Ausgabe 
30.4.1898
 
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und

wie

Klingel zu ziehen.

*

Ebba, nun weiß ich wirklich nicht, was ich sagen soll, kann Dir hier nicht einmal einen Handkuß geben.

Erlassen!" klang es gleichmüthig aus der Wagenecke. Wohin fahren wir denn eigentlich?" fragte er.

Zu einer Besuchstournee, den lieben Freunden zeigen, aut unser Einvernehmen ist!"

Nein, Ebba, Du bist eine Frau Du bist die echte

Weltdame - Du bist musterhaft," rief er enthusiastisch aus.

Sie zog den Schleier glatt- nicht em Zug veränderte sich in dem lieblichen Gesicht.

Als ich Dich heirathete, Conrad, hoffte rch eine reiche, unabhängige Frau zu werden, um ,das Leben zu gemeßen. So wenig als möglich Unangenehmes m dasselbe zu bringen, muß da das erste Gebot sein, dem >ch zu folgen habe, ^ch bin ein Programmmensch wie Du stehst.

Eine bewunderungswürdige Frau!

Ein leises Lachen.Für die Du Dich vielleicht mter- essiren würdest, wenn sie nicht Deinen Namen trüge.

Ebba wahrhaftig" ,

Der Wagen hielt mit einem Ruck vor einer Villa m der Rauchstraße und der Diener flog an die Thür, um die

viel zu verbergen, als günstig für ihn war. Seine Rede mit englischen Floskeln zu mischen, hatte er zu guten

1 Und dann hätte ich eine Bitte, Conrad!" Nur ein ganz klein wenig hob sie das Köpfchen und sah ihn von

Ebba, was in meinen Kräften steht," beeilte er sich, $Laß derartige Schriftstücke nicht fo achtlos umherliegen, es ist wegen der Dienerschaft."

Nun holte er fast schnappend Athem das ging noch über Alles diese Frau überraschte immer aufs Neue. Nichts als diese freundschaftliche Warnung, wie sie ihm sein Freund von Wiesenau oder der dicke Valentin Hopf auch hätten geben können. Er versuchte, ihr in die Augen zu sehen, aber die Lider mit den langen Wimpern blreben

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eine empfindliche Seite berührt. Ja, Alt m.t. Jung, hatte gefroren unter den Blicken der geborenen Gräfin Borstn - Und sonderbar, den einzigen Wunsch, welchen sie gehabt, daß ihre Tochter Ebba eine vornehme Herrath fäW/ hatte fic icbeitern sehen müssen Ebba hatte die Millionen bi~> H^rn Lund dem Wappen eines armen, adeligen Lieutenants vorqczogen.Ich bin Deine Tochter," hatte die Sieb- rehniähtiqe gesagt eisig und selbstbewußt.

Sie haßte die Visitenkarte der, MutterKarin Meyer- ling, geb. Gräfin Borstrick", weil sie sich überall ausdrarrgte und die neunzackige Krone, welche an jedem nur möglichen Platze im elterlichen Hause angebracht war, war eine Dornenkrone für ihren Vater geworden, das hatte sie sehr früh erkannt und das bürgerliche Element m ihr empörte sich, wenn ihr von den Ahnen erzählt wurde, die nur voll er Tugenden gewesen waren, die sie erwerben sollte. All diese Urgroßmütter und Urgroßtanten, das Einzige, was ihre Mutter von dem verblichenen Glanz des Geschlechts gerettet, waren alte Bilder, erschreckten sie, und doch hatte sie auch ihr Erbtheil von ihnen bekommen.

Der Wagen war schon zwei Straßen weit nach W. zu­gerollt, als erst das Schweigen der Insassen durch Frau Ebba gebrochen wurde.

.Ich schicke Fräulein Annette morgen fort! jagte sie.

So !" Herr Lund, der Consul einiger kleiner sud- amerikanischer Staaten war, aus Vergnügen au dem Titel und den Orden, fragte nicht nach dem Grunde. -6« seinem fürstlichen Hause war seme Frau unumschränkte Regentm.

