Nachdruck verboten.
Die Sünden der Väter.
Roman von Osterloh.
(Fortsetzung.)
„Nimmermehr," dachte Martha. Sie mochte nicht länger mit Olaf zusammen sein. Ein eigentümliches Gefühl von Unsicherheit hatte sich ihrem Zorne beigemischt. Und wozu überhaupt? Sie hatten ja nichts mehr mit einander zu schaffen.
Und doch sah sie nur zu bald ein, daß ihr Bleiben unumgänglich nötig sei, und daß wirklich, wie Ziel sich ausgedrückt hatte, heute alles drüber und drunter gehe.
Else lag auf ihrer Chaiselongue mit rotgeweinten Augen, gereizt, nervös, geärgert, halb verzweifelt. Diese unausstehliche Person, die Wirtschafterin, mit der Else immer so viel Nachsicht gehabt, hatte sich gegen sie benommen auf eine Weise! unbeschreiblich — gerade jetzt, wo ihr der Arzt noch Schonung verordnet, Ruhe, keine Aufregung. Ruhe, mit einem solchen Drachen im Hause!
„Was hat es denn eigentlich gegeben?" fragte Martha, an derartige Klagen bereits gewöhnt.
„Ach weiter gar nichts! Ich hatte etwas anders einrichten wollen," erzählte Else, „eine unbedeutende Aenderung in einem Schranke. Wir kamen darüber in einen heftigen Wortwechsel, und zuletzt sagte sie ganz frech: „Frau Rechtsanwalt mischen Sie sich lieber nicht in Dinge, die Sie nichts angehen." Wie findest Du das? Ich wachte kurzen Prozeß und erklärte ihr, meine Wirtschaft ginge mich sehr viel an, ich sei Herrin im Hause, und sie möge ihrer Wege gehen. Ja, das habe ich gesagt," bekräftigte Else nachdrücklich mit selbstbewußten Kopfnicken.
„Und?" fragte Martha noch etwas zweifelhaft.
„Und — nun ist sie fortgegangen," lautete schon etwas kleinlauter die Antwort.
„Es war nach meiner Ansicht von Anfang an ein unhaltbares Verhältnis," meinte Martha. „Sei froh, daß Du sie IpS bist."
Dienstag den 1. August
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A s sei in Schimpf, Ernst oder Spott, Was du mir gönnst, das geb' dir Gott. Sprichwort.
„Ja," bestätigte Else, „ich bin auch froh, sehr froh!" Plötzlich brach sie ganz unvermittelt wieder in Thränen auS.
Bestürzt beugte sich Martha, zu ihr nieder.
»Daß es gerade jetzt sein mußte," klagte Eischen. „Ich bin viel zu schwach, mich um den Haushalt zu be> kümmern. Der Arzt hätte es am liebsten gesehen, wenn Konrad mit mir verreist wäre."
„Ich glaube, daß Ihr viel zu ängstlich seid", entgegnete Martha. „Ich sollte Dir übrigens ausrichten, daß Dein Mann einen Gast eingeladen hat."
Else richtete sich auf. „Heute? auch das noch! Das ist zu arg. Wen denn?"
Schon hatte die Neugier halb und halb über den Aerger gesiegt.
„Du wirst sehr überrascht sein. Einen früheren Be- kannten, Herrn Nansen."
„Den?! — Deinen —"
Sie maß Martha, fragende Verwunderung in den weit geöffneten Augen, als habe sie erwartet, daß dieses unver- mutete Wiedersehen eine ganz augenfällige Veränderung bei ihrer Schwester herbeigeführt haben müßte,- aber jedes weitere Wort erstarb ihr auf den Lippen bei der unwillig abweisenden Gebärde, dem wegwerfenden Tone, mit dem jene antwortete:
„Nun ja. Was ist weiter dabei?"
„Wo kommt denn der her?" erkundigte sie sich, nachdem sie sich von ihrem Erstaunen einigermaßen erholt hatte.
Martha zuckte mit den Achseln.
„Ich weiß es nicht." Sonderbar- sie hatte nicht einmal daran gedacht, ihn danach zu fragen, und das wäre doch das Nächstliegende gewesen.
„Du hast ihn nicht gesehen?" fragte Else weiter.
„Doch. Er wartete im Salon auf Deinen Mann, und da traf ich ihn."
„Habt Ihr zusammen gesprochen?"
„Natürlich. Wie es guten alten Bekannten geziemt," fügte sie spöttisch hinzu.
„Hast Du ihn gleich wieder erkannt?"
„O ja. An der Stimme."
„So." Einen Augenblick sann sie nach- sie konnte sich seine Stimme nicht mehr recht vergegenwärtigen. „Was macht er denn jetzt?" fragte sie.
„Ich weiß es nicht."
„Studiert er immer noch?"
„Ich weiß es nicht."


