Ausgabe 
29.1.1898
 
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^HI efter Grund sei Deinem Ich, (§W Nie Dein Wort zu brechen;

D'rum vor Allem hüte Dich,

Großes zu versprechen.

Aber, aus Dich selbst gestellt,

Handle groß im Leben, Gleich als hättest Du der Welt Drauf Dein Wort gegeben. Julius Hammer.

Muttersohn.

Roman von Arthur Zapp.

(Fortsetzung.)

Die Brust des jungen Mannes hob sich unter einem erlösenden Athemzug und er ließ sich in den Stuhl fallen, die Hand von dem Tische mit einer entschiedenen Bewegung zurückziehend. Sein Blick richtete sich wieder freier in die Höhe. t .

Aber schon in der nächsten Minute ließ er den Kopf wieder auf die Brust sinken und in seinen Mienen sowohl wie in seiner zusammengezogenen Haltung begann sich wieder die tiefste Muthlosigkeit auszudrücken. Ja, war es denn wirklich so sicher, daß der Vater zahlte? Was hatte ihm doch der Alte damals bei ihrem ersten Zusammentreffen nach der Einlösung seiner ersten Wechsel erklärt:Wenn Du ein zweites Mal Wechselschulden machst, dann sind wir geschiedene Leute. Wer zum zweiten Mal Schulden macht, pumpt auch zum dritten und vierten Mal, und mein Geld würde ja schließlich doch nicht reichen, die Schulden immer von Neuem zu bezahlen. Zum zweiten Mal zahl' ich nicht, das schwör' ich Dir! Von dem Bischen, das Du mir noch übrig gelassen, geb' ich keinen Pfennig mehr her. Das bin ich der Mutter, das bin ich mir selber schuldig. Mag dann aus Dir werden, was will."

So hatte dec Vater gesprochen. Ganz klar und deut­lich stand die Scene in allen Einzelheiten in seinem Gedächtniß etngezeichnet. Dummkopf, der er gewesen, daß er sich mit ganz unerfüllbaren Hoffnungen genarrt! Er kannte ja doch seinen Vater in seiner Pedanterie und seiner geistigen Be­schränktheit. Wenn der sich einmal etwas in den Kopf gesetzt, wenn der ^einmal etwas für seine Psticht erkannt hatte,

dann hielt er daran fest wie an seinem Evangelium, dann konnte ihn keine Macht der Welt davon abbringen. Das war für ihn nun ganz und gar zweifellos: im Guten würde er seinen Vater zum zweiten Male nicht zur Bezahlung 'einer Wechselschulden bewegen und er begriff nicht, wie er das auch nur einen Augenblick für möglich gehalten. Es war eben die alte Geschichte: was man wünschte, das glaubte man nur zu gern.

Heiße Schauer durchrieselten den Sinnenden. Aus war es mit ihm, aus. Ade Zukunft! Er konnte nun lieber gleich eine Pistole nehmen und sich eine Kugel durch den Kopf schießen. Zu vegetiren in untergeordneter Stellung ohne Ehrgeiz, ohne Aussicht, war das nicht schlimmer als der Tod? Wegen viertausend Mark, wegen lumpiger viertausend Mark! War es nicht zu dumm? Deshalb eine glänzende Zukunft, die ihm ganz andere Summen bringen mußte, aufgeben zu müssen!

Seine Fäuste ballten sich und seine Zähne gruben sich tief in die Unterlippe. Ein rasender Zorn glomm in seiner Brust auf. Wenn er nur ein Mittel gewußt hätte, den Alten zu zwingen. Ja, wenn der Vater das Geld nicht besessen hätte! Aber er besaß es. Das war ja doch sicher. Auf der Bank lag es und brachte lächerlich geringe Zinsen. Wie ganz anders hätte er es dereinst verzinsen können!

Die Hand des fieberhaft Aufgeregten glitt mechanisch zu der Ledertasche herab, die zuckenden Finger lösten den Riemen. Und nun tauchte seine Rechte in die geöffnete Tasche hinab.

Mit einem Ruck stand Otto auf seinen Beinen. Alles Blut strömte ihm zum Herzen zusammen,- mit aschfahlem Gesicht und mit wie im Wahnsinn glühenden Augen stierte er in die Tasche hinab. Da lagen kleine schmale Rollen, auf deren Papierhülsen des Vaters Hand in steifen großen Ziffern die Zahl 1000 geschrieben hatte, daneben Packele von blauen Scheinen, die mit breiten Papierstreifen zu­sammengehalten wurden, auf denen dieselben vierstelligen Ziffern prangten.

Wie berauscht stand Otto da, unfähig zu ruhiger Ueber- legung. Seine ganze geistige Thätigkeit concentrirte sich in dem einen Gedanken: hier war Hilfe, hier war Rettung! Nun hatte er die Macht, den knickerigen Alten zu zwingen. Er nahm ja nicht, er lieh ja nur. Der Alte mußte eben den Verlust ersetzen. Es brachte ihm ja keinen Schaden, er hatte ja das Geld auf der Bank. Sie würden sglauben, er habe es verloren. Es war ja doch schließlich selbst zy