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enn einst im kalten Weltenstrome Zu Grund gegangen alles Lieben, Dann ist in einem starken Dome Als Allerheiligstes geblieben, Vor Tod und Sünde wohl geborgen, Die Mutterlieb' und ihre Sorgen.
Alex. Gr. v. Württemb.
Das Fräulein.
Roman von E. Vely.
(Fortsetzung.)
Fort, gleich! Wozu ein Abschied von den schlasenden Kindern — von dem Bett- Hennys würde die Fischern sie zurückscheuchen — Sonnt) lag da in ihren Kissen und sprach ein undeutliches Mort im Traum. — Sie nahm ein Handtäschchen aus der Schieblade — der Mühe, ihre wenigen Habseligkeiten zusammen zu legen, konnte sich wirklich ein dienstbarer Geist unterziehen — die wenigen Papiere, die ihr nöthig waren, ein paar heimathliche Erinnerungen, mehr brauchte sie nicht zu hüten.
Arme, blasse Kinder! Zwischen Kommenden und Gehenden würden sie aufwachsen, bis sie eines Tags an der Seite der Mutter in den Tanzsaal treten, überstrahlt vielleicht noch von ihrer Erscheinung — und wenn dann ein Käufer kam, die Mitgift in die Waagschale zu legen, ob sie seinen Namen, feine Lebensstellung aufwog.
®ie ging hinaus, bis an das Treppengeländer — dort unten noch eine Fülle von Licht — die Dienerschaft bedurfte dessen beim Aufräumen. Wenn die schöne Hausfrau ihre Zimmer wieder verließ, sollte so wenig als möglich an den vergangenen Festtrubel erinnern. Durch das runde Fenster ihr gegenüber sah schon der grauende Tag.
Wenn sie nur unbemerkt an den Dienstboten vorüber kam!
Mit arg bebenden Händen band ^sie die Bänder des Hutes fest und schlüpfte in das Jäckchen — sie wußte, pe würde frieren in der grauen Morgenfrühe, sie empfand die feuchte Kälte förmlich schon physisch.
Ihr Tritt war nicht vernehmbar, wie das böse Gewissen wollte sie aus dem Hause schleichen, und war doch nur ein armes 0^1. Da öffnete sich eine Thür in der ersten Etage, und der Consul stand vor ihr. Er hatte den Frack mit
einem bequemen Morgenjacket vertauscht, sein Gesicht sah bleich aus, aber nicht müde — er pflegte nach jeder Gastlichkeit in feinem Hause bei einem picanten Buche seine „letzte Cigarre" zu rauchen, bis die Dienerschaft schlafen ging — das war eine Pflicht, die er freiwillig auf sich nahm.
„Ah, mein Fräulein — wohin denn so früh?"
„Fort — aus dem Hause!" murmelte sie, bemüht, an ihm vorüber zu gelangen.
„Freiwillig?" fragte er erstaunt.
„Hinausgewiesen, klingt ehrlicher," sagte sie, den Blick nicht hebend.
„Von Ebba?" tief er lebhaft. „Aber das ist — ja — wohl eine Uebereilung?"
Sie schüttelte den Kopf.
„In der Erregung nach der Unruhe hier?" forschte er weiter.
/-Eine ausgesprochene Entlassung!"
„Ah" -
Sie schob die letzten Knöpfe durch die Knopflöcher. Nun die Handschuhe — es war bald gethan. Der Consul fuhr über fein Gesicht, als fei etwas Blendendes ihm gegenüber.
„Eine Laune, Fräulein von Arabin, jedenfalls eine Laune, ©te ist in der Beziehung unberechenbar — und ich bin ganz außer Stande, mich einzumischen, was ich sehr bedaueret
Er rieb seine großen, weißen Hände und sah sie forschend an. „Drum frage ich auch gar nicht nach dem Grunde — niemals! Aber Sie —"
Oh, sie warf verächtlich die Lippen auf, was lag ihr an seiner Meinung.
//Sie, Fräulein von Arabin, Sie gehen aber gern von uns, ich glaube, das behaupten zu dürfen."
„Nein — denn ich habe die Kinder lieb — und bin obdachlos!" sagte sie dumpf.
„Aber —" sein Fuß trat leise den Teppich, „das ist ja eine Härte — eine unbegreifliche Härte. Verfügen Sie über mich, Fräulein von Arabin!"
„Ich danke Ihnen, Herr Consul — nein, ich danke!"
Sein Kops neigte sich zu ihr/ er war noch so wohl frisirt, wie Beim Beginn des Diners, kein Härchen hatte sich aus seiner Lage geschoben.
„Die Kinder hatten Sie lieb, und mein guter, alter Papa, der — Sie erinnern sich — immer so anzügliche kleine Scherze machte von seinem jungen Herzen! Ja, das ist so seine Art! und ich, ich wäre gern dankbar." Seine Augen bekamen immer lebendigeren Glanz. „Fräulein, in


