Ausgabe 
30.6.1898
 
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stadt! Andere treten an seine Stelle, um denselben Weg zu gehen. Das ist das entsetzlicheRouge et Noir der moder« «en Cultur.

Gemeinnütziges.

Das Stricken.Stricken ist," so sagt die Jugend, ein überwundener Standpunkt. Gewebte Strümpfe sind billiger, angenehmer und practischer." Das erstere ist wohl wahr, aber angenehmer und elastischer sind gestrickte Strümpfe, auch haltbarer und deshalb practischer als gewebte, ebenso ist das Stopfen gewebter Strümpfe weit schwieriger als das der gestrickten. Junge Mädchen thun gut, alle stricken zu lernen, sie brauchen ja nicht feine schwarze Strümpfe zu stricken, denn was für ein Vergnügen, um nicht zu sagen Glück, das Stricken im späteren Alter ist, kann die Jugend sich gar nicht denken. Bei alten Leuten wird das Feld der Thätigkeit immer kleiner, die Augen werden meist schwächer, viel Bewegung verbietet sich bei manchen von selbst, das Schreiben greift auch an, und das Stillsitzen und gar nichts lhun können, ist eine der größten Plagen für an Thäthigkeit gewöhnte Menschen. Nun kommt das früher mißachtete Strickzeug zu Ehren. Wie vergnüglich ist es, sür Enkel, Neffen und Nichten Schühchen, Jäckchen und Röckchen zu stricken! Und die erwachsenen Enkel nehmen auch gern den von der Großmutter gestrickten Rock! Wenn es einer alten Dame an näherer Verwandten fehlt, kann sie allerlei sür Arme stricken und sich die Freude machen, mit den fertigen Sachen Bedürftige zu beschenken. Wer nicht selbst die Mittel hat, sich das nöthige Material dazu zu kaufen, be­kommt es aus Vereinen gern geliefert. Das Stricken ab- sorbirt nicht ganz das Denken, die fleißigen Hände können arbeiten, die Gedanken aber dabei spazieren gehen und sich in die alten Zeiten zurück versetzen, wo dem Kinde das Stricken so schwer wurde, und auf manche gefallene Masche auch eine Thräne fiel und die Arbeit verdorben war. Freilich, glücklich wäre vielleicht das Kind gewesen, hätte man ihm das Strickzeug genommen, das jetzt die beste Zerstreuung und der Trost der Matrone geworden ist!Modenwelt."

Der Werth der Früchte als Nahrungsmittel. Es sind die Meinungen über den Werth der Früchte als Nahrungsmittel sehr getheilt- viele betrachten das Obst lediglich als ein Genußmittel, legen ihm aber keinen eigent­lichen Nährwerth bei, während andererseits Viele, besonders die Vegetarianer, das Obst als das einzige Nahrungsmittel sür Menschen anerkennen wollen und den Genuß von Fleisch, Geflügel, ja selbst von Eiern und Milch verpönen. Sehr beachtenswerth sind die Ausführungen der soeben erschienenen Schrift:Die Methusalems" oderWie sich das menschliche Leben verlängern läßt", von A. Daul (I. M. Richter's Verlag, Würzburg, 2. Mark). Ohne den Fleisch-, Eier-, Mehl-, u. s. w. Speisen, einen Nährwerth abzusprechen, werden doch die Früchte als die werthvollsten Nahrungsmittel hervorgehoben und als Mittel zur Beförderung der Gesundheit und zur Heilung von Krankheiten bezeichnet. Ueber den zweck­mäßigen Genuß von Früchten werden in dem genannten Buche folgende Regeln aufgestellt: 1. Früchte, welche man roh essen will, müssen reif, frisch und vollkommen sein. 2. Sie müssen vor dem Genüsse von Staub und sonstigem Schmutze und besonders, wenn sie auf dem Markte von verschiedenen Per­sonen berührt worden sind, gut abgewaschen werden. 3. Sie dürfen nur mäßig genossen werden- bei Kernobst ist besonders zu beachten, daß Zwetschen-, Pfirsich-, Pflaumen-, Aprikosen-Kerne nicht verschluckt werden. 4. Man sollte Früchte nicht später, als um 4 Uhr Nachmittags essen. 5. Es sollte Wasser oder irgend eine andere Flüssigkeit früher als eine Stunde nach dem Genüsse von Früchten nicht genossen werden. 6. Um der wohlthätigen Einwirkung des Genusses von

Früchten vollkommen theilhaftig zu werden, sollten sie, kurz, nachdem sie abgepflückt worden sind, gegessen werden. Es ist der Vernachlässigung dieser Vorschriften zu verdanken, daß: man sich vom Genüsse der Früchte das Gegentheil ihres Nutzens zuzieht und die süßesten Aepfel, die süßesten Pfirsiche, die süßeste Traube ansieht, als ob sie Gift enthalten, während sie anerkannt die gesündeste Speise bilden und zur Er­reichung eines hohen Alters wesentlich beitragen.

