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kleinen Elephanten, zwei Pfauen u. s. w. vor die Gefährte gespannt hatte. Die schönen Wagenlenkerinnen Präsentirten sich natürlich in den denkbarst extravagantesten Costümen — einige trugen rothe Atlasjacken mit Goldstickerei über griechischen Fustanellas, andere phrygische Mützen und blau- roth-weiß gestreifte Pluderhosen — und die meisten sollen außerordentlich hübsch ausgesehen haben.
Auch von einem Wettfechten zarter Damen wird uns erzählt. Der Schauplatz war Newyork und als Preisrichter fungirte ein junger Amerikaner, welcher die Befähigung für dies wichtige Amt gelegentlich einer seiner alljährlichen Reisen nach dem europäischen Continent erworben hatte. Der Zweck derselben ist übrigens so eng verwandt mit all den anderen Bizarrerien, von denen ich hier erzähle, daß ich cs mir nicht versagen kann, mich näher darüber auszulassen. Die Vertreter der amerikanischen jeunesse doree gefallen sich neuerdings nicht mehr darin, als „Swells“, sondern als Gigerln zu glänzen, und zwar als Gigerln engliscber Fayon, für die «ur ein einziger Schneiderkünstler des britischen Jnselreichs zur Zusriedenheit seiner Kunden zu arbeiten versteht. Dielen genialen Mann nun besucht Mr. 3E. in jedem jungen Jahr, sobald die ersten Lerchen schwirren," um dann im Besitz der neuesten Gigerlmoden zurückzukehren. Letztere beziehen sich keineswegs nur auf Trachten, sondern auch auf allerhand sonstige Coprizen, die sämmtlich der erfindungsreiche Schneider „creiert". So ist er z. B. der Schöpfer jenes reizenden Brauches, dem zufolge ein Diener seinem Herrn den Spazierstock — selbstredend einen kurzen, armdicken Knüppel oder eine sechs Meter lange dünne Stange — nachträgt oder ihm seinen Hund in einem eigens dazu construirten Rollstuhl voranfährt.
Auf das Floretfechten muß Mr. L. sich jedoch trotz all seiner Europareisen schlecht verstanden haben, denn die schönen Fechterinnen mit Ausnahme der einen, welcher er den Preis zuerkannt, protestirten gegen sein Urtheil. Als galanter Mann, der ihnen nicht widersprechen mochte, schlug er nun vor, die Meisterschaft auszuwiirfeln, was denn auch thatsächlich geschah.
Wahre Orgien feiert die fin de siede Saune auf den Bazars und Wohlthätigkcits-Lottericn. Es giebt nichts, das zu toll und lächerlich wäre, nm es dabei in Scene zu setzen. Während die übrigen Dinge, die verloost werden, hübsch und theilweise werthvoll sind, liebt man's als ersten Gewinn einen Gegenstand zu wählen, der seinem glücklichen Gewinner wenig Vergnügen bereitet. Bei einer französischen Tombola war's ein als Zebra angemalter Esel, bet einer an einem Ort der italienischen Riviera veranstalten ein Haufen großer und sehr schwerer Steine. Der von Fortuna Begünstigte hätte sich natürlich am liebsten nicht gemeldet, aber da man die Besitzer der einzelnen Nummern vorsorglich ausgeschrieben, so blieb ihm nichts übrig, als die zweifelhafte Gabe der launischen Glücksgöttin und am selben Abend gegen ein gutes Trinkgeld forlschaffen zu lassen.
Dies einige Proben davon, wie man sich hier und dort amüsirt. Legen sie auch nicht durchweg von körperlicher Leistungsfähigkeit und Bravour Zeugniß ab, so spricht doch aus allen ausgelassenste jugendliche Daseinslust und daneben allerdings Excentricität. Werden nun auch derartige Belustigungen vermuthlich zu Anfang des kommenden Jahrhunderts unvermindert fortbestehen, so können wir doch wohl, da wir noch am Ende des neunzehnten Säkulums leben, diese extravaganten Amüsements mit Fug und Recht „fin de siäde-Amüsements" nennen.
Gsin-innÄtziges.
Suppe von Feühlingskräuteen. Zehn Personen.
