Ausgabe 
29.1.1898
 
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G-MernnNtziges.

Wie entfernt man Eisenrostflecke ans Kleider«. Bei echtfarbigen Baumwollstoffen und bei Schafwollstoffen wendet man Citronensäure an. Auch folgendes Verfahren führt bei Stoffen aus gefärbter Baumwolle und Wolle zum Fiele: Auf den Fleck wird ein Tropfen von einem brennen­den Talglicht fallen gelassen und beides in concentrirter phosphorsaurer Natronlösung ausgewaschen. Je alter der Fleck, um so gründlicher muß gewaschen werden. Bet echt- farbiaen Stoffen kann man Weinsäure oder Chlorkalk an- wenden. Sollte das betreffende Kleid ein seidenes oder Atlaskleid sein, so wird es bet sehr feinen Stoffen kaum etwas helfen. Läßt es jedoch die Farbe zu, so werd der Fleck mit starkem Essig befeuchtet, eine Zeit lang mit Buchen­holzasche bedeckt gelassen und endlich ln starkem Seifenwasser ausgewaschen. Bei sehr veralteten Rostflecken. Wasche n verdünnter Zinnchloridlösung aus und schwenke gründlich in warmem Flußwasser durch.

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Pikante Eier. Die Eier werden ziemlich hart ge­kocht, der Länge nach halbirt, mit geriebenem Rauchfleisch und Kapern, oder Senf und geriebenem Kräuterkäse bestreut, dann wird eine Remouladensauce darüber gegossen und sie \ zu seinen Butterbroden gereicht. ___

nehmen sie in eine Hand derart, daß der Zeigeflnger zwischen ihnen liegt, und handhaben sie so geschickt, daß sie selbst einige Reiskörner damit aufnehmen können. So haben sie es schon vor Jahrhunderten gethan, während unsere Vor­fahren noch im siebzehnten Jahrhmidert mit den - Fingern aßen und keine Teller kannten! Wem kommt mcht die Ver­ordnung der großen Kaiserin Maria Theresia in denl Sinn, in welcher sie den Offizieren verbot, an der Hoftafel mit den Fingern zu essen oder sich die Nase "w Rockarmel abzu­wischen? Und doch machte ich diesmal im Stillen den Chinesen den Vorwurf, daß sie noch keine Gabeln besaßen, denn wie sollte ich denn all die guten Dinge essen? Sollte ich wie Ludwig XIII. von Frankreich auch die Finger gebrauchen? Die Antwort gab mir mein Gastherr selbst, als er zu Beginn der Mahlzeit seinen kleinen Porzellanbecher mit warmem Reiswein, Samschu, d. h.dreimal gebrannt yit |anb nahm und erklärte, er hätte auf meinen Wunsch dieses Gast- mahl veranstaltet, um mir Gelegenheit zu geben, die chinesische Küche kennen zu lernen. Dazu gehörten auch die Chop Sticks. Ec hoffe, ich werde dieselben noch recht häufig tn seinem Hause gebrauchen. Darauf leerte er fern Schälchen Wein, mid sich gegen mich verneigend, drehte er das Schälchen in seiner Hand um. In ähnlicher Weise zeigten mir auch die anderen Gäste ihre geleerten SamschuschMen, und ich mußte selbstverständlich das Gleiche thun. Der Geschmack des Weines war wie lauwarmer, scharfer Sherry.

Neben meinem winzigen Tellerchen lag glücklicherweise noch ein kleiner Löffel von Porzellan und Silber, in seiner Form einem Kochlöffel nicht unähnlich,- an Stelle btt Serviette hatte jeder Gast einige bedruckte Papierblattchen, wie sie durch die Japaner auch in Europa bekannt sind, nur kleiner, denn sie dienen nicht als Serviette, sondern zum Abwischen der Reisstäbchen, die während der Mahlzeit nicht gewechselt werden. Die schmutzigen Papierchen werden einfach unter den Tisch geworfen. Vor fedem Gast stand überdies ein kleines, silbernes Schälchen für Gewürze und ein zweites aus schönem blauen Porzellan für Soya, eine Gewürzsauce, die bei den wenigsten Mahlzeiten fehlt.

(Schluß folgt.)