Ein wahrer Schatz für die Hansfran ist die SuppenwürzeMaggi". Nicht nur kräftigt sie jede schwache Suppe und verleiht ihr ein hochfeines Aroma, sondern sie ermöglicht cs auch, im Nothfalle wie z. B. bei uner­wartetem Besuch einer mit Wasser verlängerten Suppe, durch entsprechenden Zusotz von Würze die ursprüngliche Kraft wiederzugeben und ihren Wohlgeschmack sogar noch zu erhöhen.

Einfache Küche: Rübstiel- Gemüse oder Stielmus. Man verwendet hiezu die Stiele und Blattrippen, manchmal auch das zarte Grün verschiedener Rübenarten, z. Z. vom jungen Kohlrabi, später Krautstrünke, auch die Stengel von aufgeschossenem Salat, welch' letztere als die beste Ait Rübstiel gelten. Man schält und putzt Stengel oder Strünke, wäscht sie, schneidet sie in kleine Stückchen und kocht sie in siedendem, gesalzenem Wasser weich, um sie dann auf folgende Art zuzubereiten: 1. 4 Personen: Man bereitet aus eigroß Butter oder gutem Fett mit zwei Kochlöffelchen Mehl und einer seingeschnittenen Zwiebel ein Helles Einbrenn, giebt dem weichgekochten, gut abgetrvpften Rübstiel hinein, verdünnt mit leichter Fleischbrühe, oder siedendem Waffer, kocht das Gemüse mit Salz, etwas Pfeffer und Muscatnuß gewürzt, gut aus, um es beim Anrichten mit etwas Maggi kräftiger und geschmackvoller zu machen. 2. Man läßt 1 Pfund frisches oder geräuchertes Schweinefleisch eine Stunde in leicht ge­salzenem Wasser kochen, thut einige robgeschälte Kartoffeln und 1IJ Suppenteller voll abgekochte Rübstiele dazu, läßt das Ganze zusammen weich kochen, nimmt das Fleisch heraus und durchdünstet das Gemüse mit drei roh auf dem Reib» eisen geriebenen Kartoffeln. Wenn es durchgekocht, verstärkt man mit etwas Maggi und richtet mit dem Fleisch zusammen an. 3. In 50 Gramm Butter röstet man Mehl, soviel sie annimmt, hellgelb, gießt unter beständigem Rühren */» Liter Milch dazu, fügt noch ein Stückchen Butter, etwas Salz und ge­riebene Muscatnuß hinzu und durchdünstet darin einen Suppen­teller voll in Salzwasser weichgekochten Rübstiel eine Viertel­stunde. Das fertige Gemüse wird mit etwas Maggi im Geschmack gehoben und zu abgebräunten Bratwürstchen, Cotelctten, auch zu Mettwurst oder Schinken gegeben.

Tas Mauerwerk vor den Fenster«, auf welchem im Sommer die Topfblumen stehen, leidet durch das oft­malige Noßwerden sehr, besonders wenn Nährsalze ins Gieß- waffer gegeben werden (was ja der Topsflanze sehr gut thut), zerbröckelt der Mörtel schnell und es erfordert dann ost das Mauerwerk eine sehr theure Ausbesserung. Deshalb ver­fertigte ich einen Holzkasten von der Größe der Fensterbank, nagelte ringsherum einen etwa 10 Zentimeter hohen Rand (gegen vorn kann der Rand 15 Zentimeter hoch sein, an den anderen drei Seiten geht es schon mit einem etwa 3 Zenti­meter hohen Rand). Ich verschmierte alle Fugin gut mit Gips und Glaserkitt, ließ alles gut trocknen und bestrich dann den ganzen Kasten von innen mit erwärmtem Theer und streute gleich danach den Anstrich mit seinem Kiessand aus. Nach etwa einer Woche war der Theer soweit erstarrt, daß nun der Kasten vor das Fenster gestellt werden kann und die Blumentöpfe sammt Untertassen darauf kommen. Der Boden des Kastens ist wasserdicht- man kann ruhig spritzen und gießen, ohne der Mauer damit zu schaden. Einfacher ist freilich ein Zinkblecheinsatz, aber auch viel theurer, als der zweckdienliche Theeranstrich.

Redaction: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.