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Interesse —"
Die Klingel wurde gezogen, die Sprechstunde begann, die Kubaitz ging, um zu öffnen. Sie hatte ein Lächeln um den Mund, das des Doctors letzter Bemerkung galt. „Oho, dem gefallen die Blonden und die Schwarzen!"
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„Schöne Cousine", sagte Joachim von Monken, „wenn Sie doch einmal eine rechte Aufgabe für mich hätten, durch welche ich Ihnen beweisen könnte —"
„Was?" Ebba Lund sah kühl zu ihm hinüber.
„Wie tief meine Verehrung, wie groß meine Bewunderung ist —"
„Aber das erzählen Sie mir so oft, daß ich s glauben muß, um den Wiederholungen vorzubeugen. Nun ich glaube — also abgethan!"
Sie legte die kleinen Hände in den Schooß, er rang die seinigen verzweiflungsvoll.
„Ich möchte, Jemand verleumdete Sie, nur, damit ich mich für Sie schlagen könnte."
„Würde mir gar keinen Eindruck machen. Und dann, wenn Sie verwundet würden und lange von meinen Fünf- uhrthees wegblieben, wäre mir das unangenehm, ich würde Sie vermissen."
„Wirklich, schöne Cousine —"
„Natürlich." Ein Kopfnicken begleitete die Worte. „Wer soll die Tasse aus meinen Händen weiterreichen, wer prüfen-
Nun
^Ach gnädige Frau, weil die Henzen nun doch mal so schüchtern is, da schickt sie mich denn, nämlich, um zu sagen, daß nun Alles wieder gut is — der Herr Doctor, der versteht seine Sache auch."
In einer Vase standen herrliche, frische Rosen, die hob Ebba Lund empor und trank den süßen Duft.
„Es freut mich — lernt der Kleine brav?"
„Intelligent, gnädige Frau, ganz intelligent, der Herr Doctor sagt das auch — na, und was der sagt, ganz abgesehen davon, daß ich nun in seinem Hause bin."
Wie leid er ihr plötzlich that — wenn er nach Hause kam, bezahlte Fürsorge, und sein anstrengender Beruf erforderte mehr, wie jeder andere die Theilnahme einer gebildeten Seele. — Mit einem Ruck setzte sie die zerbrechliche Vase nieder, die Wassertropfen spritzten weithin über die kostbare, goldgestickte Decke. Sie hatte einen Gedanken gehabt, der sie ärgerte — wenn Bruno Hallsberg es machte, wie die jungen Kollegen, sich verheiratete aus Liebe nicht, Gott bewahre, aus Bequemlichkeit! Und warum sollte ers nicht. Sie bog die schlanken Finger zusammen, als wolle sie dieselben in das eigene Fleisch graben.
„Na ja," sagte die Kubaitz, „das muß der Herr Doctor mir lassen, seine Sachen halte ich in Ehren und Pünktlich.
Ebba war, als würde ihr bereits höhnisch lächelnd von allen Seiten zugeflüstert, welch' großes Glück ihr Protege, der Doctor Hallsberg mache, „eine reiche wohlerzogene, junge, hübsche Dame!"
Nein, sie würde es nicht dulden!
tirt so zierlich, wie Sie den ältesten Damen den Zucker ? Wer springt bei den alten Majors und Rentiers so redebereit in die Unterhaltungspausen?"
„Sie sind grausam — ich möchte gar nicht mehr kommen, Sie quälen mich zu sehr," ries er, Unmuth im Ton.
Da lächelte sie nur ein wenig und reichte ihm die Hand, zu flüchrig, als daß er einen Kuß hätte drauf drücken können. , , _ .. „ ,x
Aber innerlich grollre sie- da verbrachte sie die Zeit mit einer Tändelei, die sie langweilte. Sie wußte wohl, unzählige Frauen ihres Kreises sahm den schönen Monken gern kommen, lachten mit dem allzeit Lustigen, nahmen seine Complimente auch wohl ernster — nein, sie rangirte nicht mit ihnen.
