erfuhr bei dieser Gelegenheit, daß am nächsten Tage Petzens Garten wieder geöffnet sei. „Wenn Du willst, so komm abends dorthin — ich stelle Dich vor!" Das war.n die Worte des stolzen Primaners. O, Fritz, Du unglaublicher Glückspilz! Die Dir so fern war, so fern wie dem Schäferknaben auf grüner Flur die Prinzessin im goldenen Schlosse — Du wirst sie sehen, mit ihr sprechen, mit ih: Croquet spielen, wohl gar auf einer Partie ihr Dein fühlendes Herz offenbaren--welch' endlose Aussicht mit auszu
malender Seligkeiten eröffnet sich Dir! Und was thi-t Fritz? — Fritz, der Glückliche, lehnt ab! — Wer weiß das Rätsel der liebenden Seele zu lösen?
Am nächsten Tage wich er zum ersten Male der gewohnten Begegnung aus. Als aber der Abend dämmernd hereinbrach, umschlich er sehnsüchtig spähend die Stätte, deren Inneres zu betreten er verschmäht hatte. Vergeblich suchte er — in dem hohen Bretterzaun eine Spalte zu entdecken, die ihm einen Einblick in dies Paradies zu gewähren vermochte. Da, horch! Welch' ein himmlischer Ton? — Herz! Brich mir nicht! „Am Brunnen vor dem Thore" klang der Gesang zweier jugendfrischen Stimmen durch die Stille des Frühlingsabends. Fritz lauschte wie träumend- dieser hohe, glockenreine Sopran — gewiß, das war Klara! Doch nein! Wie weich und voll dazwischen der Alt, schmeichelnd, berückend und doch so klar und tief — nein, nein, nur dieser Alt konnte die Stimme der Geliebten sein.
Noch in derselben Nacht verfaßte er ein Duett, das er mit verstellter Hand auf ein vergilbtes Notenblatt schrieb - dem Alt war eine bevorzugte Stellung eingeräumt. Er war überzeugt, daß seine Verse sehr schön seien, und mit ergreifender Stimme trug er sie sich selbst vor:
Leis, leisl Träumende Nacht! — O heil'ge Ruh! — Des Himmels leuchtende Pracht Lächelt mir zu.
Leis, leis, die Nachtigall! Scheuche sie nicht!
Daß nicht der Seufzer Schall Sie unterbricht.
* *
Wolken, vom Mondenlicht Silbern umsäumt, Wolken, ach wißt ihr nicht, Wo sie jetzt träumt?!
Seid nicht so still, so still! Ein einzig Wort, Bringt mir von ihr, von ihr, Die lange fort.
Thränen der Entzückung traten aus seinen heißen Äugen hervor.
Ueber das Ganze setzte er die Worte: „Gedichtet und komponiert von F. L. Lümer". O, sie würde den Verfasser schon erraten- das scharfe Auge der ahnenden Liebe mußte das Geheimnis durchdringen.
Er ging mit seinem Opus zu Petz. „Als ich kürzlich an Eurem Garten vorüberging, hörte ich fingern Da hab' ich noch so'n paar alte Dinger gefunden- vielleicht versuchen's die Damen mal damit!"
Wer beschreibt Fritzens Entzücken, als wirklich an dem nächsten schönen Abend seine leicht in's Ohr fallenden Melodien aus dem Garten ertönten. Und, o! Der Alt, der Alt! Mit nicht geringer Aufregung trat er in der Frühstückspause des nächsten Vormittages an den unbewußten postillon d’amour heran.
„Du, sag' mal", kam ihm dieser entgegen, „von wem sind eigentlich Deine Duetts, die übrigens ganz nett sind. Der Komponist nennt sich F. L. Lümer- im Komponistenlexikon finde ich aber nur einen A. Lümer und einen C. Lümer."


