Ausgabe 
30.4.1898
 
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Mer das Bürsten der Zähne.

Von Dr. M. Ehret.

(Nachdruck verboten.)

Das Bürsten der Zähne soll bei Kindern und in der Jugend täglich zweimal geschehen, Früh und Abends. Auch nach dem Mittagessen kann es nur gut sein. Vom dreißigsten Jahre brauchte es nur einmal zu geschehen.

Gewöhnlich wird nur der Quere nach auf den Vorder­flächen der Zähne gebürstet. Das ist ungenügend. Man muß außerdem noch die Kauflächen und die Rückflächen rein bürsten. Am dringendsten aber ist es, die Zwischenräume sauber zu bürsten- denn wir wissen, daß von diesen aus gewöhnlich, an den Vorderflächen aber höchst selten die Zer­störung beginnt. Um die Zwischenräume zu treffen, ist es nöthig, die Bürste in der Richtung vom Zahnfleische nach der Kaufläche hin zu bewegen, also an den unteren Zähnen aufwärts, an den oberen abwärts. Der Anfänger stellt sich zwar etwas ungeschickt dabei an, er darf sich aber dadurch nicht abschrecken lassen. In kurzer Zeit hat man sich daran gewöhnt.

Die Zahnbürsten haben verschiedene Formen. Man hat außer den einfachen Formen, bei welchen der Griff ziemlich gerade und die Borsten ziemlich gleich lang sind, solche mit gekrümmten Griffen und mit Borsten von verschiedener Länge. Man soll mit solchen Bürsten im Stande sein, leichter in die Zwischenräume und in etwa hohle Zähne zu gelangen. Was indessen die hohlen Zähne betrifft, so sind sie in einem ge­pflegten Munde einfach nicht vorhanden, die Zwischenräume aber trifft man mit den einfach gestalteten Zahnbürsten ebenso gut, wenn man nur in senkrechter Richtung bürstet. Wenn es nöthig wäre, für die verschiedenen Zwecke ver­schieden gestaltete Zahnbürsten zu gebrauchen, so müßte sich Jeder deren mehrerer bedienen. Dies wird selten Jemand thun, und es ist auch überflüssig.

Die Zahnbürste soll nicht zu hart sein, damit man sich nicht das Zahnfleisch verletze. Zu weiche Bürsten aber ver­lieren die Borsten leicht und putzen nicht gründlich genug. Wenn man sie in Wasser eintaucht, werden sie auch noch weicher. Man soll sich daher mittelharter Bürsten bedienen.

Nach dem Gebrauche wird die Zahnbürste gehörig aus­gespült, etwas abgetrocknet und dann ausgehängt, damit das Wasser noch vollends ablaufen kann.

Man hat auch Gummibürsten in den Handel gebracht. Dieselben sollen den Vortheil haben, daß sie das Zahnfleisch nicht verletzen. Ich kann indessen die Versicherung geben, daß die Gummibürsten ungenügend wirken, indem sie den schmierigen Zahnbelag nur untereinander wischen, aber nicht wegreiben und somit das Zahnfleisch locker werden lassen, daß dagegen mittelharte Bürsten das Zahnfleisch nicht verletzen, wenn das­selbe nicht durch vernachlässigte Zahnpflege locker und blut­überfüllt ist.

Trotz sorgfältiger Pflege kommt es vor, daß die Zähne doch erkranken. Andererseits giebt es Leute, die verhältniß- mäßig wenig kranke Zähne haben, obgleich sie nie eine Zahn­bürste gebrauchen. Diese beiden Thatsachen nebeneinander gestellt beweisen scheinbar die Nutzlosigkeit der Zahnpflege. Indessen ist Anderes dabei zu berücksichtigen. Wer trotz sorg­fältigster Pflege einige hohle Zähne bekommt, würde ganz bestimmt viel schlimmer daran sein, wenn er die Pflege ver­nachlässigte. Die Zähne sind eben nicht alle gleich. Die weißen, bläulichen und grauen Zähne zerfallen leicht. Werden sie gar nicht gepflegt, so sind mit dem 20. bis 30. Jahre ganze Reihen derselben zu Ruinen geworden. Mit Hilfe sorgsamer Pflege sind sie hingegen mit nur geringen Verlusten bis ins Alter brauchbar zu erhalten; denn ein Gebiß kann noch sehr gut und brauchbar sein, wenn auch in sachverständiger Weise einige Zähne davon geopfert sind, wenn man statt 32 Zähnen nur 28 oder 24 besitzt und von diesen noch die meisten gefüllt sind.

