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Andere, mit dem so viele Damen wichtig thun, Schriftliches und Erkundigungen, der reine Mumpitz!"
Die Dame neigte herablassend den Kopf: „Morgen Abend können Sie kommen!"
(Fortsetzung folgt.)
Wodurch ein 40Wriger Todeskandidat 100 Jahre alt wurde.
Von Dr. M. Ehret.
------- (Nachdruck verboten.)
Das ganze Geheimniß der Kunst, das Leben zu verlängern, besteht darin, es nicht zu verkürzen.
Am 26. April 1566 starb zu Padua im Alter von hundert Jahren Ludwig von Cornaro, der in der Jugend seine Gesundheit dermaßen zerstört hatte, daß im 40. Lebens- iahre die Aerzte, wie er selbst erzählt, ihm höchstens noch einige Monate das Leben fristen zu können glaubten. Wodurch er nun von seinem Siechthum genas und sich dann allmählich so kräftigte, daß er noch 60 Jahre lang in voller körperlicher und geistiger Frische lebte, hat er selbst in vier Abhandlungen, als hochbetagter, aber lebensfroher und jünglingsfrischer Greis im 83., 86., 91. und 95. Lebensjahre geschildert.
@r war von schwächlicher Constitution und zartem Körperbau und hatte trotzdem in der Jugend ein sehr üppiges und ausschweifendes Leben geführt, wie es damals unter den italienischen Edelleuten Mode war. Die Folgen waren: stets verdorbener Magen, Gicht, Rheumatismus und häusig auftretendes Fieber. Diese Leiden verschlimmerten sich gegen Ende seiner dreißiger Jahre so sehr, daß er als „dre beste Erlösung von diesen Leiden den Tod" erkannte. Da faßte er angesichts des nahen Todes den männlichen Entschluß, von Stund an ein vernünftiges, regelmäßiges Leben zu führen, um wenigstens einem jähen Ende vorzubeugen. Sehr richtig hatte er eingesehen, daß sein Magen der Haupt« übelthäter war. Arzt und Apotheker hatten bei ihm bis dahin beständig zu thun gehabt, um dem Koch und Kellner entgegen zu wirken. Wurde im Sommer fern von allen gesellschaftlichen Verführungen auf dem Lande oder in einem Badeorte mehrere Wochen knappe, strenge Diät eingehalten, dann war bei ihm und seinen Bekannten immer wieder körperliche Besserung eingetreten,- also mußte Diät, d. h. eine mäßige, geregelte Nahrungsaufnahme doch ein sehr- wichtiger Heilfactor sein. Auch die Aerzte verschrieben - ja ihren Patienten stets eine bestimmte Diät. „Wenn Menschen krank werden", sagte er sich, „so hören sie fast oder ganz auf, zu essen. Wenn sie nun durch Beschränkung der
Nahrung auf eine geringe Menge den Händen des Todes entgehen, warum kann man daran zweifeln, daß sie in ge fanden Tagen bei mäßiger Nahrungsmenge und vernünftiger Regelung der Mahlzeiten auch das Leben zu verlängern fähig sein werden. Man mache nur wenige Wochen lang den ehrlichen, redlichen Versuch damit, und der Erfolg wird in jedem Falle ein äußerst günstiger sein." Er begann nun diese Lebensweise mit solcher Energie, daß nichts imstande war, ihn davon abzubringen. „Die Folge war, daß ich nach einiger Zeit zu bemerken anfing, daß mir diese Lebensweise sehr zusagte, und als ich sie fortsetzte, sah ich mich in weniger als einem Jahre, so unglaublich es auch scheinen mag, von allen meinen Leiden gänzlich befreit. Nachdem ich meine Gesundheit wieder erlangt hatte, fing ich an, ernstlich die Macht der Mäßigkeit zu überlegen,- hatte sie die Wirkung gehabt, solche schlimmen Leiden, wie die meinen, zu beseitigen, so mußte sie auch die Kraft besitzen, mich gesund zu erhalten und meine schwache Körperconstitution zu kräftigen." Zunächst untersuchte er, ob diejenigen Speisen, welche seinem Gaumen behagten, auch seinem Magen gut bekamen. Dies war keineswegs immer der Fall. Deshalb genoß er niemals
