Ausgabe 
1.7.1899
 
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Die Leute gingen an die Arbeit. Wir näherten uns rasch der Insel. Jene Striche, welche den Mastspitzen eines Schiffes glichen, waren hinter dem Hügelland versunken, und die Leute blieben daher im Zweifel, ob ein Schiss da war oder nicht.

Um vier Uhr schickte ich die Leute an die Leebrassen. Die Geitaue und Schooten wurden angehalten. Die Insel in ihrem zarten Grün, mit dem weißen Strand an dem tiefblauen Meer, überwölbt von dem strahlenden Himmel, an welchem leichte Federwölkchen schwebten, streckte sich wie ein Feenreich an unfern Leebug hin.

Jetzt das Langboot zu Wasser!" rief ich.Greift zu, dann könnt ihr um vier Glasen zurück sein, vor acht wird es nicht dunkel!"

Da die Takel oben bereit waren, blieb nichts zu thun, als die Läufer durchzuscheren, das Boot einzuhängen und niederzulassen. Alle Mann faßten an, das Boot hob sich aus seinen Klampen, und bald schwamm es längsseits.

Sieh noch einmal zu, ob alles in Ordnung ist," rief ich dem Schönen zu, welcher mit Billy hineingesprungen war und den Mast einsetzte.Hast du den Kompaß?"

Ah, °h!"

Lot und Leine?"

All'ns klar."

Na, dann hinein ins Boot mit euch andern."

Sie stiegen ein. Der Schiffsjunge Hardy und der Koch kamen an die Fallreepstreppe, um ihnen zuzusehen, Savings stand am Rade,' Banyard stampfte auf dem Deck einher und schien von nichts Notiz zu nehmen.

Wenn es dunkel werden sollte, ehe ihr zurückkommt, wollen wir eine Laterne anzünden," rief ich.Seid so flink als möglich. Wenn es zu wehen anfängt, sind wir zu schwach, um die Brigg zu regieren. Nun herauf mit eurem Segel, werft die Läufer los!"

Die Spitze des Bootes war abgestoßen, das Segel ging in die Höhe, das Boot glitt hinweg.

Hurra, de Goldmine!" schrie Klein-Welchy und warf seine Mütze in die Luft.

Dat iS för de Minschenfreter, wenn weck da sün", brüllte Billy und schwenkte sein Matrosenmesser.

(Fortsetzung folgt.)

Im Regen!

Von Willy Weber»

(Nachdruck verboten.)

Im großen Ganzen war die Ehe eine recht glückliche. Er war zwar etwas heftig und zänkisch, aber sie verstand auch ihrer Ansicht Geltung zu verschaffen, derb und kurz, wie ihr der Schnabel gewachsen war. Wenn es einmal einen häuslichen Zwist auszufechten galt, war gewöhnlich der Sieg aus ihrer Seite.

Sie waren sehr hübsch eingerichtet- mitten in einer Schleedornhecke hatten sie sich ihr Nestchen erbaut. Von außen konnte es kaum wahrgenommen werden, so dicht war es unter den Blättern versteckt, und wenn wirklich ein Neu­gieriger darnach stöbern sollte, so würden ihm die Dornen der Hecke nicht schlecht die Finger zerkratzt haben. Er war ein Prächtiger Gesell, ein Fink mit herrlich roter Brust und schön gezeichneten Flügeln. Sie sah zwar unscheinbar aus, besaß aber die Tugend der Häuslichkeit in hohem Maße. Das konnte man von ihm leider nicht behaupten, denn er war ein flatterhafter Bursche, ein Herumtreiber, der es mit der ehelichen Treue nicht sehr genau nahm.

's ist doch aber auch zu toll", stöhnte Frau Fink,da ist nun der Mann schon an die zwei Stunden vom Neste weg und läßt sich nicht mehr sehen. Da läßt er mich ruhig auf meiner zweiten Brut sitzen und brüten . . . , brüten, brüten! Daß einem dabei auch der Magen knurrt, daran denkt dieser Vagabund natürlich nicht

Da raschelte es am vorderen Heckeneingang, und Meister Fink erschien, frisch und wohlgemut wie immer.Ent- chuldige", piepte er,'s hat etwas lange gedauert, aber bei dem Wetter hält's schwer, was aufzutreiben". Und er reichte ihr einen ganzen Schnabel voll Kerbtiere aller Art.