Was die gelblichen, festen Zähne betrifft, fo scheinen

sie unverwüstlich zu sein und doch unterliegen auch sie oft der Zerstörung. Man muß nur genau Hinsehen und die Backzähne untersuchen, so wird man ost Defecte finden. Freilich halten sich solche Gebisse von selbst so gut, wie man weichere Zähne nur bei sorgsamer Pflege erhalten kann. Werden aber feste Zähne auch noch sauber gehalten, wie es immer sein sollte, so werden nur ausnahmsweise Defecte daran entstehen.

Ein wichtiger Einwand gegen das Bürsten der Zähne ist der, daß das Zahnfleisch leicht blute. Aber das Zahn­fleisch wird gerade durch das Bürsten hart und gesund. Wenn man es täglich wenigstens einmal gehörig bürstet, so blutet es nie. Unterläßt man diese Procedur aber nur einen Tag, so ist das Zahnfleisch am anderen Tage in Folge des am Rande desselben angesammelten gährenden, reizenden, Belags bereits locker genug, daß es nun bei Berührung mit der Bürste blutet. Wer also leicht blutendes Zahnfleisch hat, dem ist nichts Besseres zu rathen, als unbekümmert um den geringen Blutverlust die Zähne Früh und Abends mit einer mittelharten Bürste zu behandeln. Nach 4 bis 6 Tagen wird, falls nicht eine besondere Krankheit vorliegt, das Zahn­fleisch nicht mehr bluten.

Weiter macht man gegen das Bürsten der Zähne geltend, es ginge der Schmelz dadurch verloren. Dies ist ganz falsch. Der Schmelz kann wohl mit der Zeit etwas dünner geschliffen werden der Tropfen durchlöchert ja den Stein ; aber ein Menschenalter reicht nicht hin, bei täglich zweimal wiederholtem Bürsten den Schmelz völlig abzubürsten. Wo sich eine Abnützung des Schmelzes zeigt (und solche Fälle sind sehr selten), liegen ganz andere Ursachen zu Grunde. Bisweilen kommt es vor, daß quere Furchen an den Zähnen entstehen und wahrscheinlich theilweise durch das Bürsten. Aber diese keilförmigen Defecte entstehen nicht durch Abnützung des Schmelzes, sondern des Cementes, einer- weicheren Substanz, die den Wurzeltheil des Zahnes gerade so überzieht, wie der Schmelz den Kronentheil. Der Wurzel­theil steckt in der Jugend im Kiefer- im Alter aber schrumpft der Knochen, und das Zahnfleisch zieht sich zurück. Meist ist schon vom dreißigsten Jahre an ein geringes Zurückweichen des Zahnfleisches zu bemerken und in diesen Fällen können durch vieles Bürsten in querer Richtung Rinnen in den Zähnen entstehen. Diese Fälle kommen aber nicht zu oft vor, und man soll eben nicht blos in querer, sondern vor­zugsweise in der Richtung bürsten, wie die Zähne gewachsen sind.

GsHMHilBNÄtzig-O.

Hochstämmige Johannis nnd Stachelbeer­sträucher. Die als Fruchtsträucher cultivirten Stachel- und Johannisbeeren haben wenig Neigung, eine Baumform zu entwickeln, sondern wacksen meistens in Strauchsorm. Um nun hochstämmige Stachel- und Johannisbeeren zu erhalten, werden dieselben auf eine andere, die goldgelbe Johannis­beerart veredelt, da die Stämme derselben ein schlankeres und kräftigeres Wachsthum haben vor den in Strauchform gezogenen voraus, daß ihre Früchte sich vollkommen ent­wickeln, da Licht und Luft zur Baumkrone besseren Zutritt haben. Die Früchte können sogar bei heftigem Platzregen nicht mit Erde beschmutzt werde«, und die Schädigung durch Jnsecten ist an Bäumchen ebenfalls geringer als an Sträuchern. Auch das Ernten der Früchte ist bei Hochstämmchen bequemer als bei Sträuchern. Der goldgelbe Johannisbeerstrauch kann ebenso wie Fruchtsträucher aus Stecklingen gezogen werden. Von den an letzteren sich entwickelnden Trieben läßt men nur einen wachsen, entfernt die übrigen oder mäßigt ihr Längenwachsthum durch Abkneipen der Spitzen. In zwei Jahren sind die Stecklinge soweit erstarkt, daß sie veredelt werden können. Die Veredelungen können im Gewächshause durch Eopulation oder Pfropfen in den halben Spalt borge-