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nvmmen, aber auch im Freien ausgeführt werden. Letzteres geschieht im Juli und August dadurch, daß man die entblätterten Edelreiser in einer Länge von 8—10 (Zentimeter seitlich einsetzt, verbindet und mit Baumwachs verstreicht. Auch im Frühjahr kann die Veredelung im Freien durch Copulation ausgeführt werden. Die aufgesetzten Edelreiser müssen aber durch übergesteckte, oben geschlossene Glascylinder, die durch Ausschwenken mit Kalkmilch undurchsichtig gemacht sind, geschützt werden.
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Das „Seemoos" ist gegenwärtig Wohl in jedem Hause zu finden- namentlich zur Winterszeit, wenn viele Pflanzen den wohlverdienten Winterschlas halten, muß es unsere Ampeln schmücken, und es erfüllt diese Pflicht in der selbstlosesten Weise, denn es fordert durchaus keine Pflege, nicht einmal Wasser. Das Seemoos hat kein Leben, es erhält sich demzufolge unverändert. Nur darf es dem Sonnenlicht nicht allzusehr ausgesetzt werden, sonst verblaßt seine Farbe — denn diese ist nicht echt. Der Ursprung des Seemooses dürfte wenig bekannt sein- wir entnehmen hierüber einiges einem in der „Jllustrirten Familien-Zeitung" veröffentlichten Aufsatze: Wer den Sommer in einem unserer Seebäder verbracht hat, erinnert sich vielleicht, ähnliche Gebilde am Meeresstrande gefunden zu haben- nur sehen sie glänzend hellbräunlich aus. Es war das „Seemoos" in seiner natürlichen Beschaffenheit, denn das Grün ist künstliche Färbung. Den Namen „Seemoos" trägt das Gebilde jedoch mit Unrecht. Trotz seiner Pflanzenähnlichkeit stammt es nicht aus dem Pflanzen-, sondern aus dem Thierreiche. Es ist ein Polypenstock, eine Sertularie. Betrachten wir die Zweige genauer, so finden wir, daß sich zahlreiche kleine Knötchen auf ihnen befinden, und unter Anwendung der Lupe erkennen wir, daß dies becherartige Erweiterungen sind. In diesen Bechern saßen einst, als sich der Stock noch am Grunde des Meeres befand, die kleinen Polhpen-Thiere. Sie haben einen cylinde- rischen Körper, an dessen oberen Ende um den Mund herum gegen zwanzig weiße, fadenförmige Fangfäden stehen, sodaß die Thierchen wie zarte, zierliche Blüthen aussehen. Während die Pflanzen des Meeres die Blüthen entbehren, finden wir sie bei den Thierbäumen. Ein solches Polypen Bäumchen mit seinen Tausenden von zierlichen Polypen, welche in beständiger Bewegung sind, gewährt einen reizenden Anblick. Nach allen Seiten neigen und wenden die kleinen Thierchen den weichen, schlanken Körper, ziehen sich abwechselnd zusammen und dehnen sich wieder aus, während die biegsamen Faugsäden begehrlich sich schlängelnd hin- und herbewegen, um Infusorien und andere der kleinsten Wassergeschöpfe zu sangen und dem gierigen Munde zuzusühren. Das Bäumchen selbst entsteht als Ausscheidung der Thiere. Aber wir dürfen nicht glauben, daß es, wenn auch aus Hornstoff bestehend, eine tobte Masse ist, welche den Thieren nur als Behausung dient, wie etwa den Schnecken und den Muscheln ihre Schalen. In der Mitte des Bäumchens befindet sich ein Achsencanal, welcher Aeste und Zweige durchzieht und mit der gemeinsamen Leibesmaffe der Thiere ausgefüllt ist, sodaß durch diese sämmtliche Thiere mit einander im Zusammenhang stehen, der Nahrungssaft circulirt durch die gemeinsame Leibesmaffe durch das ganze Bäumchen. Was ein Thier fängt und verzehrt, kommt allen übrigen zu Gute. So arbeitet jedes Thier für das allgemeine Wohl und, wenn ein Thierchen unfähig ist, sich Nahrung zu erwerben, wird es von den übrigen versorgt.
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Gutes Mittel gegen Hühneraugen. Gegen dieses allgemein vorkommende, bei Vielen stabile Leiden sind schon so viele Mittel zur Vertreibung in die Oeffentlichkeit gelangt, daß es fast überflüssig wäre, immer wieder neue Recepte dagegen an das Tageslicht zu fördern. Es soll
iudeß hier ein Mittel gegen die Hühneraugen genannt werden, das sich fast durchweg glänzend bewährt. Man mischt nämlich 5 Gramm Theer, groben braunen Zucker und Salpeter, erwärmt dies Gemisch und streicht davon auf feines Leder, das man in kleinen Pflästerchen auf das Hühnerauge legt.