Nun bleibst Du mir aber zu Neste", erklärte sie,

nachdem sie das leckere Mahl verspeist hatte,erstens kannst

Du mich mal ablösm und zweitens wird's Regen geben.

Für Deine Gesundheit aber ist's viel besser, wenn Du im

Trocknen sitzt".

Regen?" piepte er,woher soll denn der Regen kommen bei dem heiteren Himmel?"

In einer Stunde ist er da," versicherte sie.

Unsinn!" gab er zurück.

Kein Unsinn", flötete sie, es giebt Regen, ich spür's am Reißen in meinem linken Bein.

Und ich spür's am Reißen in meinem rechten Bein, daß es keinen Regen giebt", schalt er.Deshalb wird noch eine Runde gemacht . . ." und fort war er.

Nein, so ein Schlingel", lamentierte sie, da hilft auch alles Zureden nichts ... Na warte, wer nicht hören will, muß fühlen". Damit breitete sie sich derart über die drei Eier, daß ihre Flügel das ganze Nest bedeckten .... und es regnete. Erft fein, dann stärker und immer stärker. Schließlich hörte es zu regnen auf, und es begann zu gießen: thalergroße Tropfen. Völlig durchnäßt und vom bösen Ge­wissen gequält, kam der Fink nach Hause. Geräuschlos schlüpfte er bis zum Neste, er fand keinen Platz mehr, und seine Frau that so, als ob sie nichts gehört hätte: sie rührte sich nicht.

Von den Blättern des Schlehdornes triefte das Wasser, es sickerte durch das Strauchwerk, es tropfte rings um das Nest.

Da bin ich schön hereingefallen", dachte der Fink, morgen früh werde ich der Gnädigen die Flötentöne bei­bringen müssen, 's ist doch eine tolle Sache: aus seinem eigenen Nest ausgesperrt bei dem Regen!" »

*

So viel Würmer wie in diesem Sommer hatte es noch gar nicht gegeben. Regenwürmer waren zu verzehren dick und lang wie kleine Schlangen. Natürlich hatte sich da der Meister Staat, der überhaupt ein starker Fresser war, den Magen verdorben. Jetzt saß er trübselig vor seinem Staat» kästen und klagte übet Leibschmerzen.

Aber Alterchen", hatte ihm die Staarin zugeflötet,so sei doch nur wieder vergnügt, so'n bischen mal liegt's jedem im Magen".

Mit liegt aber das ganze Wetter hier im Magen", stöhnte er,hast Du schon so was von verregnetem Sommer erlebt?"

O doch", versicherte sie,feit drei Iahten ist doch in Deutschland jeder Sommer verregnet".

Da hast Du recht", stimmte er zu,deshalb wär's schon gesünder, wir blieben auch im Sommer drunten bei den Pyramiden. Jeder Staat kann Hitze besser vertragen, als diese ewige Nässe".

Aber liebet Manu", tröstete sie ihn,es wird ja auch wieder Sonnenschein kommen. Und dann denke doch an unsere Kinder . ... die müffeu wir doch erst groß ziehen, ehe wir an irgend eine Veränderung denken. Außerdem mußt Du mehr Deiner Gesundheit leben. Warum schlingst Du die dicksten Regenwürmer runter, wenn Du sie nicht vertragen kannst?"

Du hast gut reden", erwiderte er,Du erzählst immer vom vielen Essen, aber von dem vielen Hunger nicht. Außerdem aber laboriere ich nicht allein an dieser Magen­verstimmung, sondern auch an Heiserkeit, Schnupfen, Husten und kalten Füßen".

Atmet Jubelgreis", bedauerte sie ihn,da ist'S schon am besten, ich koche Dir ein Krankensüpplein und Du bleibst eine Woche ruhig im Staarkasten sitzen."