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erhielt so viele Stöße und Quetschungen, daß ich an Kops und Körper furchtbar zugerichtet herausgenommen wurde und ein Arm und ein Bein verrenkt waren. Als die Aerzte mich in dieser schlimmen Lage erblickten, glaubten sie, tch würde in drei Tagen sterben, meinten aber, sie wollten versuchen, was man mit Aderlaß und Abführmittel ausrichten könne, um eine Entzündung und Fieber zu verhüten. Da ich aber wußte, daß durch das gesundheitsgemaße Leben, welches ich so viele Jahre geführt hatte, mein Blut tn gutem Zustande war, verbat ich mir dies. Ich ließ nur den Arm und das Bein etnrenken. So wurde ich wieder gesund, ohne die geringste Veränderung oder schlimme Folgen von diesem Unfall an mir zu bemerken, was in den Augen memer Aerzte geradezu als ein Wunder galt." Ueberhaupt beobachteten ihn damals die bedeutendsten Vertreter der medicmnchen Wissenschaft mit größtem Interesse. In seinem 95. Lebensjahre schreibt er: „Vor einigen Tagen haben mich mehrere gelehrte Herren unserer Universität, sowohl Aerzte tote Philosophen besucht, welche mit meinem Alter, Leben und Sitten wohl bekannt waren und auch wußten, daß ich stramm, kräftig und lebensvoll, daß meine Sinne vollkommen und meine Stimme und Zähne wie auch mein Verstand und Gedächtniß gut sind."
Kannte man auch damals noch mcht daß Wort „Nervosität", so geht doch aus Allem hervor, daß Cornaro in seiner unsoliden Lebenszeit von diesem Leiden befallen war, daß er sich aber auch davon befreite. Zum Trost für alle Nervösen seien hier seine eigenen Worte wiedergegeben: ,Jch selbst war sehr reizbarer Natur und zwar so sehr, daß zuweilen gar nicht mit mir umzugehen war. Jetzt ist es seit langer Zeit anders geworden, und ich habe emsehen gelernt, daß ein Mensch, der sich von seinen Launen und Leidenschaften regieren läßt, wenig oder nichts besser tst als ein Wahnsinniger." ,
Alle diese Schilderungen des hundertiahrtgen Ludwtg von Cornaro sind nun nicht etwa übertrieben, sondern ihre Wahrheit wird uns von bedeutenden Zeitgenossen aufs bestimmteste versichert. Wir lernen eben hier etnen Mann kennen, der durch genaue, jahrzehntelange Befolgung aller vernunftgemäßen Gesundheitsregeln seine schwachltche Constitution und seinen siechen Körper so kräftigte, daß ihm ein nur von wenigen Begnadeten erreichtes Lebensalter zu Thetl wurde: wir sehen vor uns ein bedeutsames Verspiel von dem lebenverlängernden Einfluß einer in allen Dingen harmonischen Lebensweise, welche stets die goldene Mtttelstraße innehält. Dies ist um so lehrreicher, weil die Umkehr zur Vernunft erst im 40. Lebensjahre stattfand. Erst dann stng Cornaro nach einer leichtsinnig durchlebten Jugend ein neues Leben an und brachte durch Mäßigkeit wieder ein, was an ursprünglicher Lebenskraft vergeudet war. So befanden sich sein Körper und sein Geist in den letzten Jahrzehnttn seines Lebens in völlig harmonischem Gleichgewicht. „Wte verschieden ist mein Leben von dem der meisten Greife, die voller Schmerzen, Gebrechen und Todesahnungen sind, während das meinige ein wahres Wonneleben ist. Der Todesqedanke kann in meiner Seele keinen Raum fntbett, wenigstens durchaus nicht in beunruhigender Weise. Wer sich eben gewöhnt hat, nicht seinen Sinnen und Begierden, sondern der Leitung seiner Vernunft zu folgen, wird weder von der Sinnlichkeit noch von der Gaumenluft gereizt und bringt alle Leidenschaften unter die Herrschaft der Vernunft. Daher kann er auch, wenn er infolge hohen Alters ferne Auflösung herannahen sieht, ohne Furcht dem Tode ms Antlitz schauen, wobei es ihm eine süße Genugthuung ist, lebenssatt zu einem Alter gelangt zu sein, das unter den Anderslebenden kaum Einer erreicht. Er fürchtet den Tod um so weniger, als er weiß, daß seine Ende nicht gewaltsam mit heftigen Schmerzen und Fiebern, sondern mit der größten Ruhe und Schmerzlosigkeit kommt; wie eine Lampe, die
allmählich aus Erschöpfung auSgeht, wird er saust und ohne Krankheit hinübergehen vom irdischen und sterblichen zum himmlischen und ewigen Leben!"
