Ausgabe 
28.5.1898
 
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Sie hatte ein malitiöses Lächeln gehabt, obwohl sie doch nicht wissen konnte, daß ihn Sehnsucht und Unruhe peinigten und ganz langsam hatte sie erwidert:So werden Sie dieselben dem neuen Fräulein geben müssen obgleich das Kind noch nicht an sie gewöhnt ist!"

Er hatte sie angesehen, als begriffe er nicht

Fräulein von Arabin hat am Tage nach Hennys Erkrankung das Haus verlassen."

Das Haus" hatte er nachgesprochen und nach seinem Hut gefaßt.Wohin wohin?" Der dumme Schaukelstuhl neben ihr war in Bewegung gerathen, er knarrte.

Ei, das sieht ja aus, mein Herr Doctor, als ob Sie sie suchen wollten?" hatte die klare Stimme gesagt. An den beweglichen Fingern leuchteten die kostbaren Ringe, als sie sie ineinander verschlang.Ich weiß aber nicht wo­hin sie gegangen ist."

Abgereist?"

Der blonde Kopf hatte eine zustimmende Bewegung gemacht.So sagte die Dienerschaft. Eqrlich ich habe mich nicht darum gekümmert das," und eine Fülle van Nachlässigkeit lag in dem Tone,kommt und geht in unseren Häusern, wie die Milchfrau und der Bäcker. Wollen Sie mir einreden, da wäre Anhänglichkeit oder dergleichen zu sinden? Nein, nicht wahr? Da ist jeder Versuch vergebens, man spart sich in Zukunft die Mühe."

Fräulein von Arabin ging aus eigenem Antrieb?" Allerdings!"

Ein Schreck durchfuhr ihn, dann war er's, der sie hinausgetrieben, dann hatte er sich in der Annahme, daß Sie ihm gut sei, getäuscht, erbärmlich hatte ihn sein Herz belogen und er mußte gehen, sie zu suchen.

Kalt und forschend ruhten die blauen Augen auf ihm, und der dumme Stuhl stand noch immer nicht still und im Nebenzimmer versicherten Henny und Lonnh, daß sie das mene Fräulein nicht leiden möchten und daß Fräulein Line wieder kommen solle, und die Stimme der alten Frau ant­wortete:Ach, geht, die war ja doch häßlich - und darum hat die Mama sie weggeschickt."

Und die Instruction müssen Sie nun doch Wohl vorläufig mir geben," hatte Frau Ebba gesagt und ihm noch­mals Platz an ihrer Seite geboten.

(Fortsetzung folgt.)

Milchkuren.

Bon Dr. med. Ebing.

------- (Nachdruck verboten.)

KO. Die Milch ist das einzige Nahrungsmittel, welches alle Stoffe enthält, die zum Aufbau und zur Erhaltung unseres Körpers nöthig sind. Die Milch ist also das vorzüglichste Nahrungsmittel. Alle anderen zerfallen in stickstoffhaltige und stickstofffreie. Die ersteren sind die wichtigsten, die blut­bildenden, bekannt unter dem Namen Albuminate zu ihnen gehören nächst der Milch, das Fleisch, die Hülsenfrüchte und die Getreidearten. Die stickstofffreien Nahrungsmittel bestehen vorherrschend aus Kohlenstoff und Wasserstoff,- sie werden deshalb Kohlenhydrate genannt und dienen hauptsächlich zur Wärmeerzeugung, indem sie die Verdauung der Albuminate befördern. Zu ihnen gehören die Fettarten, der Zucker, Alkohol, Kaffee und Thee. Die Milch enthält Albuminate und Kohlenhydrate in so genügender Menge, daß sie allein zur Ernährung des Menschen ausreicht, was man sonst von keinem Nahrungsmittel sagen kann. Die Milch ist aber nicht nur ein vorzügliches Nahrungsmittel, sie ist auch ein Heil­mittel. Sie hüllt giftige oder scharfe Substanzen ein und wirkt so reizmildernd. Sie eignet sich als Getränk besonders für hectische und schwindsüchtige Personen, sowie auch für Alle, die an Blutarmuth und Bleichsucht leiden.

