sCTOiJ
er viel einst zu verkünden hat, Schweigt viel in sich hinein; Wer einst als Blitz zu zünden hat, Muß lange Wolke fein I
Friedrich Nietzsche.
Der Amtmann von Rapshagen
Criminal-Roman von F. Arnefeld.
(Fortsetzung.)
Es war allerdings keine Aussicht, daß eine solche Begegnung stattfinden könne, denn Carola Munter hatte seit jenem Sonntag Nachmittag, an dem ihr mit der Kunde von Anna Haltens Tode zugleich die Gewißheit geworden war, daß Adolf Göbener mit ihr und jener ein Doppelspiel getrieben habe, Waldhof nicht wieder verlassen und sowohl der Amtsrath, wie ihre Mutter hatten sich gehütet, in irgend einer Weise auf sie einwirken zu wollen. Die Letztere kannte ihre Tochter und wußte, daß das schöne, stolze Mädchen mit sich allein fertig werden müsse und Wenzel war viel zu rücksichtsvoll, um die Nichte merken zu lassen, welchen tiefen Blick er in ihr Herz gethan.
Beide hofften außerdem, .Carola müsse sich schnell über ihren Kummer erheben, sie befanden sich dabei freilich im ^rrthum. Gerade weil sie eine größer angelegte Natur war als Adolf Göbener, und weil sie sich bisher spröde gegen I-de Liebe gewehrt, hatte sie, nun sie sich ihr hingegeben, mrt voller Stärke von ihrem Herzen Besitz ergriffen. So sehr sie sich muhte, Adolf zu verachten und zu Haffen, sein Betragen gegen seine Braut sich in dem häßlichsten Lichte darzustellen, so vermochte sie doch nicht zu verhindern, daß ein tiefes Mitleid mit ihm sie erfüllte.
Mit bewundernswürdiger Treue hatte ihr Gedächtniß beinahe jedes Wort aufbewahrt, das er zu ihr gesprochen, und wenn sie sich dieselbe zurückschauend wiederholte, da wurde ihr die Bedeutung von vielen Aeußerungen klar, an denen sie achtlos vorübergegangen war.
Adolf Göbener hatte sie kennen gelernt, als er schon gebunden war und sie geliebt mit einer ganz anderen Liebe, vermocht' 6efd,ränEte Mädchen einzuflößen
i Gewiß, es wäre richtiger, es wäre ehrenhafter gewesen, wenn er sich ihr nicht genähert, wenn er eingestanden hätte, daß er gebunden sei. Aber war es an ihr, ihn darum zu verdammen? War es nicht doch nur die Liebe zu ihr, die ihn vom Pfade des Rechtes hinweggelockt. Und war er nicht grausam genug bestraft?
Wenn wirklich geschehen, was man sich zuflüsterte, daß i Anna Holten durch Selbstmord geendet habe, so lag diese : Last für sein ganzes Leben, es vergällend, aus seiner Seele, f Und wie es auch sein mochte, sie waren getrennt, nie konnte s sie die Seinige werden.
! In wenigen Wochen wollte sie mit dem Amtsrath und j ihrer Mutter die Reise nach der Schweiz antreten, von dort i nach Paris zu der russischen Familie gehen und erst in i Jahren nach Deutschland zurückkehren. Ihre und Adolf > Göbeners Wege würden sich nie wieder kreuzen.
: - Wie schmerzhaft ihr Herz bei diesem Gedanken sich zu- ! sammenkrampfte, wie heiße Thränen sie vergoß!
< In den sich immer dichter belaubenden Wegen des Parkes Stunden lang rastlos bis zur vollsten körperlichen Ermüdung auf und ab wandelnd, rief sie seinen Namen voll Mitleid und Sehnsucht.
Adolf Göbener hätte zufrieden sein können, hätte er sie jemals so gesehen.
Von einem solchen Spaziergang zurückgekehrt, saß Carola mit dem Amtsrath und ihrer Mutter, anscheinend heiter, in Wahrheit aber in tiesster Seele betrübt, beim Abendessen, bemüht, freundlich und angelegentlich an dem Gespräch theilzunehmen, das sich wieder um die Reise drehte. Diese Reise, mit welcher man sie zu zerstreuen hoffte und der sie doch entgegensah wie der Verurtheilte der Vollziehung des über ihn gefällten Spruches.
Mit Todesverachtung schickte sie sich eben an, die Portion frischer Spargel zu verzehren, welche ihr der Amtsrath, weil sie nach seiner Meinung gar zu zimperlich zugegriffen, auf den Teller gepackt hatte, da trat der Diener, der die gebrauchten Teller hinausgetragen hatte, wieder ein und meldete, Herr Doctor Holten sei soeben gekommen und lasse den Herrn Amtsrath um eine Unterredung unter vier Augen bitten.
Amtsrath Wenzel erbleichte. Doctor Holten bei ihm in Waldhof? Was konnte das zu bedeuten haben? Sein erster Gedanke war, seiner Tochter könne ein Unfall zugestoßen sein und der Doctor sei der Ucberbringer der NaL- richt, so unwahrscheinlich es auch war daß dieser daran


