Ausgabe 
28.7.1898
 
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Felsgarten.

Roman von Clara Bücker.

(Fortsetzung)

In Bezug auf das Geld hättest Du nicht ganz un­recht," sagte Hollmann nun.Papa ist nicht so arm, daß er ängstlich beide Hände auf etwas halten müßte, was theilweise dem anderen Kinde jener Frau gehört vor dem inneren Gewissen wie vor dem Gesetz. Aus furchtsamer Delicatesse wurde diese Frage nach der Scheidung nicht ge­regelt, ihr Recht behält sie trotzdem. Aber ob Irmgard etwas beisteuern wird oder kann, weiß ich natürlich nicht sie hat sehr strenge Ansichten über Moral und Tugend."

Sie soll ja nicht," rief Hilde ungeduldig.Ich bringe nur mein Geld; das heißt, erst will ich dies Fräulein Erder kennen lernen."

Unmöglich," sagte Wulffen.Diese Kreise passen durchaus nicht für Sie."

Nicht? Nun, so werden sie sich mir anpassen," war die stolze Antwort.

Sie kennen die Welt nicht," wehrte er.

Aber ich kenne mich. Ist jene Welt mir nicht eben­bürtig, so wird sie sich mir fügen, verlassen Sie sich darauf."

Ich hoffe, Onkel, daß Du meine dringlichen Einreden unterstützest."

Noch bin ich sprachlos, Hilde. Wie kann man jede gute Lebensart und Erziehung derart verspotten!"

Ja, wie kann man menschlich fühlen! Nur gut er»

1898.

OTT

Fontane.

et milde stets und halte fern

Von Hoffart deine Seele;

Wir wandeln alle vor dem Herrn

Des Wegs in Schuld und Fehle.

Woll' einen Spruch, woll' ein Geheiß

Dir in die Seele schärfen;

Es möge, wer sich schuldlos weiß, Den Stein auf And're werfen.

Die Tugend, die voll Stolz sich giebt, Ist eitles Selbsterheben;

Wer alles Rechte wahrhaft liebt, Weiß Unrecht zu vergeben.

zogen zu leben, quält mich bereits seit Jahren; nun endlich will ich einmal gut menschlich handeln. Weshalb sollte dem Fräulein Erder meine Lebensart nicht besser gefallen, als die eigene, warum sollte ich ihr nicht die Hand bieten, wenn sie sich aus dem Jrrwischleben in das einer wirklichen Künstlerin oder einer wahren Frau retten wollte! Und mich interessirt die Künstlerwirthschaft und ich fahre .hin. Oder fürchtet man, sie könnte abfärben? Ich fürchte nichts für mich."

Kind, Kind, Du hast doch viel von Deiner Mutter," sprach Tauchlitz bekümmert.

Eben deshalb, Papa."

Sie übertreiben in jeder Weise," rief Wulffen in unterdrückter Heftigkeit.

Bitte, über Urtheilskraft verfüge ich selbst," gab sie zurück, wobei sie ihn mit den Augen anblitzte, daß er sich besinnen mußte, ob dies Hilde sei, die vorhin in Liebe er­schauerte bei seinem Anblick, seinem Nahesein.

Hollmann erhob sich.

Was Du in derartiger Weise willst, verehrte Schwägerin, ist so gut wie geschehen. Glückliche Reise den Willkomm wird Irmgard Dir bieten, Du kennst sie ja."

Grüße sie und einige Selbstbeherrschung ließe ich ihr rathen. Eurem Kleinen gute Besserung; adieu, Ernst, Du bist der Vernünftigste."

In Irmgards Schule wie könnte es anders sein!" lachte der Oberlehrer noch von der Thür her.

Tauchlitz gab ihm das Geleit, die Zwei blieben allein.

Was wollen Sie thun?" fragte Wulffen heftig.

Solche Aufopferung geht über jede Freundschaft."

Seien sie nicht närrisch. Aufopferung? Aufathmen will ich von dem Druck hier, nichts Anderes. Ich bin auch nur ein Mensch, läßt Lessing seine Emilia sagen ein Mann legt ihr das in den Mund. Ich sage mit Stolz: Ich bin ein Mädchen, schon davor wird Vieles weichen, und das Uebrige zwinge ich."

Darüber trat der Vater ein.

Ich kenne meine ruhige, gesetzte Hilde nicht wieder. Was ist Dir, nur Kind?"

Fasse Dich, Papa. Die Hühnermama, der das Entlein ins Wasser rennt, ist keine Rolle für Dich."

Am Ende vertreibe ich Sie aus Ihrem ruhigen Leben hier?" fragte Wulffen scharf.

Stimmt," versetzte sie, ihr Armband zuknipsend.

Natürlich reise ich sofort."

Sie wollen mich wohl aus dem Bahnhof empfangen? Das wäre nicht übel, denn so etgenthümlich meine Einfälle