Mittel, um feuchte Keller trocken $tt machen. Man thue in gebrauchte Konservenbüchsen das Salz Chlvr- calium, kostet pro Kilogramm 30 Pfennig, J/2 Kilogramm genügt für einen größeren Kellerraum. Dasselbe zieht das Wasser aus der Luft au, später steht Wasser darüber. Dann gießt man das Wasser nicht weg, sondern man läßt es auf starkem Feuer verdampfen, wodurch das Salz wieder krystallisirt und zu nochmaligem Gebrauch verwendbar ist. Besonders für Kartoffelkeller ist dies dienlich, da das Keimen der Kartoffeln, wenn auch nicht ganz verhütet, so doch bedeutend verzögert wird.
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Das Reinigen des Messings. Es ist ganz verkehrt, zum Reinigen des Messings eine Säure anzuwenden, dadurch wird dasselbe nach kurzer Zeit wieder matt und glanzlos. Um dasselbe recht glänzend zu machen und ihm seinen Glanz zu erhalten, soll man es vorerst mit einem Gemisch von Olivenöl und feinem Trippel abreiben, und nachher mit Seifenwasser abwaschen und blank reiben.
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Thüren, Fensterrahmen und dergl. zn pntzen. Dieselben reinigt man am besten mittelst Schwamm oder Leinewand durch Wasser, in welches Chlorkalk oder Chlornatrium gethan ist- der schwärzeste, veraltetste, festsitzendste Schmutz weicht diesem Mittel sehr schnell. Man trockne aber nachher mit reiner Leinewand nach, sonst bilden sich auf der Oelfarbe wolkige Stellen, die übrigens durch Waschen mit reinem Wasser wieder verschwinden. — Um Glas und Holz, auf welche Oelfarben oder Lack getropft sind, von diesen Flecken zu befreien, befeuchtet man dieselben einigemale mit verdünntem Wasserglas. Das Wasserglas erweicht alle Farben und Lacke in kürzester Zeit, sodaß dieselben mit Wasser leicht entfernt werden können.
Literarisches
Ein für jeden Haushalt, Gewerbe- und Fabrikbetrieb nützliches Büchelchen ist vor Kurzem unter dem Titel .Samariterbuch für Jedermann" (Allgemein verständliche Anleitung zur ersten Hilsele.stung bei Unglücksfällen Dr. med. Eydam im Verlag von Otto Salle in Berlin W. 30, in neuer Auflage veröffentlicht worden. — Preis gebunden 1 Mk. — Wenn ein Buch bereits in 7. Auflage erscheint und bereits in vielen Tausenden von Exemplaren Verbreitung gefunden hat, so muß sich dasselbe bewährt haben und sich durch besondere Vorzüge auszeichnen. Und in der That vereinigt dieses Büchelchen äußerst anschauliche, für einen Jeden verständliche Darstellung mit einer sehr übersichtlichen Gruppirung des Stoffes, welche ein schnelles Auffinden in der Roth ermöglicht. — Es ist nach Allem ein praktischer Rathgeber in handlicher Form, welcher überall eine Stätte haben sollte, zumal der billige Preis von 1 Mk. für einen Jeden erschwinglich ist; es verdient ein wahres Hausbuch zu werden.
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Das erste Quartal der in Stuttgart erscheinenden „Neuen Musik-Zeitung" (Verlag von Carl Grüninger) bringt musik- pädagogische Abhandlungen von A. Friedmann (Gottfried Kellers Beziehungen zur Musik), H. Abert (Zur Musikästhetik der Griechen), Biographisches aus dem Leben von I. Brahms, Bernhard Pollini, C. Gottlieb Reißiger, Richard Strauß, ausführliche Auszüge aus neuen musikgeschichtlichen Schriften und musikalischen Unterrichtswerken, kritische Berichte über neue Opern, Virtuosen, Novitäten aus dem Concerlsaal, Bildnisse und Biographien und schließlich gewählte Clavierstücke, Lieder und Duos. (Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt nur 1 Mk. Probenummern versendet an Jnteressenteu jede Buch- und Musikalienhandlung, sowie der Verlag von Carl Grüninger in Stuttgart auf Verlangen gratis und franco.)
Redaction: I. B.: Hermann «lle. Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitStS-Buch. und Steindruckerei (Pietsch & Schehda) in Gießen.