Frau Ebba steckte die Hände in die winzig kleine Muffe, die zu ihrem Anzuge paßte.Sie war mir nämlich zu aufmerkfiim.o^" @atte zurück, gewissermaßen nur

mechanisch und höflich, denn ihn interessirte die ganze Sache nicht und Ebbas ungewohnte Mitthcilsamkeit zog seine Auf­merksamkeit von einer sehr eleganten, vorübergehenden Dame ab der er scharf nachblickte er meinte, er muffe sie schon irgendwo gesehen haben- äußerst chiker Anzug, jedenfalls

g Sie fand vorgestern einen offenen Brief der kleinen Beril an Dich und glaubte mir ihn bringen zu muffen. Solch einen Uebereifer kann ich nicht brauchen, der ist mir

Das Haus an der Thiergartenstraße, welches Herr- Johann Conrad Lund seinem Sohne bet der Verhelrathung überaeben stand schon sehr lange und lag tief zuruck tu einem großen, schattigen Garten. In seinem soliden Aeußern hatte es lange Zeit gar keinen Styl repräsenttrt, dann war ein findiger Architekt auf den Gedanken gekommen, thm ein Mansardendach aufzusetzen und Rokokoornamente anzubrtngen und so glich es einem Schlößchen aus dem vorigen Jahrhundert. Frau Ebbas Aufgabe war es dann gewesen, es entsprechend zu möbliren; eine Zeit lang war e§ für sie ein anqenehmer Sport, wirklich ächte Möbel tu Franlretch und in den ehemaligen kleinen deutschen Residenzen zu er- steheo - so hatte fast jedes Stück seine Geschichte, a er das Ganze war einheitlich und der rechte Rahmen für ihre zierliche Gestalt. Sie ging so weit, dem zurückliegenden Zeitgeschmack gemäß Tempelchen und Grotten m dem Garten ?u erbauen, und nun konnte eine bewegliche Phantasie und ein gefälliger Glaube die sauberen Kieswege, die gobelm- bekleideten Pavillons und die Boskets und Taxusgange mi Gestalten in Reifrock und Pudder bevölkert gewesen sein lassen.

Jacqueline Arabin kam aus dem Mansardenstock Herav, in welchem ihr Zimmer lag, ihr war am gestrigen Abend der Raum neben dem Schlafgemach der Kinder überwiesen. Es war zu spät gewesen, noch die Bekanntschaft mit den

M d'° «*Z8 zwischen dem neuen Fräulein und Lonny und Henny nich, sie wandten sich ab, wollten sie nicht begrüßen und flüchte en zur alten Fischer, der ehemaligen Pflegerin Ebbas, die ihr gefolgt war. , , L.

(Fortsetzung folgt.)

unbequem. _ @bba _ wahrhaftig," stotterte Herr Lund und blickte die kleine Frau von der Seite an, als se es das Natürlichste von der Welt, wenn sie jetzt in einen Zornausbruch gerathe. Aber, sie saß ganz kerzengerade, ganz kühl da. Er hatte nach wenig Minuten fast em Ge- sühl der Bewunderung für sie. Diese vornehme Selbs- beherrschunq war doch unbedingt das schwedisch gräfliche Blut in ihr. Seit längerer Zeit machte er allerdings der kleinen Opcrettenfängerin den Hof, das war kem Gehetmmß und daß die scaudalsüchtige Gesellschaft Ebba irgend eine Picante Andeutung machen würde, darauf war er gefaßt.

Daß sie nun aber diesem corpus delicti aug der Hand des Fräuleins gegenüber so gelasseni blieb, nein, wahrhast'g, das war groß. Er gelobte sich, ihr noch heute em Arm­band, wie sie es sich gewünscht, auf den Toilettentisch zu legen.

Herr Conrad Lund, dessen Vater ein Emporkömmling war, der durch Fabriken und glückliche SPeculatwnen zu Rittergütern und großem Reichthum gelangt war, stellte in seiner Erscheinung schon den Mann dar, m deni BauerMhum und Arbeitsmensch überwunden sind hatte sein Vater noch immer einen Kampf mit den Formen zu bestehen, ° waren sie in Vollendung schon bet ihm zu finden. Er hatte eine etwas übergroße Gestalt, sehnige Muskeln und lange Gliedmaßen aber da er sich auf das Englische üi semer Erscheinung dresstrt hatte, stimmte das Ganze, «eui roth- licher Bart war nach englischer Mode geschnitten, se"' Anzug bis aufs Geringste, neueste Fashion, von jen eits des Canals, seine wasserblauen Augen blickten gutmuthig in die Welt, von der Schlauheit seines Characters wußte er gerade so