Zum ersten Mal in ihrem Leben zweifelte ste daran, daß sie ihren Willen erhielt — Sie hatte zu früh geglaubt, daß sie Bruno Hallsbcrgs sicher sei — er schien ihr wieder entrückter. Sein Blick war kühler, er kam selten, er hatte keine Wünsäw für seine Armen. Die dumme Uebereilung, in die sie sich selber hineingetrieben! — Was wollte sie denn von ihm? Ihn, der sich b anders gezeigt hatte, als sie Alle, zu Ihren Füßen sehn? - Bah! Benno würde nicht knieen, wie eben Alle — den müßte eine Gewalt bezwingen und niederdrücken.
Wenn er sie jetzt mied, kämpfte er gegen dieje drohende Gewalt au — gegen die Liebe, die ihn beugen wollte? Seit die eifersüchtige Regung auf Line Arabin in ihr erwacht war, glaubte sie oft, sie müsse diesen Mann für immer vor dem Begehren Anderer sichern — zu sich retten, sich zu ihm. ^Es gab Stunden, wo sie sich in ihren Gedanken nicht mehr auf das Postament stellte, über ihn, sondern wo sie in heißem Sehnen die Arme nach ihm ausbreitete, sich ihm zu nähern auf gleichem Boden. „ .
„Da ist eine Frau Kubaitz," sagte Walther, zögernd | seine Meldung vorbringeud.
Sie schnellte aus dem tiefen Sessel empor.
„Eine Armensache, Cousin! Blättern Sie einstweilen — nein, bitte, schneiden Sie mir das Buch hier auf."
Er blickte ihr nach „Und diese Frau vernachlässigt ihr Gatte — und sie wirft sich auf charitable Dinge !"
Die Kubaitz knixte, das Gesicht Ebba's hatte einen freundlichen Ausdruck.
der brennenden Sehnsucht nach den trotzigen rothen Lippen i hatte er noch Vorwürfe für sich selber —
Die Kubaitz kam geräuschlos über den Teppich.
„Der Herr Doctor haben nun wieder ^hren Thee nicht angerührt —"
Keine Antwort vom Fenster her.
„Und hier ist die Tafel - so viele Besuche soll der Herr Doctor machen, der Herr Doctor sind wirklich zu sehr begehrt —"
Er machte eine Bewegung nach dem Schreibtisch.
Sie legte die Adressen nieder — die Stellung hatte ste sich besser gedacht, man war hier zu großer L>chweigsam- keit verurtheilt. Nicht einmal die gewöhnlichen Patienren durste sie ausfragen, und auf dem Schreibtisch fand sie keine Befriedigung für ihre stumme Neugier. Recepte, Register, Bücher, auch nicht ein kleiner Liebesbrief, wie ste das von früheren Miethsherren her kannte.
„Frau Kuba tz!"
Sie drehte sich in der Thür des Nebenzimmers um. „Herr Doctor!"
„Sie erinnern sich des Fräuleins von Arabin, da» damals bei Ihnen wohnte — deren Vater starb?"
„Ob, Herr Doctor, ob! Schön — und ein bischen hochmüthig. Der Herr Doctor hat ja das auch gemerkt, als Sie sich ihrer —" „
Er unterbrach sie jäh, den einen Fensterflügel zuschlagend.
„Sie haben die Dame nicht wiedergesehen, wie?" Beteuernd legte sich die breite Hand auf die Brust.
„Nie, Herr Doctor! Ne Stelle, aber nid) wohin und woher, das war so ihre Art. Freilich, bis auf den letzten Pfennig bezahlt — ne, was recht is. Un die Henzen, meine Schwester, die für's Schöne is, sagt man, das wäre ein Gesicht sür's Theater. Na, da is sie am Ende — bei's Theater."
Seine Hand suchte die Kante des Schreibtisches, glitt an ihr hinunter und streckte sich dann nach einigen Papieren aus.
„Wenn Sie Ihnen zufällig einmal begegnen sollte, so suchen Sie doch zu erfahren —" — es , kam förmlich widerstrebend über seine Lippen — „wo sie wohnt und was sie treibt —" ,
„Aber natürlich, Herr Doctor, das woll'n wir schon ntaiiien —." Sie gestikulirte in ihrem Eifer. „Wenn ich dem Herrn Doctor 'nen Extragefallen thun kann, da bin ich gewiß zu finden." ,
Er wurde verlegen. ist zwar nicht in meinem