Bereitungszeit 20 Minuten. — Eine vortreffliche, ebenso
wohlschmeckende wie gesunde Suppe erhält man, wenn man im Frühjahr, bei dem ersten sprossenden Grün, folgende Kräuter sammelt: Erdbeerblätter, jungen Sauerampfer^ Brenn-Nessel, Gänseblümchenblätter, Schafgarbe, Gundermann, und einige Hände voll sein gewiegt in 21/2 Liter Wasser auskocht, demselben 20 Gramm Liebigs Fleisch- Extract zusetzend. — Kurz vor dem Anrichten zieht man die Suppe mit 3—4 Eidottern, in Sahne verrührt, ab und- giebt sie mit gerösteten Semmel-Croutons auf den Tisch.
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Frische Heringe, gefüllt. Zehn Personen. Bereitungszeit i/2 Stunde. — 15 Stück frische Heringe werden geschuppt, unterhalb des Kopfes ausgenommen — ohne sie ganz auszuschneiden — eine Stunde gewässert, gut ausgewaschen und getrocknet. — Inzwischen bereitet man die Fülle, bestehend aus 125 Gramm Butter, so vielem, geriebenen Roggenbrot als die Butter ausnimmt, 10 Gramm aufgelöstem Liebigs Fleisch-Extract, zwei Eiern, zwei fein gehackten Chalotten, Salz und fein gestoßenem Pfeffer. — Diese Mischung wird durch die Oeffnung in die Fische gefüllt, die man nun in gequirltem Ei und geriebenem Weißbrot wendet, in Butter auf beiden Seiten bäckt und mit Petersilie garnirt, anrichtet.
Literarisches
Als dritter Band des siebenten Jahrgangs der Veröffentlichungen des „Vereins der Bücherfreunde" erschien soebeu: Thilo VOtt Warden« berg. Berliner Zeit- und Charactergemälde aus der zweiten Halste des 14. Jahrhunderts von Prof. Dr. I. W. Otto Richter. (Otto1 von Golmem. 25 Bogen. Preis geheftet 5 Mk., eleg. geb. 6 Mk. Der Verein für „Bücherfreunde" bleibt mit bestem Erfolge seinem Grundsatz getreu: nur gute deutsche Werke deutscher'Schriftsteller seinen Mitgliedern zu liefern', „Thilo von Wardenberg" ist ein vortreffliches Buch, in hohem Grade geeignet, in fesselnder Weise das jetzt lebende Geschlecht mit unserer Vorzeit genauer bekannt zu machen. Nähere Auskunft über den „Verein der Bücherfreunde" ertheilt jede Buchhandlung sowie die Geschäftsleitung, Berlin W. 62, Kurfürstenstr. 128.
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NlliVersalbuA der Reden und Toaste von Justus Abel. I. Bändchen: Im Elternhaus und Familienkreis. Eine Originalsammlung ausgewählter Reden und Trinlsprüche bei Taufe, Confirmation, Firmung, Geburtstag, Namenstag, Abschied aus dem Elternhause. Achte, völlig umgearbeitete und vermehrte Auflage. Stuttgart, Verlag von Levy <t Müller. Preis 1 Mk.
Köln.
Abschied aus der Schule.
Jn's Leben trittst hinaus Du, Kind;
Wie freundlich lacht's Dich an!
Und doch, — wie Manchem hat's geschwind
Gar bitter weh gethanl
Bisher war Dir die Schule noch Des Lebens kleiner Kreis;
Der Kreis wird größer, Du jedoch Bleibst Schüler selbst als Greis..
Es ist das Leben Jahr um Jahr
Ein stetes „Schulegeh'n";
Da mußt Du lernen immerdar Das Leben erst versteh'»!
O lerne nur und wird's auch schwer, Selbst wenn ein Thränlein fließt;
Dein Lehrer sieht es, Gott der Herr, Warum Du es vergießt. —
Und wenn des Lebens Stürme viel Dir rauh in's Antlitz weh'n, Rur unverzagt und denke still: „Ich muß zur Schule geh'n." —
So geh' mit Gott denn, liebes Kind, Dein Engel geht mit Dir!
Er führe Dich, wo Dornen sind, Recht sorgsam für und für.
Käthe Rosbach, Hauptlehrerin.
Redaction: I. V.: Hermann Elle. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.