M,.,.**. ta **** «-»«"8 '>*' U. « d.. .uf Are stehen blieben. Jede hielt eine Wasserpfeife und eine glimmende Lunte in der Hand. Sie waren die Diene-

Tttine®et Ausdruck Dame ist hier nicht recht gewählt, denn die Frauen der Chinesen sind bei den Mahlzeiten, an welchen andere Männer, ob Chinesen oder Europäer, theilliehmen, niemals zugegen. Da aber die Bewohner des Reiches der Mitte sich bei solchen Festlichkeiten auch gerne unterhalten, so ziehen sie an Stelle ihrer Frauen öffentliche Sängerinnen bei, von jener Sorte, welche nach unseren Anschauungen den Namen Dame nicht verdienen. Nicht etwa, daß sich die am wesenden Chinesinnen irgend welche Freiheiten tn d^ Toilette oder im Benehmen gestattet hätten. Beileibe nicht. Ihre langen, blauseidenen Gewänder, über und über mit den köst­lichsten Stickereien bedeckt, reichten vom Halse bis an die Knöchel, und niemals würde sich bet solchen Gelegenheiten auch die schlimmste dieser Blumen nur halb so viel Toilette­freiheit erlauben wie unsere Damen der Gesellschaft. Die sechs Blumen unserer Taselrunde gebärdeten sich sittsam und bescheiden, und als endlich der Gastherr uns emlud, den Speisesaal zu betreten, trippelten sie alle zusammen uns Männern nach. In China würde es für Verrücktheit oder gar Unverschämtheit angesehen, wollte man einer Dame den Arm reichen, um sie zu Tisch zu führen. -

Der Speisesaal war em geräumiges hohes Gemach, besten eine Wand ganz aus curiosen, durchbrochenen Eben­holzschnitzereien bestand, mit runden, weiten Oeffuungeu, durch welche wir den schönen Garten und Lotosteich des Gastherrn sehen konnten. Die Tafel stand der gegenüberliegenden Seite etwas näher und war zickzack­förmig angeordnet,- die Sitze befanden sich aber nur an der äußeren Langseite, sowie an den Stirnen, wahrend die innere Langseite frei blieb. Den chinesischen Gastmahlzetten pflegen nämlich Vorstellungen von Sängerinnen, Zauberkünstlern rc. zu folgen, und eine vollständige Besetzung der Tafel würde den Ausblick auf dieselben verhindern. Große farbige Laternen hingen an Seidenschnüren von der Decke- die Wände be­deckten lange Papierstreifen mit Inschriften und Sirmsprüchen, und rinqs um den Saal waren kleine Ebenholzttschchen aus­gestellt mit ebensolchen, schön geschnitzten Stühlen zu beiden Seiten. Auf einem dieser Tischchen stand ein großer Kohlen­behälter mit einem Kessel für den Wein darüber, ein anderer größerer Tisch diente als Servirttsch, dicht besetzt mit Schalen und Schüsseln und Täßchen.

Es war köstlich anzusehen, unter welchen Verbeugungen und Ceremonien die Gäste Platz nahmen. Der Hausherr hatte mir den Ehrenplatz zu seiner Linken angewiesen- dre Höflichkeit erfordert es, zu warten, bis der Gastgeber Platz genommen hat, er aber lud seinerseits wieder die anderen Theilnehmer zum Sitzen ein, und es vergingen ewige Minuten, ehe die Verbeugungen ihr Ende erreichten. Mir zur Linken hatte eine der kleinen Dämchen Platz genommen, die fort­während kicherte und mit ihren Colleginnen Bemerkungen austauschte, die wohl uns Fremde betrafen. Der Tisch war über und über mit Speisen und Blumen bedeckt- große Schüsseln mit Enten, Schinken, Gemüsen und Früchten, und über jede Schüffel waren noch Blumen gestreut. Die herr­lichen Blumenvasen, Schüsseln, kleinen Thee- und Wem- täßchen, die vor jedem Gaste standen, waren aus seinstem Porzellan. Zu meinem Schrecken bemerkte ich, daß neben meinem Tellerchen nicht Messer und Gabel, sondern nur Chov Sticks lagen. Weiß der geneigte Leser, was Chop Sticks sind? Die Chinesen ebenso wie die Japaner essen nur mit zwei, etwa 20 Centimeter langen Stäbchen, die den Netznadeln unserer Damen auf ein Haar gleichen. Gewöhnlich sind sie aus Holz geschnitzt, in diesem Falle waren sie aus Elfenbein und hatten überdies noch hübsch ciseltrte Wine Köpfe, aber was nützte mir das kostbare Material, da ich____

" Wdactwn: L. Scheyda. - Druck mck Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch, und Stemdruckerer (Pietsch L Scheyda) m »i«ß