GenrrLnnützige».
Gin- gleichmäßig- Fütterung der Ziege sowohl in der Futterzeit als in der Futtermenge kann nicht gmug empfohlen werden. Der Uebelstand, daß oft mehrere Personen eine Fütterung besorgen, hat schon manchmal ein Ziegenleben gekostet. Bei einer solchen Fütterung wetß keine Person, was die Ziege von der anderen schon erhalten hat. So wird sie überfüttert, es tritt Verstopfung em, fte frißt nicht mehr, oder aber sie wird vergessen und muß hungern. Daß das Melken immer zu gleicher Zeit statt- finden sollte, versteht sich von selber.
Um den so billigen Sch-llfisch-N od-r S--fisch-n -in-n recht angenehmen Geschmack beizubringen und denselben den ihnen meist anhaftenden üblen Geruh voll- tändig zu nehmen, verfahre man vor dem Kochen aus olgende Art und Weise: „Nachdem die einzelnen Fische nnett und außen aufs Peinlichste gesäubert, auch die Kiemen entfernt worden sind, lege man dieselbe in eine Schüssel auf den Rücken und fülle die Bäuche mit Salz, Pfefferkörner, Lorbeerblätter, ganzen Ingwer, Zwiebeln, Sellerie und Möhre nnd einigen Citronenscheiben an und übergieße Alles mit kochendem gutem Essig. In dieser Flüssigkeit lasse mau die Fische die Nacht über stehen. Vor dem Kochen wasche man die Fische mit frischem Wasser ab und siede sie dann in der bekannten Weise. Selbst der verwöhnteste Fem- schmecker wird sich an den so zubereiteten Fischen gütlich thun.
Humoristisches.
Ungeduld. Beilchmblüth ist schon zwei Mal an's Telephon gerufen worden, ohne daß er eine Antwort erhalten hätte. Jetzt schellt es zum dritten Male und wüthend stürzt Veilchenblüth an den Apparat. „Wer is dort?" Wieder keine Antwort! „Wollen Se mer nu endlich sagen, wer Se sind, oder sind Se e Taubstummer?" ♦ ♦
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Moderne Dienstboten. Hausfrau (zu einem Stellung suchenden Mädchen): „Warum wurden Sie aus Ihrem vorigen Dienst entlassen?" — Mädchen: „Na, so etwas! Hab' ich Ihnen denn gefragt, warum die Vorige es nicht bei Sie hat ausgehalten können?" • * ♦
Geldheirath. „Weißt Du nicht, warum der Baron seit einiger Zeit so betrübt einherschleicht? Ich dachte, er hätte eine gute Partie gemacht!" — „Das schon - aber er hat jetzt durch eine falsche Börsenspekulation die bessere Hälfte seiner Frau verloren!"
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Verschnappt. „Ich soll unter dem Pantoffel stehen? Lächerlich!" — „Na, man will gehört haben, daß Deine junge Frau ordentlich geschimpft hat, wie Du in der Nacht nach Hause kamst!" - „Unsinn — ich darf ja Abends gar nicht fortgehen." * *
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Noch schlimmer. A.: „Unkenntniß vorm Gesetz schützt nicht vor Strafe. Das habe ich einmal bitter erfahren!" — B. „Wie so? Kannten Sie denn das Gesetz nicht?" — A.: „Ich schon, aber mein Vertheidiger kannte es nicht!"
H-rmann -ll«. Druck und Verlag d-r Brühl'schm UniverMätS-Buch. und Steindruck-rei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.


