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'enn eines Menschen Seele du gewonnen,
Unb in fein Herz hast tief hineingeschaut, Und ihn befunden einen klaren Bronnen, In dessen reiner Fluth der Himmel blaut:
Laß deine Zuversicht dann nichts dir rauben
Und trage lieber der Enttäuschung Schmerz, Als daß du grundlos ihm entziehst den Glauben — Kein größer Glück, als ein vertrauend Herz!
Laß adlermuthig deine Liebe schweifen
Bis dicht an die Unmöglichkeit hinan:
Kannst du des Freundes Thun nicht mehr begreifen, So fängt der Freundschaft frommer Glaube an.
Felix Dahn.
Nicht Schuldig.
Roman von Harry Rockwood.
------- fNachdruck verboten.)
I.
Ungleiche Brüder.
„John macht wieder einmal ein entsetzlich saures Gesicht!"
Diese Worte wurden von einer klangreichen Stimme mit einem Anflug von Muthwillen gesprochen, der auf eine sorglose heitere Natur schließen ließ.
Der Sprecher war Richard Brent, welcher eben durch den Thorweg eines langen, geräumigen Farmhauses schritt und dabei die Gesichter der Insassen desselben der Reihe nach betrachtete.
Frau Brent, eine gutmüthig aussehende Frau von etwa fünfundvierzig Jahren, war damit beschäftigt, den viereckigen Theetisch zu decken. Sie begegnete dem Blick ihres Sohnes mit einem stillen Lächeln. Richard, ihr Jüngster, war ja ihr Liebling, — das war unverkennbar, obgleich sonst gewöhnlich Mütter nicht so geneigt sind, einen Liebling zu wählen und zu begünstigen als Väter.
Ihr Mann, ein rauher Farmer von ernstem, aber nicht unfreundlichem Aussehen, stand am Fenster und betrachtete den Sonnen-Untergang über der friedlichen Landschaft. Ein Schatten von Mißfallen flog über sein Gesicht und bewies, daß die Bemerkung seines Jüngsten nicht seinen Beifall hatte. Er wußte, was darauf folgen würde, Zank und Wortwechsel waren ihm aber verhaßt.
Die vierte und letzte Person in dem altmodischen ; Wohnzimmer war John, der ältere Sohn, — Richards Bruder. : John Brent hatte einen intelligenten Gesichtsausdruck,
l In seinem Aeußeren lagen Willenskraft und Characterstärke.' ! Er war mittelgroß und kräftig gebaut. Seine Bewegungen : waren bedächtig. Sein glattes, schwarzes Haar, die scharfen j dunkeln Augen, welche von dichten, häufig zusammengezogenen | Augenbrauen beschattet waren, verliehen ihm ein finsteres l Aussehen.
Es war leicht zu erkennen, daß die Brüder in ihrer s Gemüthsart ebenso verschieden waren, als in ihrer äußeren Erscheinung. Denn in bitterem Gegensatz zu Richards sorglosem, frohsinnigen Wesen war John mürrisch, empfindlich, und wenn er ernstlich gereizt wurde, konnte er feindlich bis zur Rachsucht werden.
Jetzt eben hatte der ältere Sohn sich ziemlich entschieden gegen ein nahe bevorstehendes Ereigniß ausgesprochen, welches auf den Verlauf dieser Geschichte von entscheidender Wichtigkeit sein sollte.
Die Bemerkung beim Beginn dieses Capitels war Richards Antwort auf Johns heftigen Widerspruch.
Mit zusammengezogenen Augenbrauen wandte sich Letzterer gegen Richard.
„Es scheint, Du bist sehr erfreut über die Aussicht, daß eine fremde Person in unsere Familie eindringen wird!" fragte er mürrisch.
„Gewiß, und wie gewöhnlich mußt Du natürlich dagegen murren/" erwiderte Richard. Der Andere antwortete mit einer Bewegung der Ungeduld:
„Ich denke, wir sind Unserer schon genug. Wenn eine fremde Person herzutritt, so entstehen irgend welche Zwistigkeiten, und eine junge Stadtdame, wie Grace Hathaway, ist am wenigsten am Platz tn einem Farmhaus wie das unserige/
Richard lachte laut darüber, aber die Wolke auf der Stirn seines Bruders John verschwand nicht, sie wurde im Gegentheil noch düsterer."
„Was habe ich denn so Sonderbares gesagt, um Deine unaufhörliche Heiterkeit hervorzurufen?" Richard wandte sich an seine Mutter mit einem muthwilligen Leuchten in seinen blauen Augen.
„John befürchtete, daß sein freundliches Einvernehmen mit mir getrübt werden könnte. Das ist's ja wohl, was ihm Sorge macht, Mutter!" sagte Richard.
Frau Brent sah ihn ernsthaft an. „Wenn ich wirklich glauben würde, daß die Ankunft von Fräulein Hathaway