von solchen Speisen, von welchen er irgendwelche Magenbeschwerden gehabt hatte, auch wenn er sie gern aß. „Ich wählte dagegen nur solche, welche nach meiner Erfahrung mir gut bekamen, und genoß nur soviel davon, wie ich leicht verdauen konnte, damit ich meinen Magen nie mit Speise oder Trank überlud. Dazu gewöhnte ich mich immer vom Tische aufzustehcn, wenn ich noch etwas hätte essen oder trinken können und folgte hierin dem Sprichwort: „Wer lange essen will, der esse kurz." So lernte er kennen, welche Art Speise und Trank ihm am besten bekam. Er brauchte nicht mehr Arzt und Arznei, sondern wurde selbst sein eigener Arzt, der seine Constitution am genauesten kannte und sein Befinden am besten beobachten konnte. „Denn kein Mensch kann einen besseren Arzt haben als sich selbst und keine bessere Arznei als eine geregelte Lebensweise- daher sollte Jedermann das erstere werden und das letztere anfangen. Ich meine damit jedoch nicht, daß man den Arzt zur Heilung schwerer Krankheiten nicht nöthig habe." Uebrigens gehörte Cornaro keineswegs zu den extremen und thörichten Enthaltsamkeitsaposteln. Er sagt: „Meine Speisen sind folgende: zunächst Brot, Brotsuppe, Eiersuppe oder andere ähnliche gute Suppen- von Fleischspeisen: Kalb-, Ziegen- und Hammelfleisch- ich esse Geflügel aller Art, auch See- und Flußfische. Ich verzehre täglich mit Brot, Fleisch, Eigelb und Suppe 375 Gramm und trinke 4/io Liter Wein." Er vermeidet also aufs strengste eine Ueberladung des Magens und solche Nahrung, welche ihm erfahrungsgemäß nicht gut bekommt oder schwer verdaulich ist. „Keiner darf jemals mehr essen, als sein Magen leicht verdauen kann, und nie vergessen, daß es das Uebcr- maß ist, weiches noch mehr schadet als das Essen unpassender Speisen." Nun pflegt man im Allgemeinen selten von einer einzigen Speise zu viel zu essen, vielmehr geschieht dies meist bei einem aus mehreren Gängen bestehenden Mahle, wo der verschiedene Geschmack, die verschiedenen Würzen zum weiteren Essen, weit über den Hunger hinaus, reizen. Daher begnügt sich Cornaro stets mit einem einfachen Mahle und vermeidet die vielen künstlichen Gewürze. „So lange der Mensch ein nüchternes Leben führt, kann er überzeugt sein, daß es ihm nie an dem natürlichen Gewürze, einem auten Appetite, fehlen wird."
Wer viel ißt, pflegt nach der Mahlzeit müde zu sein. Das Blut strömt in größerer Menge nach den Verdauuugs- organen- das Gehirn wird blutleer; Denken und geistiges Arbeiten fällt schwer. Ein mäßiger Esser dagegen, wie Cornaro, hat diese Beschwerden nie. „Mein Geist ist immer munter, da er nie durch zu viele Nahrung bedrückt wird. Ich bin nie schläfrig nach dem Essen und mein Verstand ist zum Arbeiten klar, da die Nahrung, welche ich genieße, zu gering ist, als daß sie nachtheilig auf den Kopf zurückwirken könnte." Natürlich hütete sich Cornaro auch vor allen anderen Gesundheitsschädlichkeiten. Namentlich vermied er jeden Aufenthalt in schlechter Lust. Ebenso bekämpfte er mit allem Ernste seine Leidenschaften. „Ebenfalls that ich Alles, was in meiner Macht stand, diejenigen liebet, die wir nicht so leicht beseitigen können, zu vermeiden, wie Schwermuth, Haß und andere heftige Leidenschaften, die augenscheinlich großen Einfluß auf unfern Körper haben." Er sorgte für peinliche Reinlichkeit und geregelte'Abwechslung zwischen geistiger und körperlicher Thätigkeit, zwischen Arbeit und Erholung, zwischen Wachen und Schlaf. Bis ins höchste Alter war er geistig und körperlich thätig, brachte jeden Tag längere Zeit mit Spazierengehen und Singen zu, wodurch er seine Lunge kräftigte und ihr die richtige Lebenslust, nämlich in der freien Natur verschaffte. Wie sehr durch diese regelmäßige hygienische Lebensweise seine Widerstandsfähigkeit gestärkt wurde, geht aus folgendem Falle hervor: „Im Alter von 70 Jahren fuhr ich, wie dies so oft geschieht, in der Kutsche, welche durch rasches Fahren umschlug, und so wurde ich eine bedeutende Strecke weit ge- schleist, bevor die Pferde angehalten werden konnten. Ich


