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rahmen der Milch macht ein 24 stündiges Stehen der Milch nothwendig, sie ähnelt dadurch, wenn Säuerung eingetreten ist, der Buttermilch. Aber diese Art von Milch wird von vielen Patienten besser vertragen als die süße. Auch ist die Buttermilchkur ein bewährtes Mittel bei Magengeschwür und Blutspeien.
Bei dieser Kur leben die Patienten nur von Milch in den ersten drei Wochen,- von da ab sind Mtlchbrei, gutdurchgeriebene Hülsenfrüchte und schließlich ein vollständiges Mittagsmahl gestattet.
Was die Buttermilchkur anbelangt, so hat sich dieselbe auch bei allen Herzkrankheiten, bei Blutüberfüllung des Unterleibes und namentlich der Leber, sowie ferner bei Abdominalthphus glänzend bewährt. Gerade in letzterem Falle bessert sie den Zustand oft augenfällig, ohne den Durchfall zu vermehren. Auch gegen Lungenschwindsucht ist eine mit Landaufenthalt verbundene Buttermilchkur ein bekanntes und heilsames Mittel, sobald der Patient die Buttermilch gerne trinkt. Abneigung gegen dieses Getränk aber macht die Kur erfolglos.
Sollte die Milch, gleich viel ob süß oder sauer, nicht gleich zu Anfang der Kur vertragen werden, so höre man nicht gleich damit auf, sondern prüfe erst aus, in welcher Weise sie von der Verdauung gut ausgenommen wird. Man kann Bullrichsalz, Selters-, Emser- oder Sodawasser zusetzen, eventuell auch Rum und Cognac. Am besten bestimmt dieses aber der Arzt.
Aus dem „Praktischen Wegweiser", Würzburg.
Einen Bermehenngskaste« kann sich jeder Blumenfreund zur Anzucht verschiedener Topfpflanzen aus Stecklingen machen. Der Gartenbesitzer benützt dazu das Fenster eines Mistbeetkastens, indem er handhoch reingewaschenen Flußsanv auf das Beet bringt und zwar so, daß der Zwischenraum vom aufgelegten Fenster bis zum Sand ebenfalls nur etwas über Handbreite beträgt. Das Fenster wird bei starkem Sonnenschein leicht beschattet und das Beet mit warmem Waffer fleißig bespritzt. Gelüftet wird nicht. In dieser seuchtwarmen, tropischen Atmosphäre wachsen mit wenigen Ausnahmen alle Stecklinge von kraut- und holzartigen Pflanzen. Am Fenster läßt sich ein Vermehrungskistchen im Kleinen gleichfalls Herrichten. Dasselbe wird mit blanken Glasscheiben belegt, die man, wenn nöthig, mit Zeitungspapier beschattet. Die Höhe des Sandes braucht hier nur drei Finger hoch zu sein. Natürlich ist dieser Miniaturkasten mehr eine Spielerei, die aber ihrem Pfleger sehr viel Anregung und Zeitvertreib bietet und besonders Stadtbewohnern zu empfehlen ist.
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Der Rosenmehlthau kann nur dann mit gutem Erfolg bekämpft werden, wenn man schon im Anfang seines Auftretens, das ist im Mai, gleich mit Salzwasser oder Kupser- vitriollösung bespritzt. Auch das Bestäuben mit Schwefel- blüthe hindert seine Ausbreitung.
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Gurken unv Kürhiffe gedeihen nur dann gut, wenn sie an sonniger Stelle ausgepflanzt werden. Man sollte über Gurkenbeete im Freien immer eme Stellage aus Pfählen oder Latten machen, um bei länger anhaltendem Regen mit Mistbeet oder Papierfenster decken zu können. Die letzteren sind auch bei Hagelwetter ein guter Schutz. Die Fruchtbarkeit wird aber nur durch starke und wiederholte flüssige Düngung unterstützt. Von der Verwendung concentrirter oder roher Kunstdünger ist beim Gurkenbau abzurathen. Dagegen empfiehlt sich die Anwendung stickstoffhaltiger Naturdünger, von denen wir vor Allem das Blutmehl als einen der besten empfehlen können.