Gewöhnlich benutzt man die Kuhmilch und trinkt sie als

stärkendes und belebendes Mittel am besten lebenswarm, also frisch von der Kuh. Nur muß man darauf achten, daß das Thier vollkommen gesund ist und die höchste Reinlichkeit im Stalle und der Wirthschaft herrscht. Hat man diese Gewiß­heit nicht, so kocht man am besten die Milch und läßt sie bis zu dem Punkte erkalten, den die kuhwarme Milch zeigt. Dieser Wärmegrad trägt nämlich sehr viel zur besseren Ver­daulichkeit der Milch bei.

Die richtige Milchkur muß im Frühjahr vorgenommen werden und mindestens drei Monate dauern. Kann dies auf dem Lande und bei Bewegung in frischer Luft geschehen, so ist die Heilwirkung bet weitem größer.

Während dieser Kur darf man nur milde und reizlose Speisen genießen wie: lockeres, gutausgebackenes Weißbrot, Suppen mit Zwieback, Gries, Hirse oder Reis. Auch das Fletsch muß leicht verdaulich sein, am besten eignet sich Kalb- und Hühnerfleisch.

Während der Milchkur ist unbedingt eine tägliche ange­messene Bewegung im Freien vorzunehmen. Wenn es die Umstände gestatten, trinke man die Milch so lebenswarm wie möglich, also fcirect vom Thiere ins Glas melken und sofort trinken. Man fange mit kleinen Portionen an und steigere allmählich bis zu einem Liter, um dann allmählich wieder bis zu einem Viertelliter herabzugehen.

Sind die Berdauungsorgane zu schwach, tritt Neigung zur Magensäure ein, oder Verstopfung, Blähung oder Ver­schleimung, und weichen diese Uebelstände auch nicht, wenn man bei Verstopfung Zucker, bet Blähungen und Ver­schleimung ein Gewürz wie Ingwer der Milch zugesetzt hat, so muß die Milchkur als nachtheilig aufgehoben werden. In der Regel trifft dieses Hysterische, Hypochonder und Spirituosentrtnker.

Soll eine Milchkur zum vollen Erfolge führen, so muß sie methodisch gebraucht werden. Wer sie bei chronischen Brustleiden anwendet, thut am besten, wenn er früh nüchtern und Nachmittags zwischen 5 und 6 Uhr 1 bis 2 Glas lebenswarme Milch in kleinen Schlucken trinkt, so daß er im Ganzen etwa 1 Liter verzehrt. Das Frühstück bei dieser Kur besteht am Vortheilhaftesten aus einer Tasse Fleischbrühe mit Eigelb abgerührt, das Mittagsmahl aus Suppe, gebratenem zarten Fleisch, leicht verdaulichem Gemüse und etwas Compot, das Abendessen aus einer Suppe.

Magenkranke, welche die Milchkur gebrauchen, vertragen in der Regel recht kalte Milch am besten, und die Abkühlung derselben durch Eis hat sich als sehr Vortheilhast erwiesen. So ist Milch mit kleinen Eisstückchen abgekühlt ein gutes HeilmittelbeiMagenentzündung,Magengeschwürundhabituellem Erbrechen.

Ist die Kuhmilch zu fett, so kann sie abgerahmt werden, ohne daß die Heilwirkung sehr beeinträchtigt würde, den» auch abgerahmte Milch ist immer noch ein sehr werthvolles Nahrungsmittel. Wer Eselsmilch haben und trinken kann nehme diese, denn sie ist weniger fettreich und befördert die Leibesöffnung. Eselsmtlch kann Lungenkranken nicht warm genug empfohlen werden.

Ziegenmilch ist lange nicht so gut wie Eselsmilch, sie ist zu kräftig und besser noch als diese ist Schafmilch.

Wenn cs nöthig und möglich ist, so gebrauche man die Milchkur nach ärztlicher Vorschrift. Solche Aerzte, die sich lange Zeit mit Milchkuren beschäftigten, haben meist erprobte Methoden.

Viele berühmte Aerzte an Kurorten haben folgende Methode: Der Patient soll im Anfänge der Kur nur Milch genießen, in bestimmten Zeiten und in festgesetzten Mengen, je nach Alter und Constitution. Kinder und jüngere Per­sonen trinken alle 23 Stunden, ältere alle 4 Stunden. Anfangs werden 60 bis 180 Gramm getrunken, in kleinen Zügen. Allmählich wird die Portion gesteigert, bei gutem Magen sogar bis zu 4 Liter täglich. Diese Milch muß aber stets abgerahmt sein und darf nur von einer Kuh stammen, welche mit Heu und Grünfutter genährt wurde. Das Ab-