Genreinnützige».
Herein mit ver Sonne! So wichtig wie frische, reine Luft, ist auch der Sonnenschein. Er muß gerade so, wie die frische, reine Lust in unsere Wohnräume eingelassen und nicht durch schwere, dichte Vorhänge, den Ansammlern von Staub und Krankheitskeimen, ausgeschlossen werden. Der Sonnenschein erheitert kräftig und fördert die Gesundheit. Im Sonnenstrahle vermögen keine Krankheitskeime aufzukommen, die nur im Schatten und in der Dunkelheit gedeihen. Der Sonnenschein reinigt, er hält Schimmel und Feuchtigkeit von den Wänden, Trübsinn, Niedergedrücktheit und Krankheiten ab,- er sollte nach jedem Theil und jedem Winkel unserer Wohnungen eingelassen werden,- er sollte überall und jedesmal willkommen sein! Er ist ein kräftiges Vorbeugungsmittel gegen alle Unordnungen und Störungen, welche stets beschattete und dumpfe Plätze im Wohlbefinden der Menschen verursachen. Er bringt Gesundheit und Frohsinn, wie sie aus keiner andern Quelle erlangt werden können. Er ist das der Natur eigene Mittel, Gesundheit zu spenden, das durch nichts Anderes ersetzt werden kann. Er mag Vorhänge, Polsterungen an Möbeln oder Teppiche um ihre Farbe bringen, aber er färbt dagegen die Wangen der Bewohner auf gesunde Weise, beleuchtet ihre Augen und macht ihren Schritt elastischer. Das immer fest geschlossene und mit reichen Vorhängen beschattete Fenster mag dem Zimmer einen Reichthum von Farben verleihen, es wird dafür aber auch den Bewohnern bleiche Gesichter und Schwäche geben. Und der Sonnenschein, dieses herrlichste Gesundheitsmittel, ist einem Jeden zugänglich, ist leicht zu erhalten und kostet nichts. Also — herein mit der Sonne!
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Wespenstiche können lebensgefährlich werden, wenn solche am Halse während des Schluckens von Getränken und Früchten beigebracht werden. Folgendes Mittel schafft, sofort angewandt, rasch Erleichterung. Sobald man spürt, daß man im Munde oder Halse gestochen ist, nehme man einen Theelöffel voll Kochsalz mit etwas Wasser angefeuchtet und verschlucke dies langsam. Geschwulst und Schmerzen verschwinden hierbei in kürzester Zeit. Dieses einfache Mittel hat schon Manchen vom Tode gerettet.
Hrrmsvistisches.
Unter Gaunern. Dieb (welcher an einen anderen gekettet wird): „Gestatten Sie, daß ich mich anschließe?"
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Dasselbe in Grün. „Sie haßtzn doch studirt, Herr Berger: Wieso sind Eie jetzt Weinreisender geworden? Dadurch sind Sie doch in Ihrer Carriöre gewissermaßen gesunken." — „Im Gegentheil! Früher habe ich Bierreisen gemacht und jetzt mache ich Weinreisen."
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Der talentvolle Peperl. „Nun, Frau Nachbarin, Ihr Peperl geht ja jetzt in die Lehre! Wie macht er sich denn?" — „O, ganz gut! Denken Sie sich nur, gestern hat er schon einen Brief nach Madrid in Spanien auf die Post tragen dürfen!" Was Sie nicht sagen, schon soweit!"
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In der Buchhandlung. Fräulein: „Ich möchte gern die achte und neunte Lieferung der Goethe'schen Werke." — Gehilfe: „Thut mir leid, Fräulein, diese Ausgabe ist erst bis zur siebenten Lieferung erschienen!" — Fräulein „Gott, dichtet der Mann aber langsam!"
Redaction: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Bruhl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckcrei (Pietsch Erben) in Gießen.


